Random House prescht vor, die anderen beobachten

Publikumsmarktführer Random House hat sich positioniert. 2019 gibt es für die über 40 Marken der Verlagsgruppe keine gedruckten Vorschauen mehr. Die Novitäten der Herbstsaison 2019 werden ausschließlich digital angezeigt mit dem System VLB-Tix. Viele Buchhändler sind verärgert, sind sich aber auch darüber im Klaren, dass damit keine Wahloptionen mehr bestehen. Den Druck, sich intensiv mit dem Thema zu befassen, hat Random House jetzt aufgebaut.

Ist das der Durchbruch? Und: Sollten die anderen Verlage folglich jetzt ebenfalls auf die Digital-Vorschau umschwenken? Letzteres hat buchreport in einer großen Buchhandels-Umfrage mit 1020 Rückmeldungen erfragt. Ähnlich wie bei der überwiegend negativen Bewertung des Random House-Vorstoßes (73%) fällt auch das Signal für die anderen Verlage: Nein, sagen 71%, mit Ja votieren 22%, die verbleibenden 7% sind unentschlossen. Hier ein Einblick, warum viele Buchhändler an der Papiervorschau hängen.

Und was haben die anderen Verlage im Sinn? Erste Stellungnahmen auf buchreport-Anfrage:

  • Die Verlage der Bonnier-Gruppe (u.a. Carlsen, Piper, Ullstein, Münchner Verlagsgruppe) „beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam und werden versuchen, einen guten Zeitpunkt abzupassen, ab dem man erste Tests auch ohne gedruckte Vorschauen machen kann. Das entscheidet jeder Bonnier-Verlag für sich allein …“, sagt CEO Christian Schumacher-Gebler.
  • Bei Holtzbrinck stand das Thema zuletzt bei einem Board-Meeting auf der Tagesordnung. Noch gibt es nichts Neues zur Vorschau-Politik der Fischer-Verlage, Rowohlt, Droemer Knaur, Groh und Kiepenheuer & Witsch.
  • Die besonders digitalaffine Bastei Lübbe-Gruppe hält sich weitgehend bedeckt: „Wie sicher in jedem Verlagshaus gehört das Thema Vorschauen stets in unsere Überlegungen und wir überprüfen regelmäßig, wie wir mit den sich wandelnden Anforderungen unsere Angebotsform im richtigen Rahmen attraktiv, anschaulich und zeitgemäß darbieten, damit unsere Partner bestens über unsere neuen Titel informiert werden. In welche Richtung wir unsere Vorschauen in Zukunft entwickeln werden, haben wir bislang noch nicht entschieden.”
  • „Hanser war von Anfang an in der VLB-Tix-Pilotkundengruppe aktiv, um eine digitale Vorschau mit auf den Weg zu bringen”, sagt Verleger Jo Lendle: „Seit einigen Jahren führen wir beide Formate parallel – was durchaus Erkenntnisse bringt, aber mächtig Arbeit macht. Mittelfristig werden wir sicherlich reagieren, einen konkreten Termin für eine Umstellung gibt es nicht.”
  • Der Diogenes Verlag wird weiterhin die gedruckte Vorschau an seine Handelspartner verschicken und parallel mit VLB-Tix arbeiten. Die aktuelle Diogenes-Vorschau für das Herbst Winter 2018/19 Programm wurde für VLB-Tix bereits veröffentlicht.
  • Oliver Pux, Verlagsleiter Digital  bei Aufbau, wartet auch zunächst ab: „Große Veränderungen in der Buchbranche im Rahmen der Digitalisierung können nur von den großen Verlagsgruppen durchgesetzt werden. Insofern begrüßen wir das aktive Handeln der KollegInnen von Random House. Die Akzeptanz der digitalen Vorschauen im Handel und die Auswirkungen des Wegfalls der Print-Vorschauen werden wir genau beobachten und zu gegebener Zeit den zu uns passenden Fahrplan kommunizieren.”
  • Anke Hardt, Vertriebsleiterin bei dtv sagt: „Ja, irgendwann wird die gedruckte Vorschau sicherlich abgeschafft. Aber wir haben noch keinen Zeitpunkt avisiert.”
  • Herder hat sich bezüglich „der Umstellung auf rein digitale Vorschau noch kein Datum gesetzt”, man arbeite aber schon länger an diesem Projekt, passe auch bereits die Workflows intern an und schule die eigenen Mitarbeiter.

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