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Virtuelle Räume mit 360°-Fotos erstellen: Die Grundlagen

Virtuell begehbare Räume und Rundgänge haben spätestens seit der Corona-Zeit Konjunktur – von Museen, die ihre Ausstellungen virtuell erlebbar machen, bis zu Geschäften, die den digitalen Ladenbesuch ermöglichen. Wie lassen sich solche Projekte umsetzen?

Roman Schurter, der sich bei Edupartner (Zürich), einem Dienstleister für Lehrmittelverlage, um digitale Angebote und Inhalte kümmert, zeigt in einer zweiteiligen Serie im Channel Produktion & Prozesse auf buchreport.de, wie es geht. Im vorliegenden Teil 1 geht es um die Grundlagen. In Teil 2 erklärt er dann detaillierter, wie die Arbeit in der Produktionsumgebung Metareal vor sich geht.

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Nerd-Beitrag. Wobei – heute ist das Thema gar nicht so nerdig, denn virtuelle Touren und Rundgänge durch Gebäude werden seit der Corona-Zeit zunehmend umgesetzt: Museen beispielsweise können ihre Ausstellung so auch remote zur Verfügung stellen. Auf Google Maps erhöht ein virtueller Rundgang durchs Innere einer Firma seit jeher den Aufmerksamkeitsfaktor. Und im Bildungsbereich lassen sich virtuelle Touren mit Augmented Reality und Hotspots zu kleinen Lehrgängen anreichern.

 

3 einfache Schritte

Ich selbst wollte das schon lange mal ausprobieren, aber irgendwie fehlte mir die Zeit, denn ich stellte mir die Sache sehr kompliziert vor. Letztlich gibt es aber heute schon gute Tools, mit denen sich der ganze Prozess zur Erstellung einer virtuellen Tour in drei einfachen Schritten ausführen lässt:

  1. 360°-Fotos erstellen
  2. Bilder zusammenfügen
  3. Virtuelle Tour publizieren.

 

Die Ausrüstung

Einmal vorneweg: Ganz ohne Spezialausrüstung geht es leider nicht. Es braucht eine Kamera, mit der man echte 360°-Panoramen anfertigen kann.

Die normale Panorama-Funktion eines Smartphones genügt da leider nicht. Das Problem ist die Geometrie: Wenn ich mit dem iPhone ein Panorama aufnehme, dann drehe ich mich um meine eigene Achse, und das führt zu großen Verzerrungen im Bild. Zudem kann ich meist nur einen 180°-Schwenk machen.

  • Die optimale Lösung ist wohl eine kleine 360-Kamera wie die Insta360 One R, die Ricoh Theta oder die GoPro Max.
  • Oder Sie besorgen sich einen Schwenkkopf für Ihr Smartphone, wie zum Beispiel den PivoPod. Wichtig ist, dass der Schwenkkopf motorisiert ist und die Drehung aus eigenem Antrieb ausführen kann (dazu gleich mehr).

Dann brauchen Sie noch ein geeignetes Stativ. „Geeignet“ heißt in diesem Fall am besten einen Monopod mit nur einem Bein und möglichst geringer Grundfläche. Da Sie ein 360°-Foto aufnehmen, würde man ein breitbeiniges Stativ in jedem Bild sehen, und Sie müssten es manuell rausretuschieren.

 

360°-Bilder erstellen

Nun geht’s also los: Ich stelle meinen Monopod auf und schraube die schlanke Kamera drauf. Optimal befindet sich die Linse auf ca. 150 cm Höhe – das entspricht ungefähr der Augenhöhe. Im Raum sollte es hell sein. Optimalerweise schaltet man auch sämtliche Lampen und Leuchten ein, das erfüllt den Raum mit Leben.

Apropos Leben: Personen sind bei solchen Aufnahmen eher hinderlich. Wenn Personen im Raum sind, dann müssen sie über alle Aufnahmen hinweg in absoluter Schockstarre verharren.

Auch ich als Fotograf darf nicht im Bild sein, muss mich also hinter einem Korpus oder einer Wand verstecken. Und damit ist klar: Die Kamera muss über ein Funksignal remote auslösbar sein. Sitzt die Kamera auf einem Drehteller, muss sich dieser per Funk drehen lassen.

Im Raum erstelle ich so mehrere Aufnahmen. Den Monopod verschiebe ich zwischen den Aufnahmen um rund zwei Meter – je nach Größe des Raums. So geht’s durch alle Räume hindurch. Möglichst zügig, damit sich die Lichtverhältnisse nicht allzu stark ändern.

So sehen die 360°-Bilder aus der Kamera aus. Optional kann man sie in Photoshop oder Lightroom noch etwas nachbearbeiten (Foto: Roman Schurter, Publishingblog.ch).

 

Bilder zusammenfügen

Sind die Bilder im Kasten, kommt der schwierigere Teil: aus den Einzelbildern ein möglichst kohärentes geometrisches Gebilde erstellen.

Von Hand wäre das eine ziemliche Herausforderung. Zum Glück gibt es aber diverse Werkzeuge, die einem diese Arbeit abnehmen. Ich kann diese drei Tools empfehlen:

  • Cupix: macht mehr oder weniger alles automatisch
  • Metareal: einfach zu bedienen, sehr mächtig
  • Theasys: keine 3D-Darstellung, aber für einfache Touren genial.

Hat man sich für ein Tool entschieden, lädt man die Fotos hoch und weist sie einzelnen Räumen zu. Dann verbindet man die Einzelfotos über Anschlusspunkte zu einer Tour. Bei Cupix und Metareal wird im Hintergrund gar ein 3D-Modell der Räumlichkeiten angefertigt, während Theasys einfache Klick-Rundgänge erstellt.

Das 3D-Modell des eduLABs sieht aus wie ein Puppenhaus (Foto: Roman Schurter, Publishingblog.ch).

Die Werkzeuge übernehmen das komplexe Entzerren der Fotos und richten sie perspektivisch korrekt aus. Hat man die Tour fertiggestellt, kann man in allen Tools einzelne Hotspots hinzufügen, über die sich Links, Text- oder Bildinformationen einblenden lassen. Klickt man in der virtuellen Tour auf einen Gegenstand, können so zusätzliche Informationen abgerufen werden.

 

Virtuelle Tour publizieren

Aus allen drei Tools lässt sich die fertige Tour publizieren. Man erhält einen Link oder einen Einbettungscode, mit dem man die virtuelle Tour aufrufen und in den Raum eintauchen kann.

Eine einfache und marketingwirksame Einbindung von virtuellen Touren bietet Google Maps. So kann eine Firma an der aufgerufenen Adresse einen Blick in die Innenräume gewähren.

Hier das Beispiel einer Tour, die ich für die Creative Kids gemacht habe: Hereinspaziert in die Innovationswerkstatt eduLAB Basel!

Dieser Beitrag ist zuerst bei Publishingblog.ch erschienen.

Der Channel Produktion & Prozesse

Weitere Lösungen, Impulse und Erfahrungsberichte für die Verlagsproduktion lesen Sie im Channel Produktion & Prozesse von buchreport und Channel-Partner Publisher Consultants.
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