Viele erkennen das Problem nicht

Warum müssen Verlage sich verändern?
Helmut von Berg: Die Situation der Verlage hat sich durch verschiedene Umstände in den vergangenen Jahren erheblich verschärft. Sie haben ein Problem mit dem Handel, der durch große Ketten dominiert wird und ihnen die Margen streitig macht. Sie haben ein Problem mit der Herausforderung des digitalen Publizierens, weil sie neue Konzepte brauchen, um Märkte neu oder anders zu adressieren. Die Frage ist, welche Vertriebswege mit welchen Produkten in Zukunft überhaupt beschritten werden können.

Reicht das Change- oder Innovationsmanagement der Verlage aus?
Zwar sind sich einige Verlage durchaus darüber bewusst, dass sie in sehr absehbarer Zeit ein völlig anderes Geschäft betreiben werden, was sich international auch schon deutlich abzeichnet. Viele erkennen dieses Problem in der Schärfe aber eben leider noch nicht. Für mich sind Holtzbrinck und Bertelsmann in Deutschland sehr gute Beispiele für Verlage, die auf dem richtigen Weg sind. Dahinter gibt es aber eine Riesenlücke. Viele kleinere Verlage werden versuchen müssen, in der Nische zu überleben. So viele Nischen gibt es freilich nicht. Da muss man sich sehr gut aufstellen, um für die Zukunft eine echte Chance zu haben.

Werden Verlage im heutigen Sinne weiter existieren können?
Die Rolle der Buchverlage verändert sich ganz stark. Es wird sie sicher weiterhin geben, aber es werden große Gruppen sein, die Bücher produzieren. Der ganze Mittelteil wird Probleme haben, zu überleben, wenn er nicht sehr genau adressierbare Märkte hat, für die er produziert. Die Frage, wie Inhalte aufbereitet werden müssen, um in Zukunft Erfolg am Markt erzielen zu können, ist offen. Wenn man die Inhalte nicht verschenken will oder sie nicht über Werbung finanzieren kann, dann muss man sehr genau wissen, für wen welche Inhalte interessant sind und wie sie diesen möglichen Kunden am schnellsten und besten erreichen

Wird das Buch überleben?
Ja. Es gibt zwar in vielen Bereichen Menschen, die Online-Dienste und auch Online-Content nutzen. In der Regel machen sie das aber, um etwas zu finden und sich dann mit diesem Inhalt umfangreicher in gedruckter Form auseinandersetzen. Dieses Verhalten wird sich auf absehbare Zeit, glaube ich, nicht ändern. Für Verlage ist es eine zentrale Herausforderung, Inhalte so aufzubereiten, dass sie möglichst zuverlässig gefunden werden können.          

Die Fragen stellte Ingo Schiweck

Zur Person: Helmut von Berg
war in der Vergangenheit u.a. Herstellungsleiter bei der Droemerschen Verlagsanstalt. Seit 2004 ist er als Direktor bei Klopotek & Partner verantwortlich für den Arbeitsbereich „Herstellung im Verlag“.

Mehr zum Thema im buchreport.spezial „Herstellung & Management“, das als Supplement des buchreport.magazin Mai erschienen ist. Das Klopotek-„Forum Herstellung im Verlag“ am 8./9. Mai in Berlin steht unter dem Motto „Publizieren im Wandel“.

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