Ich kann die Literatursendung nicht neu erfinden

Das ZDF startet am Freitag die neue Literatursendung „Das Blaue Sofa“. Im Interview beschreibt Wolfgang Herles das Konzept der Sendung und die Perspektiven der Literatur im deutschen Fernsehen.

Sind Sie ein Nachtmensch?
Ja. Ich schreibe nachts, und für das Lesen ist das natürlich sowieso die beste Zeit. Aber es wäre ein Irrtum zu glauben, dass ich Tag und Nacht lese. Dann ginge die Begeisterung für die Literatur verloren, und diese Begeisterung braucht man, weil man sie ans Publikum weitergeben muss. Wichtiger als ununterbrochenes Lesen ist die Fähigkeit, aus dem großen Angebot die wenigen Bücher herauszupicken, die einen packen und über die gesprochen werden sollte. Dabei helfen mir natürlich Kolleginnen und Kollegen, aber von dem, was in die engere Wahl kommt, verschaffe ich mir immer selbst einen Eindruck. Wenn mich ein Buch packt, dann nehme ich es mit aufs Klo und ins Bett und möchte gar nicht mehr davon lassen. Ich habe also ein sehr natürliches Leseverhalten und nicht das eines Kritikers, für den Lesen Arbeit ist.

Was versprechen Sie sich von der Übertragung der auf der Leipziger Buchmesse eingeführten Marke „Das Blaue Sofa“ auf eine regelmäßige Fernsehsendung?
Der Club Bertelsmann, Deutschlandradio und das ZDF haben „Das Blaue Sofa“ durch die Buchmessen gemeinsam zu einer starken Marke gemacht. Obgleich sie geschützt ist, gibt es etliche Literaturveranstalter, die den Begriff kopiert haben. Die hohe Akzeptanz hat uns veranlasst, den eingeführten Namen, den so viele mit mir in Verbindung bringen, nun auch selbst zu verwenden, anstatt einen neuen Namen für die Sendung zu suchen.

Was wollen Sie anders machen als bei Ihren bisherigen Literaturformaten „Schrifttypen“ (3sat) und „Auf den Punkt“ (Phoenix)?
Ich möchte mit den Autoren Gespräche führen, mich auf Augenhöhe mit ihnen über Literatur unterhalten. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, unterschiedlicher Meinung zu sein oder sich sogar zu streiten. Dieses intensive Gespräch über Literatur, das ich mir für „Das Blaue Sofa“ vorgenommen habe, hat es im Fernsehen so bisher nicht gegeben. Klar ist aber auch, dass ich die Literatursendung nicht neu erfinden kann. Es ist alles schon einmal dagewesen. Unverwechselbar werden die Sendungen durch den persönlichen Stil des Moderators und sein Temperament.

Welche Perspektiven hat die Literatur im deutschen Fernsehen?
Sie hat eine Perspektive, weil es bei der Literatur nicht nur um Einschaltquoten, sondern auch um den kulturellen Auftrag geht, den ein öffentlich-rechtlicher Sender hat. Trotzdem muss ich so über Bücher reden, dass die Masse etwas damit anfangen kann. Das unterscheidet das ZDF von den Dritten Programmen, in denen Special-Interest-Angebote eher akzeptiert werden.
Die Fragen stellte Maria Ebert

Zur Person: Wolfgang Herles
Am 8. Mai 1950 im niederbayerischen Tittling geboren und in Lindau aufgewachsen. 1972/73 besuchte er die Deutsche Journalistenschule in München, 1975–80 studierte er an der Universität München und widmete sich in seiner Dissertation der Literatur nach 1945. Seit 1984 ist Herles beim ZDF tätig, u.a. 2000–11 als Leiter und Moderator der Kultursendung „Aspekte“. Seit Juli 2011 leitet er die ZDF-Redaktion Literatur. Am 16. September 2011 wird er erstmals „Das Blaue Sofa“ moderieren.

Bücher (Auswahl): „Fusion“ (Roman, 1999), „Neurose D: Eine andere Geschichte Deutschlands“ (Sachbuch, 2008); Die Dirigentin
(Roman, 2011).

Kommentare

2 Kommentare zu "Ich kann die Literatursendung nicht neu erfinden"

  1. Jörn van den Campe | 13. September 2011 um 22:50 | Antworten

    Hat’s der Sender denn sooooo nötig???

  2. H. Juergen Fahrenkamp | 13. September 2011 um 22:39 | Antworten

    Schon traurig, wenn mann keine Ideen hat! Dann sollte mann sich in sich zurückziehen und in aller Stille mal nachdenken. Blablabla-Schwätzer gibt’s im TV und auch sonst wirklich schon genug.
    Was fehlt, sind Moderatoren mit Ecken und Kanten, an denen sich man sich ordentlich reiben kann. Stromliniengestylte Schwätzer gibt’s genug!

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