Jahresbestseller
Am Ende eines jeden Jahres stellt sich die Frage, welche Titel sich im Laufe der vorangegangen zwölf Monate am meisten verkauft haben. buchreport blickt zurück und stellt die Jahresbestseller der vergangenen Jahre, getrennt nach Hardcover, Paperback und Taschenbuch noch einmal vor.
Hier die Jahresauswertung der Bestsellerlisten des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE und KulturSPIEGEL mit Informationen zu den meistverkauften Romanen und Sachtiteln im Hardcover-, Taschenbuch- und Paperbackformat:
SPIEGEL-Jahresbestseller 2012
Die ausführlichen Rankings sind in der Sonderveröffentlichung „Buchjahr 2012“ zu lesen (hier zu bestellen).
Belletristik: Kinofilm bringt Tribute groß raus
Der Buchhandel hat nach „Potter“, „Eragon“ und der „Bis(s)“-Reihe sein nächstes All-Age-Phänomen: Die drei Bände der „Tribute von Panem“-Reihe von Suzanne Collins belegen die Plätze 1, 3 und 5 im Ranking der Belletristik-Jahresbestseller 2012.
Dabei hat das Kino beim Bucherfolg ordentlich nachgeholfen, denn schon in der Endabrechnung für 2011 waren alle drei Titel vertreten, allerdings weiter hinten in der Liste (Plätze 18, 46, 55). Doch erst die Verfilmung des ersten Bandes, der im März dieses Jahres unter dem Titel „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ in die Kinos kam, hat offenbar als Katalysator gewirkt und den Buchverkauf kräftig angekurbelt.
Hinzu kommt, dass Oetinger zum Filmstart auch die Werbetrommel geschlagen und die „Panem“-Produktpalette mit Filmbüchern und Fanartikeln erweitert hat. Der Erfolg könnte noch eine ganze Weile andauern, sind doch die Verfilmungen von Band 2 und 3 für 2013 bzw. 2014 bereits angekündigt.
Neben Fantasy spielt weiterhin der Krimi eine Hauptrolle: Jussi Adler-Olsen, im Vorjahr noch mit „Erlösung“ auf Platz 1, muss sich diesmal mit Rang 2 für „Verachtung“ zufrieden geben. Der Kriminalroman von Joanne K. Rowling, der sich hinter Nele Neuhaus’ „Böser Wolf“ auf Rang 8 platziert, konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen.
Sachbuch: Von der Kunst des erfolgreichen Schreibens
Ganz schön clever von Rolf Dobelli: Mit seinem bereits im Herbst 2011 erschienenen Sachbuch „Die Kunst des klaren Denkens“ landet der Schweizer Schriftsteller und Unternehmer einen Bestseller, der in der Endabrechnung zum erfolgreichsten Buch des Jahres 2012 avanciert. Und wenn ein Konzept so gut funktioniert, warum sollte man es ändern? Dieser Klugheitsregel folgend gelingt Dobelli mit seinem im August erschienenen Folgetitel „Die Kunst des klugen Handels“ auf Platz 4 ein weiterer Volltreffer.
Bei Hanser dürften die Sektkorken knallen, denn das vor allem als Literaturverlag bekannte Unternehmen positioniert sich jetzt stärker im Sachbuch: Platz 2 des Jahresrankings besetzt ebenfalls ein Hanser-Titel, nämlich die beim Berliner Verlagsableger erschienene Autobiografie „Ziemlich beste Freunde“, das Buch hinter dem gleichnamigen Kinoerfolg.
Ansonsten dominieren Debattenbücher die Top 10: Heinz Buschkowsky macht in diesem Jahr den Sarrazin; sein Buch über Defizite in der Integrationspolitik erreicht Platz 3. Sein Parteigenosse schafft es mit „Europa braucht den Euro nicht“ immerin noch auf Platz 9. Für reichlich Zündstoff sorgt auch Psychologe Manfred Spitzer mit seinem Buch über „Digitale Demenz“ (Platz 7).
Belletristik: Franzose liegt vor deutscher Konkurrenz
Der Gewinner im Bereich der Taschenbuchromane ist 2012 Fischer. Der Verlag sichert sich mit einer bunten Genremischung die Spitzenposition im Verlagsranking: Er ist mit Krimis, humoristischen Romanen, Familien- und Liebesgeschichten vertreten. Angeführt werden diese von Zsuzsa Bánk auf Rang 4.
