Postskriptum: Polternder Pofalla

Für Aufregung sorgt Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU): Er soll zu seinem Parteifreund Wolfgang Bosbach gesagt haben: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.“ Diese Aussage wird jetzt allgemein als Verbalattacke auf Bosbach wegen dessen Widerstandes gegen den Euro-Rettungsschirm missverstanden. Dabei schimpfte der Brillenträger Pofalla in Wirklichkeit auf Ex-Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), weil er sich seit dessen Gesundheitsreform keine vernünftige Brille mehr leisten kann. Übrigens: Sollte Pofalla tatsächlich die Fresse seines Parteifreundes Bosbach nicht mehr sehen wollen, müsste er einfach nur mal den Fernseher ausschalten.   

Poesie: Pekuniär

Vergangene Woche ließ ich mich an dieser Stelle von Shakespeares Gedichtzeile „und Sommers Pacht hat allzu kurze Frist“ zu der Frage inspirieren, von wem wir wohl unser Geld für den verkorksten Sommer zurückbekommen. In der „Welt“ entdeckte am Wochenende der Kollege Wieland Freund einen Zusammenhang zwischen Euro-Krise und Rainer Maria Rilkes „Herbsttag“. Er bemerkt zu der Zeile „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“: „So viel zur Flucht in Immobilien.“ Ich muss gestehen: Diese Häufung materialistischer Interpretationsansätze gibt mir dann doch zu denken. Wir dürfen uns wohl nicht wundern, wenn unsere Kinder eines Tages glauben, Rilkes „Herbsttag“ beginne mit: „Herr, Zeit ist Geld!“  

Urlaub: Unausgefüllt

Überhaupt, der Sommer: Ein früherer Berater des indischen Premiers Manmohan Singh erzählte jetzt in einem Interview: Singh mache nicht nur nie Urlaub, sondern habe schon auf den Vorschlag, an eine Dienstreise nach Goa einen Sonntag am Strand anzuhängen, geantwortet: „Aber was soll ich da machen?“ Ja, so gesehen: Wer braucht schon Sonnenschein.

Aktiengesellschaft: Arbeitsteilig

Wie geht’s Eichborn? In der „FAS“ schreibt Eichborn-Lektor Matthias Bischoff: „Selbst die Vorstände der Aktiengesellschaft arbeiteten als Team. Der eine führte den Verlag an den Abgrund heran, der andere brauchte dann nur noch zu schubsen.“ Man sieht: Wenigstens die humoristische Substanz des Unternehmens ist unbeschädigt.

Zeuge: Zugereist

Zum Schluss eine putzige Formulierung aus dem neuen Buch „Es juckt so fürchterlich, Herr Richter! Die skurrilsten und schrillsten Fälle aus dem Gerichtsalltag“ (S. Fischer) von der Berliner Gerichtsreporterin Uta Eisenhardt. Die lässt einen Zeugen von sich sagen: „Ich komme aus einem 80000-Seelen-Dorf in Rheinland-Pfalz.“ Ist das süß? Ein Freund von mir wohnt übrigens in einer 15-Einwohner-Metropole in Mecklenburg-Vorpommern.

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