Immer schwieriger, die Deckungsauflage zu erreichen

Immer mehr Universitätsverlage mischen auf dem deutschen Wissenschaftsmarkt mit (hier der Bericht). Im Interview äußert sich Klaus G. Saur (Foto: Stefan Beetz) über den Wettbewerb mit Universitätsverlagen.

Sind Uni-Verlage normale Marktteilnehmer?
Von dem Vize-Rektor einer Universität habe ich einmal die wunderbare Auskunft bekommen, dass sein Universitätsverlag 90% Kostendeckung erreicht hätte. Bei meiner Nachfrage hörte ich dann, dass sich diese Angabe auf die Herstellungskosten bezog, die zu 90% durch den Verkauf der Bücher gedeckt wurden. Aber wo sind denn die Gemeinkosten, die Personal- und die Raumkosten?, fragte ich. Die Antwort lautete: Die haben wir nicht, weil auf Mitarbeiter und Räume der Universität zurückgegriffen wird. 

Wer trägt denn nun die Kosten?
Wenn man’s genau nimmt: Die Steuerzahler.

Graben Uni-Verlage an Ihren Pfründen?
Nein. Die Universitätsverlage verlegen heute eine Reihe von wissenschaftlichen Abhandlungen, Publikationen, Monografien, manchmal auch Dissertationen, die natürlich in vielen Fällen von etablierten Wissenschaftsverlagen abgelehnt worden sind oder abgelehnt würden, weil es sich um Publikationen handelt, von denen man eben nicht mehr als 125 Stück verkaufen kann und die nicht kostendeckend produziert werden können.

Uni-Verlage sind also keine Bedrohung?
Ich sehe die Universitätsverlage im Prinzip nicht als Konkurrenz, weil wir die relevanten Titel angeboten bekommen und prüfen können, ob wir von der wirtschaftlichen Seite her noch verlegen können. Wir haben noch nie das Gefühl gehabt, dass uns ein Titel entgangen ist, der dann durch einen Universitätsverlag erfolgreich geführt wurde. Wir müssen vielmehr gute Manuskripte ablehnen, weil die Absatzzahlen insgesamt zurückgehen und es immer schwieriger wird, die Deckungsauflage zu erreichen. Die knappen Bibliotheksetats werden fast nur noch für Zeitschriften und zunehmend für elektronische Produkte ausgegeben. 

Sie produzieren weniger Bücher…
Nein, um den Gesamtumsatz zu halten, haben wir den Ausstoß zuletzt noch jedes Jahr erhöht, denn bei den Preisen haben wir das Maß ausgeschöpft. Parallel stellen wir unsere Produktion um und bringen alle neuen Bücher als E-Books, und zunehmend werden jetzt retrospektiv Zeitschriftenjahrgänge bis ins 19. Jahrhundert Zug um Zug komplett digitalisiert. Denn nur, wenn wir das gesamte Informationsangebot sowohl in Papier- wie in digitaler Form haben, können wir auf dem Markt überleben. Das sind hohe Investitionen, aber inzwischen haben wir bereits eine Reihe von Verlagsobjekten, die auch in der elektronischen Form einen echten Deckungsbeitrag bringen.

Die Fragen stellte Helge Rehbein

Zur Person: Klaus G. Saur,

der am vergangenen Sonntag seinen 67. Geburtstag gefeiert hat, ist geschäftsführender Gesellschafter der Verlage Walter de Gruyter, K.G. Saur und Max Niemeyer (Umsatz 2007: 38,3 Mio Euro). Durch den Zukauf der beiden letzteren Verlage 2006 ist der größte geisteswissenschaftliche Verlag Europas entstanden. 

Kommentare

1 Kommentar zu "Immer schwieriger, die Deckungsauflage zu erreichen"

  1. Andrea Czepek | 29. Juli 2008 um 19:25 | Antworten

    Der Ehrlichkeit halber sollte man erwähnen, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen auch in kommerziellen Verlagen von Steuergeldern mitfinanziert werden, denn die Autoren/innen sind oft öffentliche Angestellte oder Beamte, erhalten kein Honorar, nutzen die Infrastruktur der Hochschule, außerdem werden oft Druckkostenzuschüsse aus öffentlichen (Hochschul-)mitteln geleistet etc.

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