Postskriptum: Betagte Belletristik

Große Sprünge auf der Belletristik-Bestsellerliste macht der Thriller „Entrissen“ von Tania Carver (Foto), in dem ein Mörder schwangeren Frauen die ungeborenen Kinder herausschneidet. Igitt. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt Tommy Jauds Spaßroman „Hummeldumm“. Hm. Da schleicht einen schon die Frage an, ob die altehrwürdige Bezeichnung „Belletristik“ (von franz. „belle“ – schön, „triste“ – traurig) überhaupt noch zeitgemäß ist. Vielleicht sollte man das ganze Segment in Zukunft treffender „Brutallustik“ nennen.   

Lektüre: Läuternd

Von einem Projekt der Fachstelle „Jugendhilfe im Strafverfahren“ (früher Jugendgerichtshilfe) in Fulda berichtet die „Fuldaer Zeitung“: Dort können jugendliche Straftäter jetzt nicht nur zu Arrest oder Arbeitsstunden verknackt werden, sondern auch dazu, ein Buch zu lesen. Die Lektüre solle die Übeltäter zum Nachdenken über ihre Taten anregen, heißt es zur Begründung. Mein Vorschlag: In schweren Fällen könnte der Richter strafverschärfend die Auflage verhängen, das Buch auch zu mögen.    

Versicherung: Verdächtig

Gene Simmons, der ehemalige Schlagzeuger der Rockband KISS, wechselt das Metier: Er hat eine Firma gegründet, die superreichen Kunden Lebensversicherungen verkauft. Nicht, dass ich überhaupt zur Zielgruppe gehörte, aber dieses Angebot würde mich schon stutzig machen. Schließlich heißt die Vereinigung, für die Simmons früher getrommelt hat, ausgeschrieben „Knights in Service of Satan“ (Ritter des Satans). Und ausgerechnet Lebensversicherungen. Ich jedenfalls würde anstelle potenzieller Kunden das Kleingedruckte ganz besonders sorgfältig lesen.

Kindermund: Kundig

Wie in dieser Kolumne schon öfter erwähnt, taugen die Witze in der „Bild“-Zeitung nur selten was. Hier aber als Ausnahme, die die Regel bestätigt, ein feines kleines Stück Gesellschaftskritik: „Thomas und Michael (beide 6) sind auf dem Weg in den Kindergarten. Thomas: ,Sieh mal, da liegt ein Kondom auf dem Trottoir!‘ Michael verlegen: ,Du, Thomas, was ist eigentlich ein Trottoir?‘“  

Kritiker: Kultverdächtig

Zum Schluss, noch einmal aus der „Bild“-Zeitung“, die kultverdächtige Antwort von Marcel Reich-Ranicki auf die Umfrage „Lena Meyer-Landrut oder Menowin Fröhlich – Wer ist Deutschlands Liebling?“. Darauf MRR: „Ich kenne diese beiden Namen nicht und ich möchte sie auch gar nicht kennen.“ Recht so. Alles andere hätte uns aber auch schwer enttäuscht.

aus buchreport.express 15/2010

Außerdem in Emil Echos Echoblog:

Griechisch-Vokabel der Woche: βουλή (bulä)

Kommentare

2 Kommentare zu "Postskriptum: Betagte Belletristik"

  1. Ei, wie peinlich. Entschuldigung. Allerdings passt es auch wieder ins Bild, dass sich ausgerechnet in diese Meldung der Fehlerteufel eingeschlichen hat.

  2. Stephen Kahler | 16. April 2010 um 21:30 | Antworten

    wie immer: absolut klasse! Ein kleiner Fehler ist mir jedoch aufgefallen: Gene Simmons war nicht Schlagzeuger bei KISS sondern ist Bassist und Sänger bei eben dieser Formation

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