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Weniger Hype, mehr realer Nutzen, bitte!

Blockchains sind zwar in aller Munde, aber eine noch immer wenig verstandene Technologie. In einem sehr persönlichen Beitrag im Channel Produktion und Prozesse von buchreport.de erklärt Publishing-Experte Roman Schurter, wie Blockchains – und vor allem Non-Fungible Tokens (NFTs) – auch für Verlage eine Rolle spielen könnten. Es könnte Zeit werden: Der erste Verlags-Dienstleister Bookwire startete bereits 2021 die NFT-Handelsplattform Creatokia, auf der Verlage mit der Technologie experimentieren können.

 

Non-Fungible Tokens (NFTs) sind – wie alles, was aus der Blockchain-Welt durch die Medien schwappt – ein Hype. Künstlerinnen und Künstler können mit dieser Technologie das einmalige Nutzungsrecht an ihren Inhalten verkaufen. Lässt man den Hype mal beiseite, könnten NFTs eine Revolution sein für die Publishing-Welt, in der Urheber- und Nutzungsrechte essenziell sind.

 

Hype-Thema NFTs

In letzter Zeit hört man immer wieder von NFTs – sogenannten Non-Fungible Tokens. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt verkaufen die Nutzungsrechte an ihren Inhalten und erzielen dabei Höchstsummen. Der Künstler Beeple hat beispielsweise das Recht an seinem Kunstwerk „Everydays“ für 69 Mio Dollar verkauft. Notabene sieht sein Kunstwerk aus wie der Startbildschirm meiner privaten iPhoto-Mediathek auf meinem Mac. Aber bitte: Kunst ist, was Kunst ist.

»Ich hoffe inständig, dass diese Absurdität bald crasht und wir wieder vernünftig über die Blockchain-Technologie reden können.«

Das Prinzip von NFTs entstammt der Blockchain-Welt. NFTs sind nicht austauschbare Tokens, Authentifizierungs- oder Berechtigungs-Codes. Sie können nicht repliziert oder zerstört werden. Damit unterscheiden sich NFTs von den gängigen Fungible Tokens, die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum stehen.

NFTs eignen sich also hervorragend dazu, das einmalige Nutzungsrecht an einem Bild, Text oder sonstigen Content zu dokumentieren, zu sichern und zu verkaufen. Während man in der analogen Welt ein Bild kauft und es physisch bei sich zu Hause an die Wand hängt, ermöglichen NFTs dasselbe in der digitalen Welt.

 

Bedrohungen und Chancen aus der Blockchain-Welt

Wollen Sie schnell reich werden? Dann machen Sie es wie zum Beispiel die Autorin Emily Segal und profitieren Sie schamlos vom Krypto-Hype. Bei ihr hat es mit den gängigen Vertriebskanälen nicht so recht geklappt. Einen Verlag fand sie nicht und der Selbstverlag über PDFs und Amazon E-Books kam nicht so recht zum Fliegen. Das liegt selbstverständlich nicht an ihren Manuskripten, sondern an der starren, ewig-gestrigen Publishing-Welt. Also bietet sie ihre (teilweise noch nicht geschriebenen) Inhalte jetzt über NFTs an und hat sogar ein paar Tollkühne gefunden, die ihr das Einrichten der NFTs noch per Crowdfunding bezahlt haben.

Denn das ist der Haken an dieser NFT-Welt: Das Einrichten eines NFT kostet Geld, Kryptogeld. Ethereum, um genau zu sein. Und das hat noch nicht jeder im Portemonnaie. Und es ist im Moment nicht ganz billig, Ethereum zu beschaffen.

Ich persönlich stehe diesem Krypto-Hype sehr kritisch gegenüber. Mehr noch, er ist für mich ein Reizthema. Wenn Krypto drinsteckt, dann locken große Gewinne. Und wie immer, wenn Goldgräberstimmung herrscht, ist die Dekadenz nicht weit. Da wird investiert, was das Zeug hält. Viele haben die Dollarzeichen in den glänzenden Augen und werden zu Jägern des verlorenen Schatzes.

Was mich dabei stört? Wir fahren damit unsere Umwelt an die Wand. Denn diese völlig sinnbefreite Krypto-Bubble verbraucht Energie. Viel Energie. Jede einzelne Überweisung in Kryptowährungen wie Ethereum benötigt etwa so viel Energie, wie ein Schweizer in eineinhalb Monaten verbraucht, hat die „NZZ” ausgerechnet.

Ich hoffe daher inständig, dass diese Absurdität bald crasht und wir wieder vernünftig über die Blockchain-Technologie reden können. Denn die hat es sehr wohl in sich.

Der Channel Produktion & Prozesse

Weitere Lösungen, Impulse und Erfahrungsberichte für die Verlagsproduktion lesen Sie im Channel Produktion & Prozesse von buchreport und Channel-Partner Publisher Consultants.
Hier mehr… 

 

Revolution für Rechte und Lizenzen

Die Idee hinter der Blockchain ist es, den Tausch und Handel von Assets zu vereinfachen und zu demokratisieren. Jeder kann direkt mit Währungen, Content und Lizenzen handeln, es braucht keine Mittelsmänner und -frauen mehr. Das hat eine hohe Sprengkraft für alle Dienstleistungsbereiche, die sich im Handel zwischenschalten und dabei ihren Obulus mitverdienen.

Für die Publishing-Branche hat die Blockchain-Technologie zwei Seiten:

Die schlechte Seite

Verlage könnten nun auch noch in ihrer Handelsfunktion obsolet werden. Crowdsourcing und immer geringere Herstellungskosten bringen bei Verlagen schon die Finanzierungs-Säule ins Wanken. Selfpublishing und einfach zugängliche Publikationswerkzeuge untergraben bei Verlagen die Herstellungs-Säule. Und nun könnte eben auch der Handel mit Rechten und Lizenzen, eine dritte wichtige Säule für einen Verlag – wegfallen. Künstler und Endkunden handeln in Zukunft direkt miteinander. Das ist einfacher und billiger. Da braucht es den Verlag nicht mehr.

Die gute Seite

Ein Verlag kann jetzt noch auf den Blockchain-Zug aufspringen. Denn selbstverständlich fällt der „man in the middle“ auch in der neuen Welt nicht ganz weg. Der Handel mit Krypto-Assets ist technisch anspruchsvoll und im Moment noch schlecht zugänglich. Also braucht es auch da wieder Plattformen und Portale, die den Handel vereinfachen. 

Wie wäre es nun also, wenn ein Verlag die enorm unübersichtliche und aufwändige Verwaltung von Lizenz- und Urheberrechten mit Hilfe der Blockchain komplett neu aufrollt? Die Technologie macht es möglich, jede Art von Content in jeder Form zu tauschen und auch zu schützen. Dabei gewährleistet die Blockchain jederzeit die Nachverfolgbarkeit jedes Handelsschrittes. In der Theorie wird damit Raubkopien und Plagiaten ein Riegel vorgeschoben. Bei jedem Schnipsel Content ist klar, wer Urheber ist und welchen Weg dieser Content schon hinter sich hat.

Hier sehe ich die Zukunft und den Nutzen von Blockchain-Technologien. Überwinden wir den Hype und die Umwelt-Probleme, dann beginnt der sinnvolle Einsatz dieser neuen Technologien.

Mit freundlicher Genehmigung von Publishingblog.ch.

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