GVU musste Insolvenz anmelden

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat im März Insolvenz angemeldet. Der Verein hatte den Pirateriemarkt beobachtet, bekämpft und in strafrechtlichen Maßnahmen auch mit dem Börsenverein kooperiert. „Zu den Gründen der Insolvenz kann ich gegenwärtig noch keine Auskunft geben, es ist allerdings davon auszugehen, dass der Verein nicht mehr den Rückhalt aller Mitglieder in dem Umfang hatte, in dem er benötigt wird“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Martini von der Berliner Kanzlei Leonhardt Rattunde auf buchreport-Anfrage.

Martini hat mit der Geschäftsführung über eine Sanierung gesprochen und die Bereitschaft abgeklopft, den Verein in dieser oder anderer Form fortzuführen. Dies sei jedoch in der Verhandlung verworfen worden, sodass der Verein den Betrieb einstellt und nach Öffnung des Insolvenzverfahrens vermutlich im Laufe des Monats liquidiert wird.

Anfang 2013 war der Börsenverein eine Partnerschaft mit der GVU eingegangen. Der Auftrag: Die GVU sollte im Sinne der Rechteinhaber illegale Kopien von E-Books im Internet aufspüren, strafrechtlich gegen die Betreiber entsprechender Websites vorgehen und generell für die Belange der Branche trommeln. Mehrfach stand die Kooperation jedoch auf der Kippe, weil man sich zwar auf inhaltlicher Ebene einig war, es jedoch an der Finanzierung haperte. Das entsprechende Budget sollten die Verlage bereitstellen, die sich allerdings mit Beitragszahlungen schwertaten. So sprang etwa 2015 die Börsenvereinstochter MVB als neues Vereinsmitglied ein und übernahm die Kosten.

Zweiter Rückzug im Pirateriekampf

Vor der GVU hatte sich mit der Agentur CounterFight Anti-Piracy bereits ein anderer ambitionierter Piratenjäger aus der Buchbranche verabschiedet. Andreas Kaspar, der mit seiner Agentur 212 Rechteinhaber betreute, hat Ende 2019 den Großteil der Verträge auslaufen lassen und bereits Auswirkungen festgestellt: „Im April hat sich nach unseren Daten die Anzahl der illegalen E-Book-Angebote allein im Piraterieforum mygully.com im Vergleich zum Januar mehr als verdoppelt. Die Uploader haben inzwischen mitbekommen, dass offenbar keiner mehr gegen die illegalen Kopien der E-Books effektiv vorgehen will oder kann.“

Wie die Branche mit Piraterie umgeht

Kommentare

2 Kommentare zu "GVU musste Insolvenz anmelden"

  1. Andreas Schaale | 12. Mai 2020 um 18:14 | Antworten

    Nun ja, das Problem GVU scheint ja gelöst zu sein. Insolvenz. Da werden noch weitere Insolvenzen folgen. Arme Buchhändler. Um Piraten zu jagen, muss man „piratisch“ sprechen. Die Oberpiratin wohnt in Moskau. Ich kann fliessend piratisch, ich kann die „Piratenblogs“ lesen. Natürlich kenne ich auch die gigantische Piratenbibliothek die auch sehr viele andere kennen. Da warten wir am besten ab, wer den Börsenverein jetzt berät.

  2. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, aber da möchte wohl niemand die Details wissen, und auf fachlicher Ebene konnte man sich mit der GVU ja durchaus unterhalten. Unsere Firma Lisheenageeha gibt es noch, alive and kicking (wenn auch aus guten Gründen ständig noch versteckter), aber ein Quasi-Monopol zu haben, macht auch nur begrenzt Spaß. Konkurrenz belebt das Geschäft etc. Ich will auch keinesfalls triumphen, Bücher sind mir noch das liebste Medium. Es geht ja um was, z.B. E-Book-Umsätze – die waren, sind (und bleiben?) wie angesagt, nämlich eher mau, und daran wird wohl auch Corona nichts ändern.

    Das Piraterie-Thema ist nicht völlig trivial und wird auch nicht spaßes- oder langeweilehalber verschwinden. Haben wir euch jahrelang dargestellt und vorgerechnet („Gutenberg 3.0“). Es wurde halt vergeigt (Ungefähr-Zitat eines Vertreters eines der ältesten und bedeutendsten [und zu diesem Thema noch verständigsten] deutschen Verlage: „Wenn unser Verband sagt, wir müssen zur GVU, können wir nicht mit Ihnen arbeiten.“).

    Nun ja, falls jemand Fragen zu E-Book-Piraterie hat, kann er sich weiterhin gerne melden, manuel@nightacademy.net wird gelesen.

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