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Thalia: Umsätze mit Sonntagsöffnung zurückholen!

Michael Busch, Chef der marktführenden Buchkette Thalia Mayersche, rüttelt am Ladenschluss und fordert die Freigabe des Sonntagsverkaufs. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe äußert Busch die Erwartung, dass der Handel verloren gegangene Umsätze im Lockdown nachholen kann: „Dazu brauchen wir die Unterstützung der Politik bei den Öffnungszeiten. Um die Kundenströme zu entzerren, wünsche ich mir eine Flexibilisierung an Sonntagen, befristet bis Ende Januar des nächsten Jahres. Der Einzelhandel könnte auf diese Weise den verlorenen Umsatz ein Stück weit zurückholen.“

Busch weiß natürlich aus früheren Diskussionen, dass es gegen eine Sonntagsöffnung erhebliche Widerstände geben wird, sowohl von Gewerkschaften als auch von den Kirchen. Er fügt deshalb im Interview hinzu: „Gerne sind wir bereit, gerade diese zusätzlichen Öffnungszeiten auch für solidarische und karitative Zwecke zu nutzen. Diesbezüglich werden wir jetzt auch schnell den Schulterschluss mit den Kirchen und Gewerkschaften suchen.“ Er sei überzeugt, dass man mit dem gemeinsamen Interesse, Arbeitsplätze zu erhalten, zu einer guten Lösung kommen könne.

 

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Kommentare

8 Kommentare zu "Thalia: Umsätze mit Sonntagsöffnung zurückholen!"

  1. juergen stickelberger | 21. April 2020 um 9:04 | Antworten

    Ich bezweifle, dass die Verlängerung einer Ladenöffnungszeit positive Auswirkungen auf die Kaufkraft hat, nachdem sich hunderttausende Menschen in Kurzarbeit befinden oder vor dem Ruin ihrer Existenz stehen.

  2. Buchhandlung am Rathaus | 20. April 2020 um 21:00 | Antworten

    Sie sollten dabei auch kleine Buchhandlung bedenken. Es gibt eben nicht nur Thalia, Hugendubel und Co.. Wir sind eine Buchhandlung mit 2 Mitarbeiterinnen. Beide haben wir je 2 Kinder, die momentan ohne Betreuungsmöglichkeiten sind. Wir wissen schon jetzt beim besten Willen nicht mehr, wie wir unsere Öffnungszeiten erhalten sollen. Nie können wir auch noch sonntags öffnen! Schön, wenn die großen so ihre Umsätze auffangen und wir noch mehr dagegen verlieren ;-(
    Katja Spiller
    Buchhandlung am Rathaus Burglengenfeld

  3. Charles, es sind 100 % Zuschlag. 100 % welche sich vielleicht für den Mitarbeiter lohnen (4 h gearbeitet, ganzer Tag frei), in der Regel sehr selten für Arbeitgeber. Fazit bei uns: Meine Frau und ich stehen mit 2 bis 3 Mitarbeitern Sonntags im Laden, um die Kosten nicht explodieren zu lassen. Irgendwann wird es in der Woche eng mit Tagen, welche dann die Mitarbeiter bekommen, die alle 14 Tage Samstags arbeiten.

  4. Da versucht Herr Busch mittels Corona eine alte Forderung der Filialisten, unabhängig von der Branche, durchzudrücken. Letztlich geht es hier nur um Umsatzverlagerung zu deren Gunsten.
    Es gab mal eine Zeit da hatten wir Samstag bis 13/14 Uhr offen. Überall. Samstag war immer viel los, die Familien gingen vor Ort einkaufen. Dann kam die Öffnung, die kleinen, mittleren Städte verloren an die großen Zentren, weil sich die Frequenz dorthin verschob. Die Leute hatten mehr Zeit zum Einkaufen, da kann man schon mal ein paar Kilometer fahren. Kein Einzelhändler kann sich oder Mitarbeiter bis 20 Uhr am Samstag (auch unter der Woche) in den Laden stellen, wenn die Kunden ausbleiben.
    Von Sonntagsöffnungen würden somit wieder die Läden profitieren, die in Lagen öffnen, wo auch andere Geschäfte offen haben. Diese Geschäfte sind meist Filialisten mit Mitarbeitern, die schlecht bezahlt werden, bei den Mieten geht das auch nicht anders, irgendwo muss gespart werden. Diese Innenstädte sind eigentlich ziemlich langweilig, weil es immer die gleichen Geschäfte sind. Kleinere Orte, auch B oder C Lagen in größeren Städten haben nichts davon und veröden langfristig, was dann wieder dazu führt, dass die Toplagen gestärkt werden. Wenn diese Krise etwas Gutes haben soll, dann eben kein weiter so, Verdrängen um jeden Preis, wie Herr Busch das möchte, sondern eine Stärkung der regionalen Einkaufsstätten, die nachhaltig wirtschaften und ihre Mitarbeiter fair behandeln.

