Heiligtümer für kleines Geld

Im Buchhandel kostet der Top-Bestseller des Jahres 2007 „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ (Carlsen) 24,90 Euro. Bei einer Stichprobe der buchreport-Redaktion in einem Verbrauchermarkt war der letzte Band von Joanne K. Rowlings megaerfolgreicher Mantel-und-Besen-Saga dagegen schon für 15 Euro zu bekommen.

Grundsätzlich sorgt der Verkauf der begehrten HP-Bände (aktuell rangieren die „Heiligtümer des Todes“ auf Platz 33 der „Spiegel“-Bestsellerliste) in Tankstellen und Lebensmittelmärkten wie real und Edeka heute nicht mehr für verschärften Unmut in der Branche, anders als noch beim Erscheinen des fünften Bandes „HP und der Orden des Phönix“ im Jahr 2003.

Kritisch gesehen wird die Präsenz des Zauberlehrlings in Nebenmärkten aber nach wie vor, nicht nur wegen des entgangenen Umsatzes, sondern auch, weil Preisbindungsverstöße angesichts der unüberschaubaren Vielzahl der Verkaufsstellen besonders schwer zu identifizieren sind.

Die Belieferung der Verbrauchermärkte durch Rackjobber sei „ein ganz normaler Vorgang“, sagt Carlsen-Sprecherin Katrin Hogrebe. Der deutsche Potter-Verlag hat dem vernehmlichen Murren aus dem Buchhandel immerhin durch eine Einschränkung Rechnung getragen: „Es war nicht möglich, mit Harry Potter Neukunde bei Carlsen zu werden.“

Nicht zuletzt wegen der Sensibilität im Sortiment sind Preisbindungsverstöße an Nebenmarkt-Verkaufsstellen für den Verlag ein besonderes Ärgernis. Die Rechtsabteilung des Verlages werde „der Sache nachgehen“, versichert Hogrebe mit Blick auf die buchreport-Stichprobe.

aus: buchreport.express 3/2008

Auf Abmahnung der Preisbindungstreuhänder der Rechtsanwaltskanzlei Fuhrmann Wallenfels Binder hat sich die Firma E-Center (Villingen) mittlerweile verpflichtet, den von buchreport aufgedeckten Preisbindungsverstoß künftig zu unterlassen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Heiligtümer für kleines Geld"

  1. Michael Petrikowski | 21. Januar 2009 um 21:25 | Antworten

    Seit Jahren umgeht der Buchhandel die Buchpreisbindung indem völlig mängelfreie Bücher als „Preisreduziertes Mängelexemplar“ gekennzeichnet und weit unter Preis verkauft werden. Dies scheint für den Buchhandel OK zu sein.
    Ich finde die Buchpreisbindung gehört endlich abgeschafft, denn schließlich haben wir ja auch keine Bezinpreisbindung an Tankstellen.

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