Postskriptum: Auf zur Tortenschlacht

„Druckfrisch“-Moderator Dennis Scheck schätzt die Wirkung von TV-Literatursendungen ziemlich nüchtern ein. In einem Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ aus Anlass der 50. Ausgabe von „Druckfrisch“ am vergangenen Sonntag erklärte er, Literaturkritik im Fernsehen habe „die Durchschlagskraft einer Bananencremetorte, die aus fünf Metern Höhe abgeworfen wird“. Lieber Herr Scheck, das ist hübsch gesagt. Aber Sie wissen nicht zufällig, wo man die Riesentorten herbekommt, die Elke Heidenreich früher immer in „Lesen!“ geworfen hat?     

Darsteller: Durstig

„Nüchtern in New York – Harry Potter kriegt kein Pils“, titelte „Spiegel Online“ dieser Tage hämisch. Hintergrund: Der 19-jährige Schauspieler Daniel Radcliffe, der durch die Hauptrolle in den Harry-Potter-Filmen zum hochbezahlten Filmstar geworden ist, scheiterte neulich daran, in einem New Yorker Lokal ein Bier zu bestellen, weil junge Menschen in den USA erst ab 21 Jahren alkoholische Getränke konsumieren dürfen. Da könnte man fast Mitleid mit Radcliffe bekommen: Was nützen der Ruhm und ein geschätztes Vermögen von 23 Mio Pfund, wenn man dafür bestenfalls ein Butterbier in Hogsmeade bekommt?     

Grafite: Geschützt

„Bild am Sonntag“ berichtet von dem brasilianischen Fußballprofi Grafite, er habe für den VfL Wolfsburg dank eines „Bibel-Tricks“ in zwölf Spielen schon zwölf Tore erzielt: „Vor jedem Spiel liest er im Buch der Bücher. Immer Psalm 91“, schreibt „BamS“. „Dort steht u.a.: ,Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest.‘“ Nun spricht der Erfolg dafür, dass Grafite für seinen „Trick“ die richtige Bibelstelle ausgesucht hat. Inhaltlich sei aber angemerkt, dass Gott mit dem Schutz von Fußballerfüßen vor Steinen meist nicht seine Engel beauftragt, sondern den Platzwart.   

Ex-Präsident: Essbar

Die Liebe der Russen zu ihrem Ministerpräsidenten Waldimir Putin geht im Wortsinne durch den Magen: Nachdem bereits ein Wodka mit dem Namen „Putinka“ zum Verkaufsschlager avanciert ist, hat der Ex-Präsident jetzt auch Pate für ein Konservengericht gestanden. Das „Wunder aus Kohl und Pilzen Putin“ sei neuerdings vor allem in der sibirischen Bergbauregion Kemerowo beliebt, berichtet die russische „Nowaja Gaseta“. Eine angemessene Würdigung des Politikers Putin ist die kulinarische Kombination aus Kohl und Pilzen aber sicher nicht. Dafür müsste in das Süppchen mindestens noch ein harter Knochen rein.      

Bolde: Betrachtet

Zum Schluss noch eine Sprachbetrachtung aus dem hinreißenden Büchlein „Verspektiven“ von Günter Nehm: „Vier Bolde gründeten in Bremen / auf äußerst niedrigem Niveau / ein dubioses Unternehmen, / das hieß: Rauf-, Trunken-, Witz- und Ko-. / Bald schwammen alle vier im Golde, / ihr Angebot lag voll im Trend. / Doch wären sie als nackte Bolde / laut Duden gar nicht existent.“

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