  5. Schon seit langem wünsche ich mir eine Freigabe der Öffnungszeiten.
    Meine inhabergeführte, kleine Buchhandlung (ohne Mitarbeiter) würde ich zwar nicht regelmäßig öffnen, hätte aber die Option an bestimmten Sonn- und Feiertagen, wenn sich ein erhöhtes Besucheraufkommen in unserer Stadt abzeichnet (z.B. durch Feste aller Art), mein Angebot zugänglich zu machen. Durch das Sonntagsverkaufsverbot fühle ich mich in meiner Selbstständigkeit gegängelt und der freien unternehmerischen Entscheidung beraubt. Selbst die verkaufsoffenen Sonntage sind mittlerweile ein bürokratischer K(r)ampf.

  6. Großartig Herr Busch,
    wissen Sie was es für Mitarbeiter bedeutet sonntags zu arbeiten, wenn die Familie zuhause ist? Wissen Sie wie schwierig eine Besetzung sonntags zu bewerkstelligen ist? Das ist doch wieder ein Vorstoß zur rechten Zeit – und wird hinterher wahrscheinlich nicht mehr zurück genommen, weil man nicht mehr auf die Umsätze verzichten möchte. Gerade Thalia mit einem Konzern und Investor im Rücken hätte das am wenigsten nötig sollte man meinen.

  7. Andreas Wallentin | 20. April 2020 um 13:43 | Antworten

    Diesen Brief habe ich am Samstag der Funke-Gruppe zukommen lassen:
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    heute am frühen Morgen überflog ich vor der Fahrt ins Geschäft das Interview mit dem geschätzten Kollegen Busch in der Westfalenpost. Das Interview ging mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf, nicht, als um 8:00 Uhr der Schreiner kam, um den vor zwei Wochen bestellten Spuckschutz an verschiedenen Stellen der Buchhandlung zu installieren, nicht beim Auspacken der Bücher, die wir noch am Samstag an unsere Kunden ausgeliefert haben, nicht, als die Buchhandlung für den kommenden Montag fit gemacht wurde, nicht, als meine Frau, unser Azubi, eine Mitarbeiterin und ich um 17:00 Uhr ziemlich müde aus der Buchhandlung nach Hause zurückkehrten. Ich las den Text erneut durch, überlegte auch, ich bin ehrlich, warum die Westfalenpost mit großer Vorliebe nur dem größten deutschen Buchhandels-Filialunternehmen immer das Wort gönnt (vielleicht, weil die Zentrale in Hagen beheimatet ist?).
    Ich möchte unbedingt auf drei Aspekte in diesem Interview einzugehen, die ich anders beurteile als Kollege Busch, weil ich eine Buchhandlung leite, die inhabergeführt ist, wie übrigens viele Buchhandlungen bei uns in Südwestfalen.

    1. Herr Busch behauptet, die Logistik, Bücher von A nach B zu befördern, hätte nicht gut funktioniert.
    Die Bestellungen, die unsere Kunden am Telefon, per Mail oder aber im sehr gut funktionierenden Online-Shop meiner Buchhandlung orderten, kamen in der Regel STETS bereits am nächsten Tag dank unseres zuverlässigen Barsortiments bei den Kunden an. Einen kleinen Teil der Bestellungen haben wir per Post versendet. Hier bekamen wir sogar von einigen Kunden am nächsten Tag die Rückmeldung, dass die Bücher angekommen seien. Lob an die Post, die wirklich in diesen Wochen am Limit gearbeitet hat und es trotzdem schaffte, sogar bei kleinen Verlagen bestellte Bücher in ganz normaler Geschwindigkeit zu liefern. Ich denke aber, denn den Weg beschreibt Herr Busch mit keinem Wort, der Unterschied zum Filialisten aus Hagen liegt darin, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen inhabergeführter Buchhandlungen den Kunden (bei uns im Umkreis von 20 km) beweisen konnten, dass es sogar möglich ist, Bücher persönlich bis zur Haustür zu liefern.

