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Versender ohne Schaufenster

Die Versuche, das stationäre Geschäft von Zweitausendeins zu retten, sind offenbar gescheitert. Das Unternehmen will nach Angaben von Verdi bis spätestens Ende 2016 alle Filialen schließen und sich ausschließlich auf das Versandgeschäft konzentrieren. Die über 50 Mitarbeiter der Geschäfte können in eine Transfergesellschaft wechseln.
Nachdem Zweitausendeins im April 2012 ein „Effizienzprogramm“ für die 14 verbliebenen Filialen aufgelegt hatte (Ziel: möglichst viele Filialen an Franchise-Nehmer anzustoßen) und noch auf Nachfrage von buchreport erklärt hatte, die Filialen, die keinen Franchise-Nehmer fänden, in Eigenregie weiterbetreiben zu wollen, zieht die Firma jetzt die Notbremse. Alle Mietverträge wurden gekündigt, der letzte Standort schließt 2016. Die Option zur Übernahme einzelner Standorte durch Franchise-Nehmer bleibt jedoch bis dahin bestehen.
Nach Auskunft der Gewerkschaft wurden in der vergangenen Woche mit der Geschäftsführung ein Interessensausgleich, Sozialplan und eine Transfergesellschaft vereinbart: 
  • Die Mitarbeiter können vor der etappenweise erfolgenden Schließung der einzelnen Filialen aussteigen, erhalten im Gegenzug aber eine niedrigere Abfindung.
  • Die Kündigung und der Wechsel in die Transfergesellschaft erfolgt im Anschluss an die Filialschließungen. Die Transfergesellschaft soll die Mitarbeiter zwischen 6 und 12 Monate fortbilden und für neue Jobs fit machen.
Bei Verdi glaubt man nicht daran, dass bis 2016 Franchisenehmer gefunden werden können. Diese hätten mit der gleichen hohen Kostenstruktur der Läden zu kämpfen. Auch mit Blick auf die Online-Strategie meldet Verdi Zweifel an: Die Geschäfte hätten – durch die Auslage des Merkheft-Katalogs – dem Versandhandel neue Kunden beschert. Dies entfalle jetzt.

Zweitausendeins hat 14 eigene Filialen und 16 Shop-in-Shop-Kooperationen aufgebaut. Insgesamt ist der Versender in 28 Städten präsent. 

Zweitausendeins schreibt nach eigenen Angaben seit sieben Jahren rote Zahlen. Die Umsätze gingen in den vergangenen Jahren von 39 Mio Euro (2005) auf 18 Mio Euro (2011) zurück. In diesem Jahr, so die Planungen aus dem April, will Zweitausendeins wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen und 2013 wieder die Gewinnzone erreichen. 

Laut Zweitausendeins erreichte das Online-Geschäft im vergangenen Jahr einen Umsatzanteil von 23%, das klassische Katalog-Versandgeschäft über die „Merkhefte“ mit 21% fast genauso viel. Die Filialen seien mit knapp der Hälfte am Umsatz beteiligt gewesen. Neben den eigenen Filialen hat der Versender inzwischen bundesweit 36 Shop-in-Shop-Kooperationen eingerichtet.

Inzwischen hat sich Geschäftsführerin Bianca Krippendorf geäußert und die Meldungen relativiert. Man halte weiterhin am Franchise-Modell für die Filialen fest, es gebe Verhandlungen mit Interessenten. Und weiter: „Bedauerlicherweise sind noch nicht für alle Standorte Interessenten gefunden worden, wir werden unsere Bemühungen jedoch intensiv fortsetzen. Sollte in einem überschaubaren Zeitrahmen kein Franchisenehmer gefunden werden, müssen wir auch über Schließung nachdenken. Dieser Zeitpunkt ist jedoch noch nicht erreicht.“ 

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