Schriftstellerin Judith Kerr ist tot

Judith Kerr (Foto: Ravensburger, T. Ehling)

Judith Kerr (95) ist tot. Die deutsch-britische Schriftstellerin, die in Deutschland vor allem für den Jugendbuchklassiker „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ bekannt ist, sei am Dienstag nach kurzer Krankheit gestorben, teilt ihr langjähriger Verlag HarperCollins UK mit, wo ihre Bücher seit 1968 erscheinen.

Kerr wurde in Berlin geboren, aber ihre Familie verließ Deutschland 1933, um dem Aufstieg des Nationalsozialismus zu entkommen. Über die Schweiz und Frankreich kam sie schließlich nach London. Als Kinderbuchautorin schrieb und gestaltete bis ins hohe Alter. „Sie hörte nie auf zu arbeiten”, so HarperCollins.

Auch der Fischer Verlag würdigt Kerrs Arbeit: „Noch vor wenigen Wochen bekamen wir Judith Kerrs neuestes Manuskript auf den Tisch und wir können es nicht fassen, dass dies nun das letzte sein wird”, sagt Ulrike Metzger, Verlagsleiterin des Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlags. Und weiter: „Sie hinterlässt einzigartige Bücher, wie nur Judith sie zu Papier bringen konnte, durch ihre Beobachtungsgabe, ihre große sprachliche Kraft und der ihr eigenen Verbindung von Scharfsinn, Warmherzigkeit und hintergründigem Humor. Sie war als Autorin so talentiert wie als Zeichnerin und schrieb und zeichnete sich in die Herzen ihrer Leser. Wo sie auftrat, wurde sie mit stehendem Applaus empfangen. Wir trauern um eine große Künstlerin, einen wunderbaren Menschen und um eine gute Freundin. Wir sind sehr stolz darauf, dass es ihr wichtig war, ihre letzten Bücher bei Fischer zu publizieren, dem Haus, in dem auch die Werke ihres Vaters Alfred Kerr verlegt werden.”

Zuletzt sind von Kerr bei Fischer Sauerländer das Kinderbuch „Ein Seehund für Herrn Albert” und das Bilderbuch „Meine Katze Katinka” erschienen. Ihr wohl berühmtestes Werk aber bleibt „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ über die neun Jahre alte Anna, die 1933 auf der Flucht vor den Nazis aus Berlin alles zurücklassen muss. Das Jugendbuch, dem zwei weitere Bände („Warten bis der Frieden kommt”, „Eine Art Familientreffen”) folgten und das zur Schullektüre wurde, kommt am Jahresende auch als Literaturverfilmung in die Kinos:

  • Regie führt Oscar-Preisträgerin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“), die zusammen mit Anna Brüggemann auch das Drehbuch geschrieben hat.
  • Warner Bros. Pictures bringt den Film am 26. Dezember 2019 in die Kinos.

Ihren autobiografische Züge tragenden Jugendroman hatte Judith Kerr 1971 zuerst in englischer Sprache veröffentlicht („When Hitler Stole Pink Rabbit“). Die deutsche Übersetzung von Annemarie Böll erschien 1973, ein Jahr später wurde das Buch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet:

  • Ravensburger hat von dem Roman rund 2 Mio Exemplare in verschiedenen Ausgaben verkauft.
  • Die aktuelle Taschenbuch-Ausgabe ist 1997 erschienen und liegt mittlerweile in der 27. Auflage vor.
  • Zum Filmstart plant Ravensburger eine Sonderausgabe.

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