Ullstein: Marke Ullstein fünf wird eingestellt

Ullstein fünf wird zu den Akten gelegt: Die Ullstein Buchverlage lassen ihr Imprint ab 2020 in der reanimierten Verlagsmarke Claassen aufgehen.

Das Imprint „Ullstein Fünf“ hatte der Verlag zum Frühjahr 2017 angestoßen, um mehr Programmplätze für deutschsprachige Autoren zu schaffen. Es wurden insbesondere Autoren mit „Sendungsbewusstsein“ gesucht, die gern Stellung beziehen, neue Zielgruppen erschließen und auch mit neuen Veranstaltungsformaten experimentieren sollten.

Jetzt sieht Ullstein offenbar in der Traditionsmarke Claassen (s. Kasten) mehr Potenzial als in dem 2017 gelaunchten Imprint Ullstein fünf. „Wir glauben, dass Claassen der gebührende Ort ist für literarische Entdeckungen. Wir sind davon überzeugt, dass Claassen noch im Gedächtnis des Buchhandels ist und man mit literarischer Neugier und Sympathie die Wiederaufnahme des Programms begleiten wird“, so Sprecherin Christine Heinrich. Details:

  • Das Konzept für die reaktivierte Marke beschreibt Ullstein als „modern und klassisch zugleich“.
  • Das Programm umfasst internationale wie deutschsprachige Literatur, im Unterschied zu Ullstein fünf ist bei Claassen kein Sachbuch geplant.
  • Pro Halbjahr sollen wie zuvor zunächst 4 Titel erscheinen. Den Start machen im Frühjahr 2020 die Romane „Serpentinen“ von Bov Bjerg, „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron, „Superbusen“ von Paula Irmschler und „Menschliche Dinge“ von der Französin Karine Tuil.
  • Die Programmleitung für Claassen übernimmt Linda Vogt, die seit September 2018 das Label Ullstein fünf verantwortet.

Claassen: Verlagsgeschichte

Der Verlag wurde 1934 von Eugen Claassen und Henry Goverts in Hamburg gegründet. Das Programm spiegelte die politische Haltung der Verleger: Sie vermieden die Veröffentlichung nationalsozialistischer Autoren, setzten auf junge Autoren und hielten Kontakt zu emigrierten Schriftstellern.

Ein erster Bestseller gelang dem Haus 1937 mit der deutschen Ausgabe von Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“. Mit Autoren wie Marie Luise Kaschnitz, Heinrich Mann, Elisabeth Langgässer, Elias Canetti und Erich Fried sowie Herman Melville, Cesare Pavese und Pablo Neruda kamen in den Folgejahren weitere literarische Hochkaräter ins Programm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Verlag als einer der Ersten von der britischen Besatzungsmacht die Lizenz, sich unter der Firmierung Claassen & Goverts neu zu gründen. Nach dem Tod von Eugen Claassen 1955 führte seine Witwe Hilde den Verlag weiter. Sie verkaufte den Verlag 1967 an Econ.

Im Verbund mit Econ kam Claassen 1999 zu den Ullstein Buchverlagen, die damals unter dem Dach von Axel Springer standen. 2003 wechselte er mit Ullstein zu Bonnier. 2010 wurde die Verlagsmarke stillgelegt.

Quelle: Ullstein, buchreport

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