Postskriptum: Kerl im Untertitel

Untertitel: Verschieden

Bei ihrer neuen DVD-Edition „Deutschland – Lenker und Gestalter“ ist es der „Zeit“ offenbar nicht gelungen, einheitliche Untertitel für die zwölf Silberlinge der Reihe zu entwickeln. So trägt die DVD über Konrad Adenauer den Untertitel „Der Patriarch“, die über Helmut Schmidt: „Helmut Schmidt außer Dienst“ und die über Ludwig Erhard: „Das Leben Ludwig Erhards“. Da fehlt nicht nur eine einheitliche Linie, das dröge Durcheinander fällt außerdem durch einen schlimmen Mangel an Originalität auf. Dabei zeigen die Macher der Edition sich sozusagen selber, wie man’s besser macht: Die DVD über Alice Schwarzer hat den Untertitel: „Der Chef“.

Bücher: Versuchend

„Ach, diese Versuchungen“, seufzt Gerd Kröncke in der „FAZ“. „Es gab Zeiten, da wünschte man, Buchhandlungen sollten, wie Spielbanken, den Ausweis verlangen und dem notorisch Süchtigen den Zutritt verwehren.“ Kröncke erhebt diese Forderung sicher nicht etwa deshalb für die Vergangenheit, weil die aktuelle Produktion der Verlage keine Versuchungen mehr hervorbrächte, sondern weil die suchtbekämpfende Zugangssperre im Zeitalter des Online-Buchhandels nicht sehr Erfolgversprechend wäre. Interessant ist Krönckes Aussage aber unter dem kulturpolitischen Gesichtspunkt, verschafft sie doch der Preisbindung eine zusätzliche Legitimation als Instrument der Suchtprävention.

Kempner: Verkannt

Der anbrechende Frühling ist eine gute Gelegenheit, an die großartige Dichterin Friederike Kempner (1828–1904) zu erinnern, Schöpferin der berühmten Zeilen: „Wenn der holde Frühling lenzt / Und man sich mit Veilchen kränzt, / Wenn man sich mit festem Mut / Schnittlauch in das Rührei tut, / Kreisen durch des Menschen Säfte / Neue ungeahnte Kräfte – / Jegliche Verstopfung weicht, / Alle Herzen werden leicht, / Und das meine fragt sich still: / ,Ob mich dies Jahr einer will?‘“ In der „Westfälischen Rundschau“ fand der Autor dieser Kolumne übrigens ein ihm bislang unbekanntes Glanzstück Kempner’scher Dichtkunst, das von ihrer Angst kündet, scheintot begraben zu werden: „Wisst ihr nicht, wie weh das tut, / Wenn man wach im Grabe ruht?“

Frühwerk: Verramscht

Der Düsseldorfer Mäzen Gerhard Schäfer lässt eigens eine Taschenbuchausgabe des gefloppten Frühwerks „Sinecure“ von Joseph von Westfalen drucken, um ein „Entsorgungskunstwerk“ im mecklenburg-vorpommerschen Landsdorf zu füllen: Interessenten bekommen das Buch geschenkt, wenn sie es persönlich in Landsdorf abholen. Da bekommt der Begriff Edelramsch eine vollkommen neue Bedeutung.

Sex: Verhütet

Zum Schluss noch eine Fundstelle aus dem neuen Buch „Niveau ist keine Handcreme – Gepflegte Sprüche für alle Lebenslagen“ von Günther Willen (Ullstein). Darin zitiert der Autor unter der Rubrik „In der Buchhandlung“ ein Bonmot, das er in einer Wiener Buchhandlung aufgeschnappt hat: „Wenn es keine Bücher gäbe, wären die Menschen dem Sex hilflos ausgeliefert.“

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