Wir müssen aufhören, das Problem auf andere zu schieben

Frauen in Führungsetagen sind immer noch in der Minderheit. Mit gezielten Publikationen unterstützen Verlage weibliche Karrieren. Im Interview mit buchreport fordert Campus-Verlegerin Annette C. Anton (Foto) Frauen zum Umdenken auf.

Was muss sich ändern, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen? Wir Frauen müssen aufhören, dieses Problem auf andere zu schieben – auf die Verhältnisse, die Politik, die Männer. Wenn wir stattdessen stärker in uns hineinhorchen, werden wir feststellen, dass wir uns selbst behindern: Es mangelt uns an Durchsetzungsvermögen, wir fangen viel zu spät an, uns langfristige berufliche Ziele zu setzen. Außerdem hängen wir an falschen Prioritäten: Wichtiger als die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen sind Frauen oft eine nette Arbeitsatmosphäre und sympatische Kollegen. Hinzu kommt ein großes Harmoniebedürfnis, das uns im Weg steht, wenn es darum geht, Konflikte auszutragen. Alles in allem sind Frauen einfach zu nett und sagen zu oft ja und zu selten nein. Insgesamt führt das dazu, dass wir zwar meist einen guten beruflichen Einstieg haben, aber nach drei bis fünf Jahren den Anschluss verlieren.

Aber es gibt doch auch strukturelle Ursachen?
Natürlich ist es nach wie vor schwierig, die sogenannte gläserne Decke zu durchstoßen. Das Old Boys Network hält dicht; Männer knüpfen untereinander Beziehungen und helfen einander. Frauen müssen doppelt oder dreimal so gut sein wie ein Mann, damit man wirklich nicht an ihnen vorbeikommt. Zudem ist es nach wie vor sehr schwer, nach der Babypause die Karriere weiterzuverfolgen. Die meisten Frauen kehren in Teilzeit zurück, weil die Ganztags-Kinderbetreuung nicht gewährleistet ist. Außerdem rührt sich das schlechte Gewissen, denn die Gesellschaft suggeriert: Eine Mutter bleibt zu Hause, am besten für immer.

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in der Buchbranche gemacht? 
Die Buchbranche gibt ein typisches Bild deutscher Unternehmen ab: Die Chefetagen sind fast vollständig in Männerhand, während die Hauptarbeit im unteren Bereich  und im Mittelfeld fast nur von Frauen geleistet wird. Außer Siv Bublitz (Ullstein) kenne ich keine Frau, die innerhalb eines Verlags zur Verlegerin befördert wurde. Die anderen sind qua eigener Verlagsgründung oder qua Familie Verlegerin geworden. Zu Beginn meiner Laufbahn dachte ich: So ist das halt. Bis mir ein Licht aufging und ich erkannte, dass man auch selbst etwas dazu tut. Es hat einen ja keiner dazu gezwungen, immer alles fleißig wegzuarbeiten und nicht einmal den Finger zu heben und zu sagen: Ich will auch nach oben. Dabei geht es nicht nur ums eigene Ego, sondern auch darum, dass man in einer gehobenen Position mehr Verantwortung hat und einfach mehr bewegen kann. Kurz: Das Ganze macht mehr Spaß. Ich bin jetzt seit vier Jahren bei Campus in dieser Position. Wenn ich die Weichen von Anfang an richtig gestellt hätte, hätte ich zehn Jahre früher hier sitzen können.

Die Fragen stellte Nicole Stöcker

Zur Person: Annette C. Anton

promovierte Germanistin und seit 2005 Verlagsleiterin des Frankfurter Campus Verlags, hat gerade den Titel „Mädchen für alles. Wie Sie die typisch weiblichen Jobfallen vermeiden“ veröffentlicht.

Das komplette Interview ist im buchreport.magazin 8/2009, Spezial RWS zu lesen (hier das Inhaltsverzeichnis).

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