In Eastwick tanzen wieder die Hexen

The Witches of Eastwick“ war 1984 ein Weltbestseller. Jetzt holt John Updike (Foto) seine Heldinnen aus dem (Un-)Ruhestand: Am heutigen 21. Oktober erscheint in den USA sein neuer Roman „The Widows of Eastwick“, der als einer der Spitzentitel der Herbstsaison von hohen Vorschusslorbeeren begleitet wird.

Eastwick ist eine fiktive Kleinstadt in Rhode Island an der amerikanischen Ostküste und Updike-Fans rund um den Globus wohlbekannt. 1984 hatte der Schriftsteller die Hexen Jane, Alexandra und Sukie erstmals auf die nichtsahnenden Einwohner losgelassen und mit „The Witches of Eastwick“ einen Bestseller gelandet.

Schon vor der Verfilmung mit Jack Nicholson, Susan Sarandon, Cher und Michelle Pfeiffer war „The Witches of Eastwick“ in den USA mit über 80 000 verkauften Hardcovern ein populäres Buch. Doch mit der Schubkraft des populären Hollywood-Quartetts im Rücken wurde die von witzig-bissigem bis tiefschwarzem Humor geprägte literarische Horrorkomödie rund um den Globus zu einem der erfolgreichsten Bücher, das Updike je geschrieben hat:

  • In den USA und Großbritannien gingen von der Taschenbuch-Ausgabe jeweils mehr als 1 Mio Exemplare über den Ladentisch.
  • In Deutschland hat Rowohlt von „Die Hexen von Eastwick“ gebunden und im Taschenbuch zusammen ca. 150000 Bände abgesetzt.

„The Witches of Eastwick“ ist längst ein Klassiker – als Buch, auf der Leinwand und auch auf der Bühne. Der Kinofilm hat knapp 70 Mio Dollar eingespielt und ist Kult; eine Londoner Theaterproduktion tourt seit sieben Jahren durch die Welt: Seit August spielt eine aus den USA stammende Musical-Version in britischen Großstädten vor vollem Haus.

Auch John Updike haben die Hexen nicht losgelassen. Angekündigt hatte er die Fortsetzung seines Erfolgsromans vor einem Jahr in einem Interview mit John Freeman im Blog des National Book Critics’ Circle. „Fortsetzungen scheinen Saison zu haben und ich hatte das Buch immer im Kopf. Warum also die Charaktere nicht nach so vielen Jahren besuchen und etwas Neues finden.“

Und so trifft sich das magische Trio fast ein Vierteljahrhundert später wieder, reist um die Welt und kehrt schließlich für einen Sommer in die Kleinstadt zurück. Die Damen sind älter und weiser geworden, alle drei sind verwitwet, aber immer noch voller Tatendrang. Doch die Menschen in Eastwick sind nicht bereit, zu vergessen, was vor 24 Jahren geschehen ist, und rollen zur Begrüßung der Gäste keinen roten Teppich aus.

Die amerikanischen Kritiker sind sich in den ersten Rezensionen in der Bewertung des Romans uneins und schwanken zwischen Begeisterung und lauwarmer Zustimmung. Umso enthusiastischer ist der Buchhandel: 110.000 Hardcover sind bereits vorbestellt. Bei den unabhängigen Sortimentern ist John Updike grundsätzlich eine Bank, aber auch die Ketten Borders und Barnes & Noble werden „The Widows of Eastwick“ massiv promoten: Borders wirbt online mit 40% Preisnachlass, bei Barnes & Noble gibt es 20% in den Filialen und zusätzlich 5% Rabatt bei Vorbestellung im Internetshop.

Leseexemplare und POS-Pakete

Die Werbetrommel für den neuen Updike-Roman hatte sein Hausverlag Alfred A. Knopf erstmals während der BookExpo America (BEA) Ende Mai in Los Angeles gerührt, als einige Hundert Leseexemplare verteilt wurden. Im Vorfeld des Erstverkaufstags am 21. Oktober wird eine ganzseitige Anzeige in der „New York Times“ geschaltet, weitere Printanzeigen folgen sukzessive in den regionalen Märkten. Für den Buchhandel wurde ein umfangreiches POS-Paket vorbereitet. Rechtzeitig zum Hardcover erscheint bei Ballantine eine Neuauflage von „The Witches of Eastwick“ mit neuem Umschlag.

John Updike selbst, der erst Ende September von einer ausgedehnten Russland-Reise in die USA zurückgekehrt ist, ist kein Fan von Lesereisen, wird die Witwen aber bei ausgesuchten Veranstaltungen persönlich vorstellen. Wohlwissend um die Abneigung seines Starautors gegen öffentliche Auftritte hat Verlagssprecher Paul Bogaards, der seit vielen Jahren eng mit dem Schriftsteller befreundet ist, die Termine auf ein halbes Dutzend begrenzt. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir John Updike problemlos vier Wochen lang jeden Tag mehrfach vermitteln könnten.“

John Updike füllt mühelos Säle

Die vom Autor abgenickten Termine sind dafür hochkarätig und trotz Eintrittspreisen von bis zu 40 Dollar bereits so gut wie ausverkauft. Updike ist so populär, dass er mühelos Auditorien mit über 1000 Sitzplätzen füllt. Den Auftakt macht am 28. Oktober eine Diskussionsveranstaltung mit „New York Times“-Essyaist Charles McGrath in der Reihe „TimesTalks“ in New York. Alle Veranstaltungen finden in Kooperation mit örtlichen Buchhändlern statt.

Auch das internationale Interesse an der Eastwick-Fortsetzung ist groß. Weil John Updike zu den wenigen amerikanischen Spitzenautoren ohne eigenen Literaturagenten gehört, läuft der Rechtehandel traditionell über Knopfs Lizenzchefin Carol Janeway. Die deutschen Rechte sicherte sich wie gehabt Rowohlt. Dort erscheint „Die Witwen von Eastwick“ in der deutschen Übersetzung von Angela Präsent voraussichtlich im Juli nächsten Jahres.

Anja Sieg

aus: buchreport.magazin 10/08

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