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Entskandalisierung einer Geschichte der Skandale

Bestsellerautor Manfred Lütz will mit Falschinformationen aufräumen: Sein neues Buch ist eine Neuerzählung der Geschichte des Christentums.

Tausendsassa: Manfred Lütz ist Psychiater, Schriftsteller, Kabarettist und katholischer Theologe. Als Autor schrieb er u.a. die Bestseller „Irre – wir behandeln die Falschen“ und „Gott – eine kleine Geschichte des Größten“, wofür er 2008 den renommierten Corine-Literaturpreis erhielt. (Foto: Daniel Biskup)

Am 27. Februar platzt die auf dem Cover abgebildete Bombe: Bestsellerautor Manfred Lütz – zuletzt mit dem Gesprächsband „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden“ im SPIEGEL-Ranking – gibt bei Herder sein neues Buch heraus: „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums.“ Ein von Lütz selbst eingesprochenes Hörbuch zum Titel kommt zeitgleich in den Handel.

Herder promotet den Spitzentitel über das ganze Frühjahr hinweg mit einer groß angelegten Werbekampagne in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Buchhandel erhält laut Sprecherin Nicola Meier eine umfangreiche Leseprobe, POS-Deko und die Möglichkeit, Veranstaltungen mit dem Autor durchzuführen. Lütz selbst wird in verschiedenen TV-Talkshows zu Gast sein und sein Buch u.a. bei „Markus Lanz“ und beim „Kölner Treff“ vorstellen. Exklusive Einblicke bietet das folgende buchreport-Interview.

 

Europa ist vom Zerfall bedroht, im Bundestag sitzt eine Partei, die angeblich das christliche Abendland retten will: Ist Ihr Buch ein Appell in krisengeschüttelten Zeiten?

Mein Buch ist kein Appell, sondern es erzählt die spannende Geschichte der größten Menschheitsreligion aller Zeiten auf dem heutigen Stand der Wissenschaft. Viele Leute, die das christliche Abendland hochleben lassen, haben in Wahrheit gar keine Ahnung vom Christentum, aber auch Menschen, die die Geschichte des Christentums nur als Skandalgeschichte kennen, wären überrascht, wenn sie wüssten, was die neuere Forschung über Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Inquisition und all die anderen bekannten Themen inzwischen herausgefunden hat. Mein Anliegen war, seriös, aber dennoch allgemein verständlich für eine breitere Öffentlichkeit auf 288 Seiten über alle bekannten „Skandale“ des Christentums in den 2000 Jahren so zu schreiben, dass der Leser da künftig ernsthaft mitreden kann. Deswegen habe ich das Buch von Deutschlands bekanntesten Historikern gegenlesen lassen, damit trotz lockerer Form alles dennoch stimmt. Wie immer hat es aber auch mein Friseur streng auf Allgemeinverständlichkeit überprüft.

Was ist der titelgebende „Skandal“?

Egal ob man Christ ist oder nicht, wenn man den heutigen Stand der Wissenschaft über die Geschichte des Christentums wirklich kennt und nicht irgendwelchen naiven Kirchenfans oder ebenso naiven Kirchenhassern auf den Leim geht, dann muss man zum Ergebnis kommen, dass es eigentlich ein Skandal ist, dass man die Geschichte des Christentums in der Öffentlichkeit in der Regel nur noch als Skandalgeschichte wahrnimmt. Das liegt nicht zuletzt an den Christen selber, von denen sich manche gern lichtvoll vor dem düsteren Hintergrund einer Geschichte inszenieren, die sie in Wirklichkeit selber gar nicht kennen. Natürlich gibt es Skandale, wie zum Beispiel neuerdings den Missbrauchsskandal – auch darüber geht das Buch –, und dieser Skandal hat die Kirche ins Mark getroffen, denn der Missbrauch durch katholische Priester ist ein besonders perfides Verbrechen, weil die Opfer dann oft nicht nur das Vertrauen in die Menschen verlieren, sondern auch lebenslang keinen Zugang mehr zu einer guten Spiritualität finden. Aber wenn all die 2000 Jahre Christentum nur ein einziger Horror gewesen wären, dann wäre das Christentum definitiv diskreditiert…

Bestsellerautor Manfred Lütz will mit Falschinformationen aufräumen: Sein neues Buch ist eine Neuerzählung der Geschichte des Christentums.

Tausendsassa: Manfred Lütz ist Psychiater, Schriftsteller, Kabarettist und katholischer Theologe. Als Autor schrieb er u.a. die Bestseller „Irre – wir behandeln die Falschen“ und „Gott – eine kleine Geschichte des Größten“, wofür er 2008 den renommierten Corine-Literaturpreis erhielt. (Foto: Daniel Biskup)


Am 27. Februar platzt die auf dem Cover abgebildete Bombe: Bestsellerautor Manfred Lütz – zuletzt mit dem Gesprächsband „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden“ im SPIEGEL-Ranking – gibt bei Herder sein neues Buch heraus: „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums.“ Ein von Lütz selbst eingesprochenes Hörbuch zum Titel kommt zeitgleich in den Handel.
Herder promotet den Spitzentitel über das ganze Frühjahr hinweg mit einer groß angelegten Werbekampagne in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Buchhandel erhält laut Sprecherin Nicola Meier eine umfangreiche Leseprobe, POS-Deko und die Möglichkeit, Veranstaltungen mit dem Autor durchzuführen. Lütz selbst wird in verschiedenen TV-Talkshows zu Gast sein und sein Buch u.a. bei „Markus Lanz“ und beim „Kölner Treff“ vorstellen. Exklusive Einblicke bietet das folgende buchreport-Interview.
 
