Wie Verlage einen Personal-Branding-Prozess schaffen

Verlagsangestellte haben etwas zu erzählen, meint der Personal-Branding-Experte Stephan Raif. Im Channel Produktion & Prozesse von buchreport.de zeigt er die Vorteile von starken Personenmarken auf – auch für Unternehmen. Und fordert Führungskräfte auf, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Mitarbeitenden nach außen als Influencer und Experten präsentieren.

 

Stephan Raif unterstützt Führungskräfte bei ihrem werteorientierten Personal Branding. Seine Methodik entwickelte er aus seinen Erfahrungen als Vorstand und Geschäftsführer von Marketingagenturen.

Personal Branding ist relevant

Ein Verlag war und ist ein ganz besonderer Arbeitgeber. Trotz vieler ganz neuer Herausforderungen hat die Arbeit in einem Verlag nach wie vor den alten Glanz.

Warum arbeiten Sie in einem Verlag? Sicher nicht, weil es der einzige Job war, den Sie gefunden haben. Sondern, weil Sie sich dafür entschieden haben. Erinnern Sie sich daran zurück, wie es war, als Sie das erste Mal einen Verlag als Mitarbeiter betreten haben? Fühlten Sie so etwas wie Stolz, dabei zu sein?

Viele von Ihnen sind schon seit einigen Jahren Verlagsmitarbeiterinnen oder -mitarbeiter und wissen, wie der Hase im Publishing läuft. Sie haben eine Menge Fachwissen und Praxiserfahrung gesammelt, die Sie täglich für Ihren Beruf nutzen.

Normal? Ja – vielleicht für Sie und Ihren gewohnten Arbeitsablauf. Doch spannend für viele, die nicht wissen, wie die DNA Ihres Verlages aussieht und noch nie einen von innen gesehen haben. Das ist für Außenstehende interessanter, als viele von Ihnen erwarten würden.

Berichten Sie darüber! Publizieren Sie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus der Verlagswelt in den Sozialen Medien.

»Als Angestellter brauche ich kein Personal Branding.«

Das ist einer der häufigsten Glaubenssätze, der mir als Personal-Branding-Experte begegnet. Meine Antwort lautet schlicht: Sind Sie sicher?

Ich bin davon überzeugt, dass es heute für nahezu jeden relevant ist, sich eine mediale Präsenz aufzubauen. Es sei denn vielleicht, Sie stehen kurz vor der Rente.

Medial präsent zu sein heißt heutzutage, „googlebar“ zu sein. Denn egal, wen Sie in der Businesswelt kennenlernen – Ihr Name wird sehr wahrscheinlich in eine Suchmaschine getippt. Andere wollen wissen, was Sie tun und Sie auch ein klein wenig überprüfen. Wenn Sie bereits ein „Personal Brand“, eine Personenmarke sind, werden Sie nur Vorteile haben.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Berufsleben in den Medien nachvollziehbar ist.

Der Online-Lebenslauf ist glaubwürdiger als der erzählte bzw. selbst getippte. Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Oft sorgen andere dafür, dass etwas über Sie im Internet zu finden ist. Das trifft sogar auf meine 83-jährige Mutter (ehemals Lehrerin) zu. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Berufsleben in den Medien nachvollziehbar ist. Idealerweise noch gewürzt mit ein paar persönlichen Aspekten, vielleicht Ihre Hobbies oder ein Urlaub.

Damit sind wir schon mittendrin im Personal Branding. Für viele klingt es nach Hexenwerk, aber das ist es nicht. Der Markenaufbau braucht allerdings Zeit und die darf sich jeder nehmen. Sorgen Sie nur dafür, dass Sie regelmäßig etwas über Ihre Expertise berichten, interessante Artikel teilen, eigene Texte, Videos oder Podcasts machen – oder ganz einfach auf einem relevanten Social-Media-Kanal mitmischen. Das muss nicht täglich geschehen, aber wie gesagt, regelmäßig.

Der Channel Produktion & Prozesse

Weitere Lösungen, Impulse und Erfahrungsberichte für die Verlagsproduktion lesen Sie im Channel Produktion & Prozesse von buchreport und Channel-Partner Publisher Consultants.
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Voraussetzungen für Personal Branding schaffen

Als Führungskraft haben Sie eine Vorbildfunktion für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alle orientieren sich ein wenig an Ihrem Verhalten, das auch den Kollegen einen gewissen Handlungsspielraum gibt. Ihr gutes Beispiel animiert andere, mitzumachen und selbst aktiv zu werden. Deshalb

  • machen Sie aus Ihrem Alltag eine spannende Story
  • motivieren Sie andere, es Ihnen gleich zu tun
  • schulen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie sie sich in den Sozialen Medien am besten bewegen
  • geben Sie Leitlinien heraus, wie das Unternehmen präsentiert werden soll und was Sie auf keinen Fall im Web über sich wollen
  • geben Sie den zeitlichen Freiraum, der fürs Personal Branding erforderlich ist
  • betreiben Sie Social Media Monitoring, um festzustellen, wie das Personal Branding Ihrer Beschäftigten auf Ihr Unternehmen einzahlt.

