Zweistelliger Umsatzeinbruch

© Martin Abegglen, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der Schritt der Schweizer Notenbank (SNB), ihre Politik der Stützungskäufe zugunsten des schwächelnden Euro aufzugeben, kam Ende vergangener Woche überraschend. Seit mehr als drei Jahren hatte die SNB bis dahin garantiert, dass der Euro nicht unter einen Wert von 1,20 Schweizer Franken fiel. An den Finanzmärkten stürzte die europäische Gemeinschaftswährung nach der Ankündigung der SNB fast auf ein 1:1-Verhältnis zum Franken. Sollte sich der Kurs bei dieser Parität einpendeln, verlieren vor allem die Schweizer Verlage, die die meisten ihrer Bücher in den Euro-Ländern Deutschland und Österreich verkaufen, auf einen Schlag Umsatz in zweistelliger Größenordnung. Eine „dramatische Entwicklung“ sieht der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband

Ein Drittel weniger in fünf Jahren
Dabei war auch ein Euro-Kurs von 1,20 Franken bereits eher ein währungspolitischer Rückzugsposten. Im Jahr 2010 war der Euro-Kurs bereits von rund 1,50 Franken heruntergerutscht, rechnet der SBVV vor: Innerhalb von fünf Jahren müssten Schweizer Verlage also im Export eine Ertragsschmälerung von über einem Drittel verkraften.
Bei Parität von Franken und Euro rechnet Diogenes für 2015 mit einem Umsatzrückgang von 16% gegenüber Vorjahr, erklärt Geschäftsführer Stefan Fritsch. Der Züricher Renommierverlag macht rund 90% seines Umsatzes im Euro-Ausland. In ähnlicher Größenordnung dürfte sich der währungsbedingte Verlust bei Verlagen wie Kein & Aber bewegen, der den Anteil des Auslandsumsatzes auf 85% taxiert. Auch der Unionsverlag verkauft 80% seiner Bücher im Euro-Raum, berichtet Leitess. Weil bei den Verlagen der Großteil ihrer Kosten in Franken anfällt, schlägt der Umsatzrückgang auch voll auf den Gewinn durch. 
Wie die Verlage und Händler auf die Situation reagieren, lesen Sie im aktuellen buchreport.express 4/2015. 

Kommentare

1 Kommentar zu "Zweistelliger Umsatzeinbruch"

  1. Marco De Micheli | 23. Januar 2015 um 15:54 | Antworten

    Die Situation ist in der Tat – auch für Schweizer Kleinverlage, wie wir als PRAXIUM-Fachverlag es sind – hart und ungemütlich. Etwas weniger dramatisch ist es bei uns, weil wir 40% im Inland und gegen 60% des Umsatzes im Euroraum erzielen und die Buchproduktion im Ausland mit Eurokosten erfolgt, was auf der Kostenseite etwas abfedert.

    Wir begegnen der Situation, indem wir den Direktvertriebs- und Onlinekanal im Inland pushen, attraktivere Angebotsformen wie beispielsweise Bundles und Erstkäuferrabatte initiieren werden, bei Neuauflagen leichte mit digitalen Mehrwerten verbundene Preiserhöhungen planen und noch mehr Dienstleistungen, beispielsweise im E-Book- und Onlinebereich, in den Euroraum verlagern. Damit hoffen wir, die Einbussen auf 10% reduzieren zu können.

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