Wird Pionierarbeit nicht belohnt, Herr Bosnic?

steinbachs sprechende bücher sind seit 30 Jahren im Markt. Verlagsleiter Peter Bosnic (Foto) findet das Hörbuch-Angebot inzwischen überbordend. Ein Interview.

Warum hat sich der Startvorteil, Hörbuch-Pionier zu sein, nicht ausgezahlt?
Wir sind zwar nicht die Nummer 1, nehmen für uns aber in Anspruch, einen großen Mosaikstein zur Entwicklung des Marktes gesetzt zu haben. Firmengründer Erich Schumm brachte gleich mit seinem ersten Programm gut 200 Hörbücher auf den Markt, musste aber gegen viele Vorurteile kämpfen. Buchhändler sprachen nur von „Blindenhörbüchern“ und stellten diese in verschließbare Vitrinen, eine Unsitte, die nebenbei bis heute noch nicht ganz ausgerottet ist … Mit unserer Entwicklung auch im mittlerweile lebhaften Wettbewerb sind wir keineswegs unzufrieden. In den letzten fünf Jahren haben wir unseren Umsatz verdoppelt, was angesichts eines sich konsolidierenden Marktes schon bemerkenswert ist.

Warum wächst der Markt kaum noch?
Weil das Angebot so unüberschaubar groß geworden ist, dass Kunden wie auch Händler schnell die Orientierung verlieren. Der Kuchen verteilt sich auf immer mehr Anbieter, und in Sachen Qualität schmecken auch nicht mehr alle Stücke. Beim klassischen Hörbuch kommt der langsame, aber stetig wachsende Verkauf via Download als Wettbewerb hinzu. Immerhin: Die verkauften Stückzahlen steigen weiter, nur leider geben die Preise nach.

Warum sind Hörbücher preislich unter Druck?
Auch da spielt das übergroße Angebot eine Rolle. Zudem sehen viele Leser und leider auch Händler Hörbücher als Bücher zweiter Klasse an. Das tut deshalb weh, weil Hörbuch-Verlage bei ihren Titeln einen viel größeren Produktionsaufwand treiben, als bei der Herstellung des entsprechenden Buches anfällt. Ein Hörbuch mit 6 oder 8 CDs, das einen Bestsellerroman hörbar macht, ist nun mal teurer als die Taschenbuch-Ausgabe.

Für Bestseller im Hörbuch werden aber auch stolze Preise erzielt …
Großproduktionen wie beispielsweise „Die Tore der Welt“ oder „Harry Potter“ zeigen tatsächlich, dass auch Hochpreisiges erfolgreich sein kann. Insofern bleibt für die Hörbuch-Verlage die Herausforderung, Kunden und Händlern den kulturellen Wert einer qualitativ hochwertigen Produktion samt angemessenem Preis zu vermitteln.

Zur Person: Peter Bosnic

1960 in Walldorf/Hessen geboren, absolvierte von 1979 bis 1982 eine Trainee-Ausbildung im Controlling bei Standard Electric Lorenz. Seine Verlagskarriere begann 1983 als Vertriebsleiter bei Suhrkamp. Von 1997 bis 2002 war
 Bosnic Vertriebsdirektor bei Pearson Education Deutschland, anschließend Vertriebs- und Marketingleiter bei Der Hörverlag. Seit 2004 ist er Verlagsleiter bei steinbach sprechende bücher. Der älteste deutsche Hörbuch-Verlag wurde 1978
als schumm sprechende bücher gegründet und 1995 von der damaligen Verlagsleiterin Johanna Steinbach-Grobst übernommen. Der Verlag setzt 3 Mio Euro pro Jahr um.

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