Für eine Führungskraft gibt es zusätzliche Gründe, eine starke Personenmarke aufzubauen. Denken Sie neben der Wirkung bei Ihren Kolleginnen und Kollegen an Menschen, die sich für eine Mitarbeit interessieren. Recruiting von Mitarbeitern wird einfacher, wenn Bewerberinnen und Bewerber einen Eindruck von den Führungskräften bekommen. Ich kenne Menschen, die nur wegen eines Personal Brand aus der Führungsetage eine Bewerbung verschickt haben. Ihnen gefielen einfach der Führungsstil und der offene Geist ihres prospektiven Vorgesetzten, und sie wollten ihm nacheifern. Um einmal hoch zu greifen, denken Sie dabei an Persönlichkeiten wie Elon Musk oder einst Steve Jobs. Die beiden sind bzw. waren die besten Recruiter Ihrer Unternehmen.

 

Eigenlob stinkt … nicht!

Uns wurde als Kind häufig gesagt, dass „Eigenlob stinkt“. Gemeint war: Ich soll bescheiden sein und nicht damit angeben, was ich gut kann. Stimmt grundsätzlich – doch wir können die Tonalität unseres Außenbildes fein abstimmen und über Erfolge berichten, ohne uns auf die Brust zu klopfen. Das ist mehr als sympathisch. Diese neue Bescheidenheit kommt medial sehr gut an und steht allen gut zu Gesicht.

Das A und O ist es, mögliche Kunden und Interessenten für das eigene Tun zu begeistern und zu überzeugen. Mit Erfahrung, Know-how und Leidenschaft. Das wirkt ansteckend und überzeugend.

„Heldentaten“ gehören zu unserem Personal Brand, können aber auch zurückhaltend erzählt werden. Am besten gleich mit ein paar Tipps für andere, die ihnen helfen, ähnliche Erfolge zu feiern.

 

Machen Sie´s wie der Eisverkäufer

Haben Sie im Türkeiurlaub einmal einen Eisverkäufer beobachtet, der so viel Spaß an seinem Job hatte, dass sein Verkauf zu einer unterhaltsamen Show mutierte?

Ähnliches erleben wir überall bei Menschen, die mit Begeisterung ihren Beruf ausüben. Ich beriet vor Jahren als Marketingberater beispielsweise die Firma SKF Kugellager in Schweinfurt. Damals durfte ich für Schrägkugellager eine Broschüre konzipieren. Schrägkugellager? Etwas Langweiligeres konnte ich mir kaum vorstellen. Aber als mir der damalige Werbeleiter begeistert erzählte, wie viele Tonnen Druck dieses kleine Lagerchen von oben und von der Seite aushalten kann und wo es eingesetzt wird, wirkte das geradezu ansteckend.

Kommunizieren Sie Ihren Erfolgs-Cocktail von Fachwissen und Begeisterung!

Ich habe die Broschüre gerne gemacht und denke oft an meinen Kunden als Kugellager-Spezialisten zurück. Er hat mir bewiesen: Auch Dinge, die erstmal unspannend daher kommen, kann man interessant vermarkten.

Berichten auch Sie begeistert von Ihrem Beruf, Ihrem Projekt oder Ihren Erfahrungen. Das fasziniert, imponiert – und verkauft.

 

Influencer, Nerd, Experte

Wir erleben im Marketing ständig neue Trends, die eine Zeit lang gut funktionieren. Die Influencer-Welle beispielsweise. Das sind meist junge Leute, die sich für etwas begeistern, sich darauf spezialisiert haben und sich damit medienwirksam inszenieren – mit beachtlichem Erfolg, wenn man deren Follower-Anzahl als Maßstab nimmt (so viele Leser wünschen sich viele Tageszeitungen!). Das ist eine Form von Personal Branding, die definitiv Geld in die Kasse spült.

Einfach machen! Durchs Tun kommen die Übung und die Erfahrung.

Seien Sie ein Influencer in Ihrem Bereich mit Ihrer Spezialisierung. Kommunizieren Sie Ihren Erfolgs-Cocktail von Fachwissen und Begeisterung aus Ihrem Arbeitsumfeld, aus Ihrem Verlagsleben. Das bedeutet auch, dass Sie sich mit den Kommunikationsgewohnheiten Ihrer Zielgruppe auseinandersetzen müssen, um zu wissen, wie und wo sich Ihre potenziellen Leserinnen und Zuschauer informieren. Oder, um es einfacher auszudrücken: Finden Sie heraus, in welchen Medien sich Ihre Zielgruppe informiert. Was lesen, sehen und hören sie, um sich Informationen zu holen oder sich weiterzubilden? Genau dort sollten Sie sichtbar sein mit Ihren Botschaften. Denn hauptsächlich dort sind Ihre Zielpersonen offen für Anregungen, Tipps und Angebote von Ihnen.

Der wichtigste Schritt ist aber immer der erste. Deshalb heißt es unbedingt „einfach machen“! Durchs Tun kommen die Übung und die Erfahrung – und am Ende der Erfolg.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wie Verlage einen Personal-Branding-Prozess schaffen"

  1. Henning Rahmer | 18. Januar 2021 um 18:00 | Antworten

    Super Artikel! Den werden wir auch mit unseren BuchhändlerInnen + unserer Auszubildenden (auch als („Incentive“) diskutieren!😌😊😎

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