Streit um gekürzten Schulbuch-Rabatt

Thees Wullkopf (Foto buchreport/CR)

Auch im Schulbuchgeschäft wird um Konditionen gerungen, bei besonders enger Kalkulation: Es funktioniert bei kleinen Handelsspannen dank großer Stückzahlen. Spielraum für eine Rabattkürzung gebe es da aber nicht, sagt Thees Wullkopf. Er ist Schulbuchspezialist und bietet Buchhandlungen mit seinem Unternehmen Ha.Se (Möhnesee) einen Fullservice bei der Abwicklung großer Schulbuchaufträge: Besorgung, Konfektionierung, Anlieferung und Zahlungsabwicklung. Einen aktuellen Konditionenstreit thematisiert Wullkopf jetzt öffentlich und grundsätzlich.

Er zitiert aus einem Schreiben des Claudius Verlags (München): „… müssen wir leider ab dem 1.1.2020 Ihren bisherigen Rabatt von .. % auf unsere Schulbücher und Lehrerhandbücher auf .. % senken. Die stetig steigenden Produktionskosten lassen uns leider keine andere Wahl“.

»Machtdurchsetzung nach Gutsherrenart«

„Ist das nun das Verlagsverständnis des Wesens der Buchpreisbindung oder einfach nur dreist?“, kommentiert Wullkopf die Rabattkürzung, die sich bei ihm in einem vierstelligen Euro-Betrag niederschlage. Das Drehen an der Rabattschraube ist für ihn ein Anlass, den Umgang mit der Preisbindung in der Branche grundsätzlich kritisch zu beleuchten: „Beständig bemüht sich die Branche die Buchpreisbindung in das Bewusstsein der Menschen zu bringen, aber für manche scheint dies ausschließlich eine Regelung zu sein, die die Verlage betrifft. In dem filigranen Räderwerk der Preisbindung ist das ganze Geflecht einer Branche betroffen, von der Vielfalt der Erstellung hochgeschätzten geistigen Eigentums bis hin zur flächendeckenden, liebevollen und fachkundigen Versorgung in den entlegensten Winkel“, schreibt Wullkopf. Und einmal in Fahrt: „Wer in diesem Uhrwerk nur das Instrument und die Macht zur Durchsetzung von nach Gutsherrenart festgelegten und frei verordneten Verdienstspannen sieht, vergeht sich daran genauso wie große Handelspartner, die am anderen Ende die Investitionszuschüsse zur Rolltreppe, kostenfreie Belieferung in das Ausland oder pauschale Werbekostenhilfen mit ihrer Marktmacht durchsetzen“.

Die Bedrohung der Buchpreisbindung liege „vielleicht gar nicht so sehr in der Außenwahrnehmung, sondern mehr in der Zersetzung nach innen?“, fragt Wullkopf. Und weiter: „Sehr dringlich sollten wir uns mit dem Wesen, der Bedeutung und der Ausgestaltung der Buchpreisbindung im Gesamtkanon der Buchmenschen beschäftigen, bevor wir wieder dringlich zu ihrer Einhaltung aufrufen.“

»Nur so können wir unsere Schulbücher weiterhin am Markt halten«

Der Claudius Verlag, ein evangelischer Verlag, der unter anderem Schulbücher für den evangelischen Religionsunterricht, schwerpunktmäßig für Bayern, im Programm hat, wehrt die Anwürfe in einer von buchreport angefragten Stellungnahme ab und argumentiert so: „Die Herausgabe eines Schulbuchs bedeutet eine enorme wirtschaftliche Vorleistung auf  Verlagsseite: Personalkosten für Redaktion und Rechteeinholung, Autorenhonorare, Bild- und Textrechte sowie der aufwändige Vierfarbdruck. Die Abstimmungsprozesse mit dem Kultusministerium und – im Falle eines Religionsbuches – auch mit den kirchlichen Stellen, die einer Schulbuchgenehmigung vorausgehen, sind zeitaufwändig und erfordern sehr langfristige Planungsprozesse“, formuliert Claudius-Vertriebsleiterin Heide Warkentin.

