Verlage machen mobil

Immer mehr Verlage ergreifen selbst die Initiative auf dem digitalen Markt und starten eigene E-Book-Plattformen: Der weltweit größte Kinderbuchverlag Scholastic (hier im Ranking der weltgrößten Buchkonzerne zu finden) hat nun in den USA einen eigenen Shop für digitale Kinderbücher auf den Markt gebracht:

  • Noch ist „Storia“ (hier zu finden) in der Beta-Version, es stehen aber bereits 1300 Titel im digitalen Buchregal. Zum offiziellen Start im Herbst soll das Angebot auf 2000 Titel wachsen. 
  • Ergänzend zu den digitalen Äquivalenten der gedruckten Titel bietet Scholastic in der Beta-Version 250 angereicherte E-Books an – mit multimedialen und interaktiven Funktionen wie Audio-Wörterbüchern, Spielen und Animationen. 
  • Die meisten digitalen Kinderbücher stammen aus dem Hause Scholastic, grundsätzlich steht die Plattform einem Bericht von „Publishers Weekly“ zufolge aber auch anderen Kinderbuchverlagen offen.
  • Laut „Associated Press“ sollen die E-Books nicht nur über Storia direkt, sondern auch über Händler verkauft werden. 

Interessant am Konzept ist vor allem die Unterteilung in unterschiedliche Zielgruppen und Fähigkeitslevel: 
  • Das E-Book-Angebot kann nach Lesefähigkeit, Schulklasse oder Alter gefiltert und sortiert werden.
  • Eltern können den Lesekonsum ihrer jüngeren Kinder stärker kontrollieren, Passwörter erstellen und bestimmen, welche Art Bücher ihre Kinder lesen dürfen.
  • Ältere Kinder können erweiterte Optionen nutzen und beispielsweise einzelne Passagen in ihren E-Books hervorheben oder Notizen erstellen. 
  • Familien können für jedes Kind ein eigenes digitales Bücherregal anlegen. 

Bisher ist nur eine Version für PCs verfügbar, eine iPad-App soll noch im Laufe des Monats angeboten werden. Im Herbst sollen weitere Versionen für andere Tablets und Smartphones folgen. Die App ist kostenlos, fünf kostenlose E-Books stehen nach dem Download bereits im Regal. 

E-Books haben nach Unternehmensangaben bisher einen Anteil von 5% am gesamten Kinderbuch-Umsatz von Scholastic. Im US-Kinderbuchmarkt insgesamt machten digitale Kinderbücher einem Bericht von „Paid Content“ zufolge rund 3% des Umsatzes aus. 
Nicht allein Scholastic ergreift selbst Initiative auf dem digitalen Markt, auch in Deutschland starten immer mehr Verlage eigene, oft auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene, E-Book-Plattformen:  
  • 27 deutsche Bildungsverlage haben gemeinsam eine digitale Schulbuchplattform entwickelt, die nach den Sommerferien an den Start gehen soll. „Digitale Schulbücher“ ist nicht als Vertriebsplattform angelegt, Lehrer und Schüler können die Freischalt-Codes für E-Books direkt bei den beteiligten Verlagen erwerben (hier mehr).
  • Erst in der vergangenen Woche haben die Bertelsmann-Töchter Arvato und Random House sowie die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ihre E-Book-Bibliothek Skoobe gestartet. Bei Skoobe erwerben die Leser keine einzelnen E-Books, sondern werden Mitglieder einer mobilen Bibliothek (hier mehr).
  • Die Oetinger-Gruppe hat im Frühjahr 2011 ihr Portal Onilo gestartet: Über Onilo.de können digitalisierte und teilanimierte Bücher, sogenannte Boardstorys, per Whiteboard oder Beamer im Grundschulunterricht eingesetzt werden. Derzeit hat das Portal rund 80 Boardstorys von den Verlagen OetingerRavensburgerTessloffNordSüdEsslingerHase und Igel im Portfolio. 
  • Bereits 2001 haben sich die Technologie-Verlage O’Reilly und Pearson Education zusammengeschlossen, um gemeinsam die digitale Lernbibliothek „Safari Books Online“ für Fachleute aus Technologie, digitalen Medien und Business zu entwickeln. Inzwischen sind 60 Verlage mit im Boot. Erst kürzlich wurde das Angebot um mehrere hundert deutschsprachige Titel erweitert. 

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