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Virtuelle Räume mit 360°-Fotos erstellen: Die Praxis

Virtuell begehbare Räume und Rundgänge haben spätestens seit der Corona-Zeit Konjunktur – von Museen, die ihre Ausstellungen virtuell erlebbar machen, bis zu Geschäften, die den digitalen Ladenbesuch ermöglichen. Wie lassen sich solche Projekte umsetzen?

Roman Schurter, der sich bei Edupartner (Zürich), einem Dienstleister für Lehrmittelverlage, um digitale Angebote und Inhalte kümmert, zeigt in einer Serie im Channel Produktion & Prozesse auf buchreport.de, wie es geht. In Teil 1 ging es um die Grundlagen. Im vorliegenden Teil 2 erklärt er detaillierter, wie die Arbeit in der Produktionsumgebung Metareal” vor sich geht.

 

Im letzten Beitrag habe ich kurz erklärt, wie man mit aktueller Software und relativ günstiger Hardware zu einem virtuell begehbaren Raum kommt. Solche virtuellen Rundgänge können fürs Marketing, für die Ausbildung oder natürlich für die Immobilienbranche wichtig sein.

Heute zeige ich, wie ich den virtuellen Rundgang durch das eduLAB in Basel mit der Software „Metareal” erstellt habe. Basis dafür waren Fotos aus einer InstaOne X-Kamera, die ich auf einen Monopod gestellt hatte.

 

Schritt 1: Referenz-Szene bearbeiten

Nachdem ich meine Fotos von der Kamera genommen habe, hübsche ich sie in Lightroom etwas auf. Dann lade ich die Fotos auf das Portal von Metareal hoch. Ich erstelle einen ersten Raum und ordne diesem die entsprechenden Fotos zu.

Im ersten Schritt muss ich mich für ein Referenzfoto entscheiden. Mit dem Referenzfoto erstellt man die grundlegende Geometrie des Raumes, weshalb es mehrere Kriterien erfüllen sollte:

  • Das Foto sollte in der Mitte des Raumes aufgenommen sein, damit die Geometrie möglichst unverzerrt ist.
  • Auf dem Foto sollte eine längere horizontale Strecke des Bodens sichtbar sein.
  • Optimalerweise sieht man alle relevanten Ecken, an denen sich der Grundriss des Raumes festmachen lässt.

Zunächst markiere ich im Foto die Bodenebene, indem ich mit einem Pfadwerkzeug eine möglichst lange horizontale Strecke einer Bodenleiste nachfahre. Danach mache ich dasselbe in der Vertikalen, indem ich mehrere senkrechte Kanten von Wänden, Fenstern, Türen oder auch Möbeln markiere. Diese Informationen helfen der Software, das Panorama-Bild richtig zu entzerren.

Danach baue ich die Geometrie des Raumes. Das ist ganz einfach, denn Metareal bietet ein Werkzeug, mit dem man eine Raumecke nach der anderen anklickt und so den Grundriss aufspannt. Ein intelligenter Snap-Mechanismus hilft dabei, von Beginn an die rechten Winkel optimal zu treffen. Auch die Deckenhöhe lässt sich durch Verschieben der weißen Hilfslinie schnell einstellen.

Ein gutes Referenzfoto legt die Basis für den virtuellen Raum.

 

Schritt 2: Weitere Fotos hinzufügen

Ist das Referenzbild erfasst, füge ich alle anderen Bilder des Raumes zum Modell hinzu. Letztlich zeigen alle Bilder denselben Inhalt, allerdings von verschiedenen Standorten aus.

Auch hier hilft die Software mit entsprechenden Werkzeugen. Ich wechsle wieder in die Von-Oben-Herab-Perspektive und kann nun mein Foto solange bewegen, drehen und skalieren, bis es möglichst gut auf den Raumgrundriss passt. So passe ich jedes Foto in die Raumgeometrie ein.

Alle Fotos müssen möglichst gut auf den Grundriss des Referenz-Fotos eingepasst werden.

 

Schritt 3: Räume verbinden

Schritt 1 und 2 führe ich für jeden einzelnen Raum der Wohnung oder des Gebäudes durch. Die Räume können dabei übrigens auch über mehrere Stockwerke gehen.

Damit aus den einzelnen Räumen eine ganze Wohnung wird, müssen die Räume verknüpft werden. Das geschieht durch das Markieren von Durchgängen und Türen. Diese können in jedem Raum als 3D-Objekt eingepasst und benannt werden.

Im angrenzenden Raum lässt sich eine bestehende Tür dann einfügen und verankern. So bekommt die Software automatisch die Information, wie die einzelnen Räume zueinander angeordnet sind.

Metareal stellt den Grundriss der Räume automatisch zusammen.

 

Schritt 4: Feinarbeiten

Hat man einen ersten Grundriss, merkt man schnell, wo die Geometrie noch nicht ganz stimmt. Dann muss man in den einzelnen Räumen korrigieren. Das ist eine etwas fisselige Feinarbeit, denn man kann schon mit wenigen Eingriffen die Raumgeometrie völlig aus dem Lot bringen.

Für die visuelle Aufbereitung des virtuellen Raumes hilft es auch, wenn größere Möbel, Fenster und Nischen als 3D-Objekte erfasst werden. Dazu gibt es Werkzeuge, mit denen man die grundlegenden Formen erzeugen, anpassen und im Raum positionieren kann.

 

Schritt 5: Publizieren

Hat man alles beisammen und stimmt der Grundriss, kann man den virtuellen Raum publizieren. Das Rendering und das Hosting geschieht dabei auf der Plattform selbst – und da kommen dann auch die Kosten: Ab einer bestimmten Menge an Publikationen wird Metareal kostenpflichtig. Das ist ein faires Modell, denn so werden die regelmäßigen User zur Kasse gebeten, während einzelne Ausprobier-Projekte kostenlos bleiben.

Bei der Publikation kann man den virtuellen Raum über verschiedene Parameter gestalten und auch Hotspots einfügen. Das können simple Markierungen oder 3D-Objekte sein, die sich im Raum befinden und auf die man beim Rundgang klicken kann, um weitere Informationen oder Links zu erhalten.

 

Fazit

Das Erstellen eines virtuellen Raums ist mit Metareal keine Hexerei und macht Spaß. Dabei wird das räumliche Sehen und Verstehen herausgefordert.

Dieser Beitrag ist zuerst bei Publishingblog.ch erschienen.

Der Channel Produktion & Prozesse

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