So erkläre sich, „dass viele Schulbuchverlage nur etwa 20-25 % Rabatt auf Schulbücher an den Handel geben“, beim Barsortiment seien „die Spannen teilweise noch geringer. Schulbuchgeschäft lohnt sich für Verlag wie für den Handel nur über die Masse, nicht über das einzelne Buch.“ Im Unterschied zu großen Schulbuchverlagen müsse Claudius große Anstrengungen in Vertrieb und Marketing unternehmen, um am Markt mithalten zu können – bei gleichzeitig geringerem Budget. Bei der Preisgestaltung sei der Spielraum sehr beschränkt: „Da wir die Preise für die Schulbücher nicht beliebig nach oben schrauben können – die Religionsbücher von Claudius bewegen sich im Vergleich bereits im oberen Segment – haben wir uns in den vergangenen Monaten sorgfältig unsere Rabattstruktur angesehen und neu kalkuliert“, wird in der Stellungnahme ausgeführt.

„Mit einigen Kunden, die teils sehr gute Rabatte, die weit über dem Branchenschnitt für Schulbücher liegen, bekommen, nehmen wir Kontakt auf, erklären unseren gestiegenen Kostendruck bei der aufwändigen Produktion und kürzen die Rabatte um einige Prozentpunkte. Nur so können wir unsere Schulbücher weiterhin am Markt halten“.

 

Kommentare

4 Kommentare zu "Streit um gekürzten Schulbuch-Rabatt"

  1. Sehr geehrter Herr Hofberger,
    ich komme aus dem Buchhandel und wir haben viele Schulbuchaufträge bearbeitet und ausgeliefert. Ein mühsames Geschäft. Und dann bestellt die Schule das falsche, hat die Bücher gestempelt, es gibt Ärger und es geht wieder von vorne los. Nur mit dem Claudius Verlag trifft diese Diskussion den falschen Verlag, da er vernünftige Schulbuchrabatte gewährt.

  2. Sehr geehrter Herr Dolles,
    Wenn Sie den Personalbedarf für Auspacken, Kontrollieren, ob die Anzahl stimmt, alles unbeschädigt ist…, Sortieren, wieder ordentlich Verpacken, Ausliefern +Fahrzeug…
    berechnen… (+ die Bearbeitung von Reklamationen.)
    und dazu bedenken, dass von Ihren ach so großzügigen 20Prozent noch mindestens die Hälfte als Nachlass an die Schulen geht, ist das eine Milchmädchenrechnung die gerade bei kleinen Buchhandlungen nicht aufgeht. Für die meisten dürfte das nicht einmal mehr kostendeckend sein. Der Grundrabatt ist so schon zu niedrig!! Bei allen Schulbuchverlagen.
    Ich rate Ihnen einmal die Abwicklung des Schulbuchgeschäfts in einer Buchhandlung mit zu erleben. Das ist eine Menge Arbeit. Und die Zusammenarbeit mit den Schulen außerhalb des reinen Schulbuchgeschäfts auch.
    Und das Bewerben von Schulbüchern an Schulen ist Ihre Aufgabe. Die Buchhändler sind in diesen Entscheidungsprozess nicht eingebunden. Wenn eine Schule sich für Ihr Schulbuch entschieden hat, haben es die Buchhändler vor Ort meistens auch vorrätig.

  3. @ Herr Dolles
    In den letzten Jahren sind die Kosten für unweltgerechtes Verpackungsrecyceling, Umlaufsysteme, Maut und Logistik stetig gestiegen. Wir bereiten uns darauf vor in Zukunft nur noch mit Elektrofahrzeugen in die Innenstädte fahren zu können.
    Hielten Sie es für normal, wenn wir dies dem Verlag mit Zahlungskürzungen um 20%, mit der Begründung, das wir leider keine andere Möglichkeit hätten (was in unserem Falle unzweifelhaft zutrifft) zutragen würden?
    Wie verstehen Sie denn die Buchpreisbindung?

  4. Seit vielen Jahren vertrete ich den Claudius Verlag in Bayern. Der Verlag ist immer fair und korrekt was die Preisgestaltung und die Konditionsgestaltung angeht. Der Schulbuchrabatt lag teilweise über dem Marktniveau, so dass von Seiten des Verlags hier Handlungsbedarf bestand. Claudius ist im Vergleich zu den anderen Schulbuchverlagen ein kleines Haus, dass große Anstrengung unternehmen muss, um die Schulbücher im Markt zu platzieren. Der Handel ist hier bei der Abwicklung behilflich, unternimmt aber selbst keine Anstrengungen, Schulbücher des Claudius Verlags zu bewerben oder durch Lagerhaltung vorrätig zu haben.
    Die diffusen Ausführungen von Herrn Wullkopf sind mir völlig unverständlich.

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