Thalia präsentiert sich politisch

Gastgeber und Festredner (v.l.): Thalia-Chef Michael Busch, Peter Wohlleben, Elke Heidenreich, Marc Elsberg, Thalia-Gesellschafter Manuel Herder (Foto: buchreport/TW)

Thalia hat mit einer 100-Jahr-Feier an die Gründung des Stammhauses in Hamburg erinnert. Die heute mit über 1 Mrd Euro Umsatz marktführende Filialkette ist in den 1990er und den Nullerjahren unter dem Dach des damaligen Handelskonzerns Douglas durch Fusionen und Übernahmen von anderen Ketten und auch einzelnen großen Standortbuchhandlungen gewachsen.

Beim Festakt in der Hamburger Elbphilharmonie akzentuierte der geschäftsführende Gesellschafter Michael Busch den trotz aller Größe vorhandenen Familiencharakter des Unternehmens. „Wir sind offen für Partnerschaften und wollen vor allem mit familiengeführten Buchhandlungen wachsen. Viele haben bereits gesagt: Wir vertrauen die Zukunft unseres Unternehmens und die unserer Mitarbeiter Thalia an.“ Auf der Bühne wurden schließlich die Gesellschafterfamilien Herder, Kreke, Falter, Göritz und Busch präsentiert.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck als Festredner würdigte das Familienunternehmertum hinter dem Aufstieg Thalias und die Präsenz in den Städten als Gegenpol zum größten Online-Shop Amazon, machte allerdings auch seine Sympathie für „kleine, dunkle Buchhandlungen“ deutlich. Ähnlich hatte eingangs Autorin Elke Heidenreich laviert zwischen dem Charme kleinerer Buchhandlung und der unvermeidlichen kapitalismustypischen Konzentration.

Gauck und Heidenreich thematisierten die politische Rolle von Büchern vor allem in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus. Den in jüngster Zeit formulierten Anspruch von Thalia, sich stärker in die gesellschaftspolitische Diskussion einzubringen, unterstrichen zudem die Auftritte des Naturbuch-Autors Peter Wohlleben, der den Charakter der Klimapolitik kritisierte, und der in seinen Romanen aktuelle Technologie-Entwicklungen aufgreifende österreichische Autor Marc Elsberg.

2018 hatte Thalia die Kampagne „Welt, bleib wach“ gestartet, um sich als politisches Unternehmen zu profilieren, und auch andere Buchhändler aufgefordert, Claim und Motive zu nutzen, um so eine Branchenkampagne zu schaffen.

 

Viele Veränderungen im Jubiläumsjahr

Bei der Markenpolitik signalisiert die 2019 neu formierte Gruppe Thalia | Mayersche Pluralität: Die Marken „Thalia“ und „Mayersche“ sollen langfristig erhalten bleiben. Die damit verbundene Botschaft formuliert Thalia-Chef Michael Busch so: „Wer sich unserem Netzwerk anschließt, muss seine Identität nicht aufgeben.“ – zu sehen bei der 100-Jahr-Feier von Thalia in der Hamburger Elbphilharmonie in Form einer Bank mit den beiden Unternehmenslogos (Foto: buchreport/TW).

In der Buchbranche steht Thalia für die massive Konzentration im Buchhandel. Zuletzt hat sich das in größerem Umfang 2019 in der Übernahme des Regionalfilialisten Decius (Niedersachsen) und der Fusion mit dem NRW-Marktführer Mayersche gezeigt. Hinzu kommen, alleine 2019, die Übernahmen von 10 Standorthändlern aller Größenordnungen, um das Netz enger zu knüpfen, darunter auch kleine 140-qm-Flächen.

Der Wachstumshunger des Marktführers ist noch nicht gestillt: Man wolle auch stationär weiter wachsen, sagte Busch im Oktober auf der Wirtschaftspressekonferenz. Bei den Filialen wird die 400er-Marke angepeilt. Und: Weitere Übernahmekandidaten ständen bereits auf der Matte.

 

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