Postskriptum: Leiden am Spielfluss

Autoren: Ambitioniert

Im literarischen Austausch zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz nimmt die bevorstehende Fußball-EM immer breiteren Raum ein. In diesem Zusammenhang bemerkte jetzt eine Kollegin, dass die Österreicher nur bei der von ihnen ausgerufenen „Autoren-EM“ eine Siegchance hätten. Tatsächlich hat die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse entsprechende Ambitionen gerade durch eine virtuose Doppelbösigkeit untermauert. Sie schreibt in einem von der „Zeit“ abgedruckten Brief an Harald Martenstein: „Denken Sie demütig daran, dass ihr Deutschen bei den letzten beiden Europameisterschaften kein einziges Spiel gewonnen habt. (…) Und das, wo doch die ganze Welt weiß (und euch dafür hasst), dass ihr Deutschen immer das größte Glück bei der Auslosung habt. Immer kriegt ihr die schwächsten Gegner. Diese EM beweist es ja wieder: Ihr spielt gegen uns.“

Grashoppers: Geliebt

Im fußballkulturellen Schlagabtausch mit der Schweiz ist Deutschland dagegen in Führung gegangen, dank eines schwungvollen Angriffs von Jochen Hieber in der „FAZ“, der über die Fußball-Leidenschaft Friedrich Dürrenmatts schreibt: „Unwahr muss jedoch die Anekdote sein, Dürrenmatt habe nach Niederlagen seines Lieblingsklubs, der Grashoppers Zürich, jeweils eine Woche lang unter Schreibblockaden gelitten. Stimmte das wirklich, wäre sein Werk sehr schmal geblieben.“

Militär: Muskulös

Mit sportlicher Aktivität anderer Art tut sich der deutsche Muskel-Mime Ralf Moeller hervor: Der Darsteller aus „Gladiator“ will Ende Mai mit Fitnessgeräten im Gepäck nach Afghanistan reisen, um zusammen mit deutschen Soldaten zu trainieren. Interessanterweise scheint die Aktion des Actionhelden noch keinen knackigen Namen zu haben, doch da helfen wir gern mit Vorschlägen aus. Wie wär’s mit: „Starke Arme – starke Armee“? Oder mit „Hanteln am Hindukusch“? Aus Gründen der Ausgewogenheit hier auch direkt ein Slogan für Kriegsgegner: „Kein Schweiß für Öl!“

Schädel: Schillernd

Nach monatelangen Recherchen, Grabungen, Exhumierungen und DNA-Untersuchungen hat der MDR herausgefunden, dass der Schädel, der im Sarg Friedrich Schillers in der Weimarer Fürstengruft lag, nicht Schillers Schädel ist. Das wichtigste an dieser Meldung dürfte allerdings sein, dass man sich angesichts dieses Theaters um ein paar alte Knochen an den eigenen Schädel greift.

Gefühle: Gedruckt

Zum Wonnemonat Mai hat die „Bild“-Zeitung den Wettbewerb „Schreiben Sie ein Liebesgedicht!“ ausgerufen. Die schönsten Einsendungen werden abgedruckt, und da ich dieser reizvollen Aussicht nicht widerstehen kann, hier mein Beitrag: Ich habe noch nie für ein Wesen / so wie für dich gefühlt. / Meine Briefe magst du nicht lesen, / doch ganz bestimmt liest du „Bild“. / Und solltest du mich nicht erhören / und wird dein Herz nicht meins, / dann lass’ ich mich eben betören / von der nackten Frau auf Seite eins.

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