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1 Kommentar zu "Entskandalisierung einer Geschichte der Skandale"

  1. Josef Breinbauer | 1. Mai 2018 um 20:12 | Antworten

    Das SKANDAL- Buch von Manfred Lütz ist eine Zumutung, was natürlich die erzkatholische Presse nicht eingestehen kann. Also braucht es ein paar Beispiele, um zu zeigen,wie Lütz vorgeht und dabei mit seinem durch fromme Scheuklappen eingeengten Blick vieles unter den Teppich kehrt. Der wölbt sich inzwischen ganz gehörig.
    Im Lob von Toleranz und Gewaltlosigkeit der Christen (S. 35 ff.) kann sich Lütz kaum eingrenzen. Doch nicht einmal untereinander kamen die Christen ohne Gewalt aus. Natürlich bleibt daher bei ihm unerwähnt, dass bei der Papstwahl im Jahre 366 die Leute des dann erfolgreichen Damasus eine Kirche stürmten und darin 137 Anhänger seines Rivalen Ursinus umbrachten. Auch die sog. „Räubersynode“ von Ephesos (449) kann nicht gerade als Muster des respektvollen Umgangs der Christen miteinander gewertet werden. Skandale gibt es für Lütz aber erst nach der Jahrtausendwende. “Und wenn das Ende der Welt damals gekommen wäre, müssten wir uns bei der Bilanz des Christentums nicht mit den klassischen Skandalen aufhalten, denn es gab sie nicht. Es gab in den ersten tausend Jahren des Christentums weder Kreuzzüge noch Inquisition oder Hexenverfolgungen, auch keine Pogrome und ebensowenig eine dauerhafte Kirchenspaltung mit der Ostkirche. Man erwarb sich Verdienste bei der Humanisierung der Barbarei…..”( S.63 f.). Allein schon das frevelhafte Vergehen von Papst Stephan VI. gegen seinen Vorgänger Formosus auf der Leichensynode von 896/97 macht eine solche Behauptung unglaubwürdig. Fehlanzeige auch der kirchliche Rangstreit 1062/63, als sich in Goslar die Leute des Bischofs von Hildesheim und die des Abtes von Fulda in der Kirche gegenseitig die Köpfe einschlugen, bis feststand, wer neben dem Mainzer Erzbischof sitzen darf. Lampert von Hersfeld, Annalen a. 1063: …multi utrimque vulnerati, multi occisi sunt…Mit der Solidarität der Glaubensbrüder untereinander war es also noch nicht so gut bestellt wie es uns Lütz glaubhaft machen will. Und wenn es ums Geld geht, hört die Friedensliebe der Christen auch gegenüber anderen Christen schnell auf: Eroberung von Zara beim Kreuzzug (1202).
    Auf Seite 44 unterstellt Lütz dem Kaiser Konstantin, dass dieser im Sinne der Gewaltlosigkeit des Christentums handeln wollte. Ob das Licinius, Fausta und Crispus auch so sehen, dürfte fraglich sein. Nicht zu vergessen, dass der Christengott für Konstantin zunächst ein Schlachtenhelfer war. Bei der Regelung der Osterfrage hatte Konstantin auch ein paar „Streicheleinheiten“ für die Juden übrig: „Nichts sei uns gemein mit dem feindlichen Volk der Juden!“
    Das Buch von Lütz lässt sich genüsslich zerpflücken. Das Kapitel über die päpstliche Unfehlbarkeit entbehrt fachlicher Tiefe. In diese Zeit des Pontifikats von Pius IX. – auf die Mortara-Affäre sei hier gar nicht eingegangen – gehört auch dies: Der Skandal um die Nonnen von Sant’ Ambrogio, den Hubert Wolf ausführlich beschrieben hat, kann natürlich bei Lütz keine Erwähnung finden. Der Gipfel von Heuchelei ist es, wenn Joseph Kleutgen, der sich als Beichtvater der Nonnen zu deren hübschesten ins Bett gelegt hatte, sich später in einer Predigt an die studierende Jugend wendet und die Unkeuschheit als Weg zur Hölle anprangert (Predigten von Joseph Kleutgen, Zweite Abtheilung, Pustet Verlag 1874, S. 99-117). Unbequemen Wahrheiten muss man einfach aus dem Weg gehen.
    Was Lütz zum Thema Frau oder zum Nationalsozialismus schreibt, bleibt ebenfalls geschönt. Von Brückenbauern wie Karl Adam, Joseph Lortz oder Michael Schmaus nimmt er natürlich Abstand. Um sein Bild des Katholizismus in der NS-Zeit nicht trüben zu müssen, liest man bei ihm weder vom „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“, welches die Phil.-Theol. Hochschulen Bayerns 1933 unterzeichneten, noch vom „Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen“, hrsg. mit Empfehlung des deutschen Gesamtepiskopats von Erzbischof Conrad Gröber (1937). Vom kath. Feldgesangbuch von 1939 und diversen Hirtenbriefen deutscher (Erz-)Bischöfe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat Lütz ebenfalls keine Ahnung oder er kehrt dies bewusst unter den Teppich.
    Fazit: Manchmal fragt man sich schon, wie klar oder unklar der Kenntnisstand von Herrn Lütz ist. Es ist tröstlich, dass sich seine Aussagen problemlos zurechtstutzen lassen. Von dem hohen Ross, auf dem er besserwisserisch durch die Kirchengeschichte reitet, kann man ihn leicht herunterholen.

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