    2. Nun zu dem, was die Filialisten und „Amazon“ versuchen, als Rettung in der schweren Zeit von Corona zu propagieren: Es wird sich in Zukunft Einiges durch Corona ändern, hierzu gehört sicherlich auch, dass vermehrt e-Books gelesen werden.
    Amazon mit seinem Kindle und die Filialisten mit Ihrer „Tolino-Allianz“ haben selbstverständlich ein Interesse daran, ihre Geräte auch uns Inhabergeführten „großzügig“ anzubieten (mit einem Einkaufsrabatt von 0% bis 5% Rabatt!) . Dabei profitieren sie gleich zweifach von diesem Vertrieb per Mail: wenig Arbeit, meistens keine Beratung (also durch einen ausgebildeten Buchhändler). So sahen folglich auch die Internetshops von Thalia/Mayersche/Weltbild und von Amazon aus: An erster Stelle das e-Book und dann das gedruckte Buch (weil letzteres angeblich nicht so zügig zum Kunden gelangte).

    3. Der Gesetzgeber sollte, so Herr Busch, um unsere Umsatzverluste zu kompensieren, den Sonntag zum Shoppen freigeben.
    Sicherlich eine populäre Forderung an die von einem Christdemokraten geführte Landesregierung. Zu erwarten ist davon vielleicht, aber auch nur vielleicht, eine bessere Streuung der Käuferströme. Allerdings, wenn ich überlege, dass ich die bisher entstandene Lücke im Umsatz wieder auffüllen möchte, heißt das, mehr Umsatz in den Monaten bis einschließlich Januar, als wir ihn im letzten Jahr hatten, also folglich mehr Menschen in den Geschäften. Ich bin dankbar, dass meinen Mitarbeiterinnen und meinem Azubi ein Sonntag zum Ausruhen zur Verfügung steht. Ein inhabergeführtes Geschäft ist beratungsintensiver als ein Filialunternehmen mit einer großen Fläche. Hier wünsche ich mir, dass Herr Prof. Pinkwart auch die Meinung der „kleinen Geschäfte“ einholen möge.
    Es mag Inhaberinnen und Inhaber geben, die anderer Meinung sind, das ist auch ganz normal in unserer demokratischen Gesellschaft, aber mir ist es wichtig gewesen aufzuzeigen, dass wir „Kleinen“ in den letzten Wochen der Schließung mit aller Kraft und vielen Ideen unter Einhaltung aller wichtigen Hygienemaßnahmen erfolgreich versucht haben, unsere Umsatzrückgänge nach Kräften zu begrenzen. Ich bin dankbar, dass das Land, der Bund und die Banken uns helfen und hoffe, dass wir am Montag geregelt und mit gebotener Vorsicht die Geschäfte wieder öffnen können.
    Uns alle verbindet, dass wir in den nächsten Monaten gesund bleiben wollen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere Kunden. Wir werden alle durchatmen, wenn der Impfstoff gegen Corona gefunden ist und wir dann wieder unserer wichtigsten Tätigkeit, dem Beraten unserer Kunden, entspannt nachgehen können. Hierin unterscheidet sich, übrigens auch in vielen anderen Punkten, der Filialist nicht vom Inhaber einer der vielen inhabergeführten Buchhandlungen in Südwestfalen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Andreas Wallentin
    Buchhandlung DAUB Menden

  8. So lange auch an die Mitarbeiter gedacht wird, kann man das zumindest einmal andenken.
    Sonntagsarbeit bedeutet 50% Zuschlag für die Mitarbeiter, so könnten auch diese einen Teil Ihrer Gehaltsverluste durch Kurzarbeit ausgleichen…

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