Aber auch wenn der Vorsprung in Punkten deutlich ist – die Anzahl der platzierten Titel ist beim Spitzenreiter des aktuellen und des vergangenen Jahres rückläufig. So liegt Fischer mit zehn Titeln unter den Top 100 nicht nur mit Ullstein gleichauf, Rowohlt zieht mit 15 platzierten Titeln sogar an den beiden führenden Verlagen vorbei. Von diesen 15 konnten sich aber nur fünf Titel unter den 50 führenden Bestsellern behaupten.
Das sieht bei Ullstein anders aus: Nele Neuhaus sichert dem Verlag auch in diesem Jahr eine starke Position. War die Autorin 2011 noch mit fünf Büchern präsent, sind es 2012 sogar sechs. „Unter Haien“, ihr wiederveröffentlichter Erstling, belegt Rang 3 der Jahresbestsellerliste.
Der Bestseller des Jahres aber geht auf das Konto von Piper: Nicolas Barreaus „Das Lächeln der Frauen“ ging 2012 am häufigsten über die Ladentheke – und lässt Piper von Platz 11 auf 6 klettern. Mit Barreau führt ein Franzose das Ranking an.
Sachbuch: Lehrerkind avanciert zum Spitzenreiter
Ein selbst ernannter Mützenträger und Fast-Psychologe löst Stéphane Hessel als erfolgreichsten Autor in diesem Format ab. Bastian Bielendorfer ist in der Öffentlichkeit aber vor allem eins: Lehrerkind. Sein gleichnamiges Buch bescherte Piper 2012 viel Umsatz. Schon 2011 konnte sich „Lehrerkind“ nach nur acht Verkaufswochen auf Rang 36 der Jahresbestsellerliste platzieren.
Der Piper-Titel ist nicht der einzige, der es 2012 zum zweiten Mal ins Ranking geschafft hat: Allein unter den Top 10 sind sieben Bestseller, die schon im Vorjahr zu den 100 meistverkauften zählten. Und auch der Rückschluss funktioniert: Die Top 5 des Vorjahres sind alle unter den 20 Bestplatzierten zu finden.
Piper ist über Bielendorfers Platzierung hinaus mit sieben Titeln in den Top 100 vertreten und klettert damit im Verlagsranking von Rang 8 auf 6. Goldmann kann zwar mit 17 Titeln von allen Verlagen am meisten Bücher auf der Liste verzeichnen, liegt aber aufgrund schlechterer Platzierungen hinter Rowohlt und Ullstein auf Rang 3. So hat Goldmann nur einen Titel unter den ersten 20, Rowohlt und Ullstein hingegen jeweils fünf. Rowohlt verdankt den ersten Platz unter anderem Anna Koch und Axel Lilienblum, die mit drei Büchern in den Top 20 vertreten sind.
Die vermutlich weltweit erfolgreichste Autorin dieses Jahres dominiert die neue Paperback-Bestsellerliste: E.L. James, die sich als Selfpublishing-Autorin in die Branche schrieb, um später mit ihrer Erotik-Trilogie „Shades of Grey“ von Random House (hierzulande: Goldmann) übernommen zu werden. Die drei Titel rangieren unter den Top-4-Sellern der Liste; Goldmann meldet jeweils Absatzzahlen im siebenstelligen Bereich: 2,4 Mio Exemplare für den Start-Band, 1,8 Mio für den zweiten Roman und 1,7 Mio für den Schlussteil. Ebenfalls mit Mehrteilern im Belletristik-Paperback erfolgreich und auch bei Bertelsmann (Blanvalet) unter Vertrag ist George R.R. Martin mit seinem „Lied von Eis und Feuer“. Im Sachbuch führt Eckart von Hirschhausen die Liste an.
Seit 1. Oktober veröffentlicht buchreport in Kooperation mit Medienpartner KulturSPIEGEL die Paperback-Bestsellerliste. Das Ranking umfasst broschierte Formate zwischen Hardcover und Taschenbuch. Für das Jahresranking wurden die Paperback-Verkäuf des kompletten Jahr verwendet.





