Studieren geht über kopieren

Universitätsprofessor Urs Heftrich warnt vor den drohenden Gefahren, denen das gedruckte Buch ausgesetzt ist. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (und hier im buchreport.blog) schrieb er in seinem Beitrag „Studieren geht über Kopieren“: „Open Access macht alles kaputt – die Verlage, die Bücher, die Wissenschaft. Dahinter steckt auch ein schlimmer Denkfehler: Digitale Verbreitung ist kein Kavaliersdelikt wie das Kopieren von Seiten.“

In dem Artikel vergleicht er u.a. die heute vergleichsweise einfache Speicherung digitaler Bücher auf einem USB-Stick mit dem mühsamen Kopieren und Binden ganzer Lehrwerke in den 80er-Jahren. „Deutschland braucht gar keine Piratenpartei mehr. Es hat schon einen Bundesgerichtshof“, schreibt Heftrich mit Blick auf die Entscheidung des BGH, dass eine Bibliothek „das Urheberrecht am Buch nicht dadurch verletzt, dass sie es Bibliotheksnutzern ermöglicht, das an elektronischen Leseplätzen zugänglich gemachte Werk auszudrucken oder auf USB-Sticks abzuspeichern.“

Darüber hinaus lenkt er den Fokus auf ein Open-Access-Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das eine Infrastruktur etablieren würde, „die faktisch die klassischen Aufgaben eines Verlagshauses ersetzt, nur mit der Besonderheit, dass die Publikation direkt im Internet erfolgt.“ Selbst diese Besonderheit verflüchtige sich jedoch bei näherem Hinsehen: „Zwei aus Staatsgeldern gegründete ‚Verlage‘ bieten inzwischen auch Bücher an, als ‚Print on Demand‘.“ Und weiter: „Das Wort ‚Staatsverlag‘ wäre der Sache mindestens ebenso angemessen, wird aber sorgsam vermieden. Wie wäre es mit ‚Volkseigener Betrieb‘?“

Unter dem Titel „So schnell komt die Apokalyse nicht“ hat der ehemalige De Gruyter-Manager und jetzige Berater Sven Fund ebenfalls in der „FAZ“ (26.02.) auf den Beitrag geantwortet: „Wenn die Industrie auf 4.0 umschaltet, wieso soll es dann noch Verlage 1.0 geben? Open Access ist alles andere als eine Katastrophe. Die meisten Wissenschaftler wollen ihn sogar.“ Heftrich kombiniere Probleme von Open Access, der Qualitätssicherung von Peer-Review, der einfachen technischen Kopierbarkeit digitaler Inhalte und der Verpflichtung von Forschern der Universität Konstanz zur Nutzung des Zweitveröffentlichungsrechts. „Bei der Melange an Problemen wundert es nicht, dass Heftrich kurzerhand das Ende von allem ausruft.“

Heftrich hat in der „FAZ“ (01.03) erneut geantwortet: „Natürlich will er damit nicht mich beruhigen, sondern diejenigen, die an den Heilsversprechen des Open Access irregeworden sein könnten. Nur gibt Sven Funds Antwort gerade keinen Anlass zur Beruhigung. Ein Grundmuster seiner Beschwichtigung folgt dem absurden Schema: Das Befürchtete ist ja noch nicht eingetreten, also brauchen wir es nicht zu fürchten.“

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