»Eine bessere Klimabilanz muss unser aller Ziel sein«

Antonia Bürger. Foto: Knesebeck.

Antonia Bürger führt seit 2012 die Geschäfte der des Knesebeck Verlags. Foto: Knesebeck Verlag.

Die Rolle der Nachhaltigkeit wächst im Bewusstsein der Verbraucher. Wie richten Verlage ihre Angebote am wirksamsten auf dieses Bedürfnis aus?

Die Publishing Services & Retail Stage der Frankfurter Buchmesse 2019 in Halle 4.0, Stand G 91, gibt Gelegenheit zur Diskussion der aktuellen Möglichkeiten und ihrer Auswirkungen auf Produktion, Kosten und Kundennutzen. Dort diskutieren am Donnerstag, 17. Oktober 2019, um 12 Uhr Publishing-Experten, um zukunftsweisende Wege für mehr Nachhaltigkeit aufzuzeigen.

Im Channel Produktion und Prozesse von buchreport.de sprechen Antonia Bürger, Geschäftsführerin des Knesebeck Verlags, und Berater Markus Wilhelm über die mögliche Reichweite von Nachhaltigkeits-Initiativen im Verlag.

Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Verlag?

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns inhaltlich schon lange in verschiedenen Facetten begleitet. Aktiver Klima- und Artenschutz, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen bis hin zu grünem Minimalismus – dafür stehen nicht nur viele unserer Autorinnen und Autoren ein, sondern auch wir als Verlag möchten diese Themen einer breiten Öffentlichkeit näherbringen.

Was bedeutet dies für den Verlag in der Praxis?

Natürlich beschäftigt uns in diesem Zusammenhang auch das Thema umweltschonende und nachhaltige Buchproduktion und wie wir sie in Zukunft noch konsequenter umsetzen können.

Markus Wilhelm. Foto: Publisher Consultants.

Markus Wilhelm ist Gründer und Geschäftsführer der Verlagsberatung Publisher Consultants. Foto: Publisher Consultants

Wie packen Sie das Thema der nachhaltigen Produktion konkret an?

Seit vielen Jahren drucken wir auf 100 % FSC-zertifizierten Papieren und vorwiegend in Deutschland oder benachbarten Ländern, um kurze Transportwege zu garantieren. Dazu kommt der zu Recht vom Handel eingeforderte zunehmende Verzicht auf Einschweißfolien – auch bei unseren aufwendig produzierten Bildbänden.

Hier im Haus und Arbeitsalltag versuchen wir außerdem unser Bewusstsein für ressourcenschonenden Verbrauch ständig zu hinterfragen und zu schärfen.

Was wollen Sie erreichen – welche Strategie verfolgen Sie?

Dem bei uns bereits gewachsenen und auch in weiten Teilen der Gesellschaft größer werdenden Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz wollen wir zukünftig noch konsequenter Rechnung tragen. Dazu gehört für mich beispielsweise eine klare Haltung im Einkauf von Buchlizenzen. Wir müssen Projekte auf ihre Klimabilanz und Produktionsbedingungen hin überprüfen und auch Nein sagen, wenn sie unseren eigenen Standards nicht entsprechen.

Der Channel Produktion & Prozesse

Weitere Lösungen, Impulse und Erfahrungsberichte für die Verlagsproduktion lesen Sie im Channel Produktion & Prozesse von buchreport und Channel-Partner Publisher Consultants. Hier mehr…

Sehen Sie Möglichkeiten, dem Nachhaltigkeitsgedanken darüber hinaus Rechnung zu tragen?

Ja. Derzeit reflektieren wir unsere Prozesse hier im Haus und prüfen alle Möglichkeiten für eine klimaneutralere Produktion, mit der wir guten Gewissens an den Markt gehen können. Es muss unser aller Ziel sein, langfristig eine bessere Klimabilanz zu erreichen. Zugleich wollen wir gute Produkte verkaufen, die den Ansprüchen der Urheberinnen und Urheber, des Verlags und natürlich der Käuferinnen und Käufer genügen.

Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen?

Eines der wichtigsten Kriterien bei der Herstellung unserer Bücher ist die Qualität, und das soll auch so bleiben. Den Begriff Qualität wollen wir zukünftig dementsprechend erweitert denken. Das heißt: nicht mehr nur auf hochwertige und besondere Ausstattung setzen, sondern auch auf nachhaltige Produktion mit neuen Standards. Dass Qualität ihren Preis hat, wissen wir alle. Daher sind wir uns bewusst, dass das auch Auswirkungen auf die Ladenpreise haben wird.

Wo fängt Nachhaltigkeit an und wo hört sie auf? Reicht ein medienwirksamer Verzicht auf Einschweißfolie?

Ein ganz klares Nein, das geht weit über die Verpackungsstandards von Büchern hinaus. Hier sehe ich alle Branchenteilnehmer in der Verantwortung, vom Produzenten und Verlag über Logistiker bis zum Handel.

Wichtig ist es, Transparenz zu schaffen, die unsere Herstellungsprozesse für Konsumentinnen und Konsumenten nachvollziehbar macht. Wie ist das Buch, das der Kunde auf dem Tisch liegen sieht, dorthin gekommen? Worauf wurde es gedruckt? Welche Ressourcen wurden verwendet? Ist die Produktion fair und nachhaltig? Wenn nicht, warum nicht? Wo kommt das Buch an seine Nachhaltigkeitsgrenzen? Auf diese Fragen sollten wir Antworten finden, nicht nur dem Klima zuliebe.

Hier finden Sie das Programm der Publishing Services & Retail Stage.

Kommentare

1 Kommentar zu "»Eine bessere Klimabilanz muss unser aller Ziel sein«"

  1. Komplett-Media Verlag | 27. September 2019 um 13:21 | Antworten

    Toll, dass das Thema in der Branche immer mehr an Bedeutung gewinnt! Auch Komplett-Media versteht sich als Verlag, der seine Themen nicht nur verlegt, sondern auch lebt.

    Wir…

    … schweißen keine Bücher in Plastikfolie ein

    … drucken klimaneutral mit ClimatePartner und kompensieren das CO2, das beim Drucken unserer Bücher entsteht, in einem regionalen Projekt für stabile Bergmischwälder im Allgäu. Damit leisten wir unseren Beitrag zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung

    … drucken auf FSC- oder Apfelpapier und sind beständig dabei, unsere Herstellung noch grüner zu machen

    … unterstützen mit unserem Unternehmen Fridays for Future und gehen mit auf die Straße.

    Wie Frau Bürger richtig sagt: Eine bessere Klimabilanz muss unser aller Ziel sein!

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