Autorentöne und Literatouren

Autoren, bitte hineinschiffen in den Literaturhafen!“ Ulrich Janetzki, der Leiter des Literarischen Colloquiums in Berlin (LCB), formulierte vor knapp zwei Jahren bei der Eröffnung des „Literaturports“ recht salopp. Doch die Schriftsteller aus Berlin und Brandenburg ließen es sich nicht zweimal sagen, und Literaturinteressierte wissen es zu schätzen: „50000 besuchen uns monatlich“, freut sich die Redakteurin Claudia Schütze. Jetzt ist der vom LCB und dem Brandenburgischen Literaturbüro gemeinsam betriebene „Literaturport“ sogar für den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur  und Unterhaltung nominiert.

Die Nominierung ist eine kleine Sensation, denn an Literaturangeboten im Netz ist kein Mangel, und das vom Bundeskulturminister geförderte, ebenfalls vor zwei Jahren mit vielen Fehlern gestartete „Literaturportal“ des Deutschen Literaturarchivs Marbach beansprucht, die zentrale deutsche Plattform zu sein.

Der „Literaturport“, von den Stiftungen Preußische Seehandlung und Brandenburger Tor sowie den Ländern Berlin und Brandenburg mit 23000 Euro initiiert, hat dagegen regional begonnen. Literaturinstitutionen beider Bundesländer speisen ihre Veranstaltungen in den Kalender ein, Autoren ihre Lebensläufe, Preise und Werke – mal einsilbig wie Jakob Hein, mal ausführlich wie Elke Erb, mal warnend wie Thomas Lehr: „Je näher man einen Autor anschaut, desto ferner schaut er zurück.“

Für die Autoren will der „Literaturport“ Schaufenster, Kommunikationsplattform und Informationsbroker sein. Eine Rubrik warnt sie vor dem Ende der Bewerbungsfristen von Literaturpreisen und Stipendien in Deutschland sowie – gefördert von den jeweiligen nationalen Stiftungen – Österreich und der Schweiz: „Noch 3 Tage!“ Unter „Autorentöne“ sind Lesungen aus neuen, manchmal noch unveröffentlichten Werken zu finden, unter „Literatouren“ stellen einige Schriftsteller ihr Berlin vor. „Bald präsentieren Günter de Bruyn und Lutz Seiler ihr Brandenburg“, kündigt Peter Walther vom Brandenburgischen Literaturbüro an, der die Autoren des flachen Landes betreut.

Neben 500 lebenden sind 3000 tote Schriftsteller über das Alphabet oder eine Landkarte recherchierbar. Auf Lebenslauf und Foto folgen ein Link zu Zeitgenossen, dann Texte, die sogleich bei Google Books, in Antiquariaten oder der Berliner Staatsbibliothek gesucht werden können, schließlich Literaturhinweise, nahestehende Kollegen sowie „Literaturorte“: Von der Bio- zur Topografie und zurück.

Bald sollen die Autoren aus dem ganzen deutschsprachigen Raum recherchierbar sein: Mit Unterstützung der Leipziger Messe, die schon beim „Preis der Leipziger Buchmesse“ mit dem LCB kooperiert, wächst der „Literaturport“ zum zentralen Informationsangebot über Literatur heran. Auch an ein Verlagsregister wird gedacht. Zunächst an ein regionales.

Jörg Plath

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