Umbau des Wissenschaftsmarktes: »Pragmatismus statt Ideologie«

Wissenschaftstreff zum Jahresauftakt: Zum 15. Mal hat die von Arnoud de Kemp ausgerichtete Fachkonferenz APE (Archivfoto) in Berlin die Befindlichkeiten des Wissenschaftsmarktes ausgelotet. Einig sind sich die Akteure, dass der Wandel hin zu Open Science jetzt in der Praxis vorangetrieben werden müsse. (Foto: Edwin de Kemp)

Die großen Emotionen spielten in diesem Jahr bei der Fachkonferenz Academic Publishing in Europe (APE) in Berlin eine ungewöhnlich zentrale Rolle. „Deutlich zu viele emotionale Debatten“ beklagte etwa der Open-Access-Berater der EU-Kommission, Jean-Claude Burgelman, mit Blick auf das Geschäftsmodell. Und auch Kumsal Bayazit, die CEO des Marktführers Elsevier, in der Vergangenheit nicht gerade bekannt als Liebling seiner Bibliothekskunden, stieß in dieses Horn: „Pragmatismus statt Ideologie“ forderte sie, nicht ohne eine Veränderung ihres eigenen Unternehmens zu versprechen.

 

Jetzt müssen Taten folgen

Transformation ist das Schlagwort der Stunde: Dass ausreichend Expertengruppen getagt haben und sich die Branche jetzt um die Umsetzung kümmern muss, verband das Gros der Positionen auf der APE.

So berichteten Vertreter des „Deal“-Verhandlungsteams und ihre Verlagspartner von Wiley und Springer Nature von der konkreten Umsetzung des wohl größten europäischen Transformationsprozesses auf ein „Read and Publish“-Modell. Dieses soll in Deutschland im wissenschaftlichen Zeitschriftengeschäft den Wandel hin zu Open Access vorantreiben. Das Fazit: Der Umbau des Modells fordert die Branche bis in die Details, aber der Schritt zu mehr Offenheit ist unumkehrbar.

 

»Klassische wissenschaftliche Zeitschrift kommt zu einem Ende«

Zum Umgang mit neuen Geschäftsmodellen gehört auch das: Das Publizieren von Forschungsergebnissen wird immer stärker abhängig von Daten und entwickelt sich von einem statischen, artikelbasierten Geschäft zu einem dynamischen Prozess. Das ist keine neue Einsicht dieser APE, allerdings wurde in Berlin deutlich, dass Forschungsfinanzierer sowie Vertreter aus der Wissenschaft und von Bibliotheken in ihrem Drängen, wissenschaftliches Publizieren zu einem durchgängig digitalen Vorgang zu machen, nicht nachlassen werden.

Jean-Claude Burgelman forderte gar stellvertretend für die EU-Kommission, dass die Bemühungen bei der Implementierung von Forschungsergebnissen durch die Wirtschaft weiter intensiviert werden müssten. Er sprach von einem zunehmenden Wettbewerb mit den Forschungs- und Industrienationen USA und China, denen Europa als Vorreiter bei vielen Innovationen bei der Realisierung die Stirn bieten müsse – anders als in der Vergangenheit, als der Kontinent zwar zahlreiche Vordenker, aber zu wenig direkten wirtschaftlichen Nutzen geschaffen habe.

Lin Peng, Vorstandsvorsitzender des chinesischen Marktführers Science Press, dagegen reichte in seinem Vortrag Verlagen aus aller Welt die Hand zur Kooperation. In seinem Land, in dem die Forschungsausgaben jährlich zweistellig zulegten, wachsen Wissenschaftsverlage kräftig und eine stärkere Internationalisierung ist erwünscht.

Die von Arnoud de Kemp ausgerichtete APE-Konferenz verschaffte auch den Forschenden Gehör. Sie werben seit Jahren für besseren und schnelleren Zugang zu Forschungsergebnissen. Ihre Arbeit hat, zumal in den Naturwissenschaften, zunehmend mit Daten zu tun. Für Richard Horton, Chefredakteur der Top-Zeitschrift „The Lancet“, ist angesichts dessen denn auch klar: „Die wissenschaftliche Zeitschrift, wie wir sie kennen, kommt zu einem Ende.“

Sven Fund (Foto: privat)

Autor

Sven Fund ist Geschäftsführer der Beratung Fullstopp sowie des Open-Access-Anbieters Knowledge Unlatched.

Er war für buchreport als Beobachter bei der APE.

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