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Stephan Schierke: »Alles viel schlimmer als befürchtet«

Die freundlichen Gesichter beim Pressegespräch nach der Sitzung der drei BörsenvereinsFachausschüsse gaben die Grundstimmung in Verlagen, Zwischenbuchhandel und Sortiment nicht unbedingt akkurat wieder. Denn das, was Nadja Kneissler, Stephan Schierke und Christiane Schulz-Rother aus den Sitzungen der Gremien berichteten, klang unverändert wie das große Klagelied der Branche.

VVA-Chef Stephan Schierke, selten um klare Worte verlegen, brachte es auf den Punkt. „Wir hatten im vergangenen November einen Blick in die Kristallkugel geworfen, aber es ist alles viel schlimmer als befürchtet.“

Was Schierke damit meinte, wissen in der Branche nun wirklich alle: Eklatante Kostensteigerungen, Papier- und Rohstoffknappheit (siehe buchreport-Serie zur Beschaffung), verbunden mit zwischenzeitlichen Streiks und Produktionsausfällen in Finnland, unterbrochene Lieferketten, enorme Energiepreise, all das belastet den Buchhandel ebenso wie andere Branchen. Und während die Auswirkungen der Corona-Pandemie langsam geringer werden, tobt in Europa nun ein Krieg, der die Lage zusätzlich verschärft.

„Probleme seit Herbst“

Für den Ausschuss für Verlage gab Nadja Kneissler (Delius Klasing) einen kleinen Einblick in die Lage. „Die Probleme begleiten uns seit Herbst, im Vorjahresvergleich haben wir bei Papierpreisen ein Plus von 40%. Das ist für Verlage schmerzhaft.“ Der Papiermarkt stehe unter enormem Druck, die Verlage müssten „komplett anders arbeiten“. Langfristiger planen. Die Auflagen müssten anders kalkuliert werden, die Verlage (und damit der Buchhandel) müssten Lieferlücken in Kauf nehmen.

Bisher ist die Branche leidlich durch diese Phase gekommen, aber Schierke (Ausschuss für den Zwischenhandel) warnt: Bestimmte Steigerungen könne man nicht mehr tragen, die Kosten würden sich irgendwann „Bahn brechen“. Schierke warf wieder sein oft bemühtes Bild des „Tsunamis“ in den Raum, der nun durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt würde. Aus Sicht des Zwischenbuchhandels spräche man mittlerweile schon über Kostensteigerungen im Cent-Bereich – pro Buch. „Das löst bei uns mehr als nur ein Stirnrunzeln aus.“

Nicht viel Optimismus

Auch Buchhändlerin Christiane Schulz-Rother (u.a. Tegeler Bücherstube, Berlin) teilte die Befürchtungen. „Viel Optimismus kann ich nicht verbreiten.“ Die wirtschaftliche Auskömmlichkeit sei zunehmend ein Problem, eine allgemeine Konsumflaute sei im Buchhandel durchaus spürbar, so Schulz-Rothers Eindruck. „Wir stehen am Ende der Wertschöpfungskette und können nur hoffen, dass die Verlage bei ihrer Preiskalkulation auch den Buchhandel bedenken.“

Die Rahmenbedingungen müssten auch gegenüber der Politik formuliert werden, darin waren sich alle drei Ausschüsse einig. Natürlich sehe man, dass es schlimmere Probleme gebe als die der Buchbranche, aber der „Impact“ des Buchhandels müsse in Notzeiten auch Widerhall in der Politik finden. Andere Verbände seien da manchmal lauter, während die Buchbranche oft ein bisschen ruhiger unterwegs sei, so Kneisslers Eindruck.

Verschiedene Einzelthemen waren auch Gegenstand der Treffen, darunter:

  • Mehrwertsteuer: Die Möglichkeit für EU-Mitgliedsstaaten, die Mehrwertsteuer u.a. für Bücher bis zu Null setzen zu können, fand nur bedingt Zustimmung. Aufwand bei der Abwicklung und ein möglicher Wegfall des Vorsteuerabzugs könnten die Ersparnisse an der eine Stelle an einer anderen Stelle negativ beeinflussen.
  • Nachhaltigkeit: Geplant ist eine Art Best-Practice-Sammlung über den Börsenverein, die Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften gibt und eine Vernetzung der Branche zulässt.
  • Im Fachausschuss für den Zwischenbuchhandel wird die Nachfolgerin von Eckhard Südmersen, Alyna Wnukowsky, nachrücken. Das sei bereits so besprochen, wie Schierke erklärte. Für den ausscheidenden Ludger Wicher (LKG) werde erst später die Nachfolge geklärt.
  • Der Einstieg von Kulturstaatsministerin Claudia Roth wurde in Verlagen und Handel erst einmal positiv aufgenommen, zumal ja gerade erst die Anerkennungsprämie für Buchhandlungen aufgestockt wurde. Man hoffe, dass es weitere Projekte für die Branche gebe, auch wenn man derzeit spüre, dass die Regierung aktuell noch andere Prioritäten setzen müsse.

 

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