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Verlage
Freitag, 08. Juni 2012 (13:06 Uhr)


Agency-Klage: Barnes & Noble kritisiert US-Justiz

„Vergleich fordert unschuldige Opfer“

Im Rechtsstreit um das Agency-Modell feuert der Buchhändler „Barnes & Noble“ scharf gegen die US-Regierung. Der von ihr ausgearbeitete Vergleich mit drei Großverlagen (hier im Detail nachzulesen) sei nicht im öffentlichen Interesse und gefährde unschuldige Dritte, kritisiert der weltweit größte Buchhändler in einem Schreiben an die Justiz.

Damit beruft sich Barnes & Noble auf den „Tunney Act“, demzufolge ein Gericht kein Urteil fällen darf, dass dem öffentlichen Interesse widerspricht und Richter darauf achten sollen, keine dritten Parteien zu gefährden. 

Die Begründung des Filialisten: Vor Einführung des Agency-Modells hätte kein Wettbewerber gegen Amazons Kampfpreis-Strategie bestehen können. Die von den Verlagen gesteuerten, fixen E-Book-Preise hätten den Wettbewerb auf dem E-Book-Markt erhöht und neue Player ermutigt, in das Geschäft mit digitalen Büchern einzusteigen. 

Das Agency-Modell habe auch den Wettbewerb unter den Verlagen erhöht, wodurch die E-Books – anders als von der US-Justiz angenommen – insgesamt billiger geworden seien, wie folgende Grafik veranschaulichen soll:

Der angestrebte Vergleich schade Barnes & Noble und anderen stationäre Händler und lasse sie dort zurück, wo sie vor zwei Jahren waren. Dem Buchmarkt stünden dann düstere Zeiten bevor, so Barnes & Noble:

  • Außerstande gegen die Dumping-Preise von Amazon bestehen zu können, seien konkurrierende Händler gezwungen, aus dem E-Book-Markt aussteigen. 
  • Die Auswahl an Büchern und Buchverkaufsstellen werde zurückgehen. 
  • Die Konsumenten könnten dann nur noch bei Amazon und großen Kaufhäusern einkaufen, wo es ausschließlich massentaugliche Bücher gebe. 

Ähnlich hatte am Montag Paul Aiken, der Chef des US-Autorenverband, argumentiert:

  • Amazon habe Ende 2009, vor der Einführung, 90% des E-Book-Marktes beherrscht. Erfolgsrezept: E-Books weit unter den Preisvorstellungen der Verlage verkaufen.
  • Viele traditionelle Buchhändler hätten ihre Geschäfte geschlossen oder sich verkleinert – Borders sei schon in die Knie gegangen.
  • Nach der Einführung des Agency-Modells durch Apple sei ein richtiger Wettbewerb entstanden. Amazons Marktanteil sei in zwei Jahren von 90 auf 60% gesunken.
  • Barnes & Noble sei der Überraschungssieger gewesen, mit einem E-Book-Marktanteil von 20%.

Das Fazit von Barnes & Noble: Der Vergleich sei nicht im öffentlichen Interesse. „Angesichts seiner erheblichen Konsequenzen, dem Fehlen jeglicher Faktenbasis und den Schäden, die unschuldigen Dritten – Barnes & Noble, unabhängigen Buchhändlern, nicht beklagten Verlegern sowie Autoren – zugefügt werden, sollte der Vergleich grundlegend geändert oder gänzlich abgelehnt werden.“



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