Sonja M. Schultz über »Hundesohn«

In den aktuellen Herbstprogrammen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autoren. buchreport stellt 13 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Sonja M. Schultz.

Mein Roman in drei Sätzen

Ein im Herzen zutiefst orientierungsloser, versoffener Ex-Krimineller namens Hawk scheitert beim Versuch, solide zu werden. Seine Vergangenheit im Hamburger Rotlichtmilieu holt ihn ebenso ein wie seine verlorene Liebe zu Lu, Königin der Hafenkneipe „Les fleurs du mal“. Und noch jemand holt Hawk ein, um sein Leben gründlich in Brand zu setzen.

Sonja M. Schultz wurde 1975 geboren und wuchs im Hamburger Umland auf. Schultz studierte Theaterwissenschaften und Kulturelle Kommunikation in ihrer Wahlheimat Berlin. Sie schreibt über Film und tritt mit Spoken Word auf alternativen Bühnen auf. Mit ihrem Debütroman „Hundesohn“ war sie 2017 Stipendiatin der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. (Foto: Dominique Meienberg)

Mein Weg zu Kampa

2017 war ich Stipendiatin der Autorenwerkstatt Prosa im Literarischen Colloquium Berlin, was mir viele inhaltliche Anregungen, spannende Bargespräche und schöne Ausblicke auf den Wannsee beschert hat. Im März 2018 erschienen Textauszüge dieser Werkstatt in der „Spritz“ („Sprache im Technischen Zeitalter“), woraufhin sich zwei Agentinnen und eine Lektorin bei mir meldeten, um mehr zu lesen. Die Agentinnen sagten nach der Lektüre: „Hundesohn“ ist ein Genre-Bastard mit Krimi-Elementen, psychologischer Familiengeschichte und milieustudienhaften Rückblenden bis in die Nachkriegszeit – das ist zu viel auf einmal für jeden Verlag, es braucht ein einziges, klares Label! Sonst lässt sich ein Stoff nicht verkaufen. Die Lektorin hieß Ulrike Ostermeyer, Editor at Large bei Kampa. Sie sagte: Wir wollen das unbedingt machen! Im Sommer 2018 bin ich nach Zürich geflogen, um in Kampas Garten Risotto zu essen. Dann habe ich den Vertrag unterschrieben.

Das Verdienst meiner Lektorin

Ulrike Ostermeyer hat den Stoff entdeckt, die Hauptfigur ins Herz geschlossen und alles Weitere eingefädelt. Ohne sie gäbe es „Hundesohn“ in dieser Form nicht. In der letzten Überarbeitungsphase war sie eine strenge Lektorin, von der ich nachts geträumt habe. Sie war großartig für das Buch und genau die richtige Herausforderung für die Zusammenarbeit. Meine Verehrung.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Erstens: Buchmessen sind eine einzige Überforderung der Sinne. Zweitens: Nach Lesungen empfiehlt es sich, ein Pfefferminz zu lutschen – für den Fall, dass Groupies zugegen sind. Drittens: Buchhandelsvertreterinnen und -vertreter sind eine unterschätzte, charakterlich unglaublich angenehme Zunft. Viertens: Bisher war der Rotwein immer lecker. In einem Jahr weiß ich mehr.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Kommedia in Berlin-Kreuzberg. Klein, aber bis auf den letzten Zentimeter perfekt genutzt, ihr Inhaber ernsthaft und rundum belesen, immer politisch up to date. Mein Lieblingsort für Buchentdeckungen aller Art: die Berliner Amerika-Gedenkbibliothek. Offen für alle und alles. Und es gibt Kaffee.

Meine Lieblingsautoren

Meine Lieblinge wechseln. Doch bleibende all time favourites sind: Janet Frame, Jörg Fauser, Irmgard Keun, Denis Johnson, Eileen Myles, Tadeusz Borowski. Lieblings­zitate: „I think I must be frozen inside with no heart to speak of. I think I’ve got the wrong way of looking at Life.“ (Janet Frame) „My war is love.“ (Eileen Myles)

So lese ich

Gierig und unersättlich.

Schreiben ist für mich

Eine erogene Zone.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Schaue ich mich um, lasse ich mich berühren und berühre.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Wir haben dieses Debüt ins Programm genommen, weil es von der ersten Zeile an einen Sog auslöst, einen ganz besonderen, eigenen, kraftvollen Ton anschlägt. Und weil es eine untergegangene Welt wieder aufleben lässt, das Hamburger Milieu nach dem Krieg bis zur endgültigen Gentrifizierung nach der Wende im Jahr 1989: diesen ganz eigenen Gegensatz von Härte und Geborgenheit, von Lebenslust und Schmutz, von Fernweh und Heimweh, von Biederkeit und Weltoffenheit. Und nicht zuletzt, weil hier eine Autorin mit Empathie und gedanklich wie sprachlich genauem Blick das Thema Männlichkeit unter die Lupe nimmt, mitsamt der Subthemen Gewalt, Schuld und vererbter Wut. Wir sind überzeugt: Von dieser Autorin werden wir noch viel lesen und hören.

Ulrike Ostermeyer, Lektorin

Debütanten im Herbst 2019 – im buchreport.magazin 09/2019

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Sonja M. Schultz über »Hundesohn«"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*