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Nachhaltigkeit organisieren und managen

Am Thema Nachhaltigkeit kommt kein Verlag mehr vorbei. Mehr noch: Dieses Jahrzehnt ist entscheidend, um Unternehmen zukunftssicher und resilient zu machen. Nachhaltigkeit muss zügig und verbindlich ein Kernwert jeder Organisation werden und leitend für das Prozessverständnis, für die Prozessgestaltung sowie das unternehmerische Denken und Handeln. 

Publisher Consultants Olaf Deconinck, Anja Paquin (Fotos: Publisher Consultants)

Angesichts von Klimakatastrophe, geopolitischen Fragen und herausfordernder Rohstoff- und Energieversorgung gilt es, die Zukunftsfähigkeit des Verlags zu sichern. Weil diese, neben wirtschaftlichen und regulatorischen Aspekten, maßgeblich auch von ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen beeinflusst wird, liegt großes Potenzial in Corporate Social Responsibility (CSR).

Diese ganzheitliche Perspektive ist zweifellos komplex, deshalb ist es unumgänglich, überlegt, schrittweise und strategisch vorzugehen. Wie der Einstieg gelingt und welche Unterstützung der Deutsche Nachhaltigkeitskodex dabei leistet, haben Teil 1 und Teil 2 dieser Serie bereits beschrieben. Ferner stellt sich für viele Verlage die Frage, welche konkreten Auswirkungen CSR auf organisatorisches Handeln und eine entsprechende Prozessgestaltung hat. Damit beschäftigen sich Anja Paquin und Olaf Deconinck (Publisher Consultants) im hier vorliegenden 3. Teil der Beitragsserie.

 

Kreislauf statt Förderband

Einen hochinteressanten Ansatz liefert die Nachhaltigkeitsexpertin Maja Göpel¹ mit einem Vergleich von Prozessen in der Natur und solchen, die der Mensch gestaltet. „Erstere kennzeichnen sich durch eine hohe Diversität und Kreislauforientierung. […] Greift der Mensch in so ein gewachsenes System ein, wird aus dem Kreislauf ein Förderband, das nur noch in eine Richtung läuft.“ Natürliche Systeme seien resilient und auf Energieeffizienz ausgerichtet, weshalb auch nichts verschwendet werde, erklärt die Transformationsforscherin Göpel. Moderne menschliche Systeme dagegen versuchten einzelne Prozesse – siehe Förderband – ökonomisch effizient zu gestalten. „Was vorne weniger kostet, ist hinten netto positiv. Dadurch reduzieren menschliche Systeme Vielfalt, und das Gesamtgefüge wird homogen, was es fragil und fehleranfällig macht.“

Folgt man dieser schlüssigen Perspektive, gilt es konkret zu klären, wie sich Prozesse in Medienunternehmen in mehrfacher Hinsicht nachhaltig gestalten lassen – also ökologisch, sozial und gleichzeitig langfristig im ökonomischen Sinn – und damit nicht mehr im Sinne eines Förderbands.

Ein Ansatz, der versucht, natürliche Kreisläufe auf die heutige Wirtschaft zu übertragen, ist der Cradle-to-cradle-Ansatz, d.h. die Kreislaufwirtschaft. Dahinter steht die Idee, die Intelligenz der Natur zu adaptieren und Klima- und Ressourcenschutz mit innovativen Lösungen für ökologische, ökonomische und soziale Probleme zusammenzubringen. Wichtig ist dabei, diese Aspekte nicht einzeln, sondern im Zusammenhang zu betrachten und als systemischen Ansatz zu verstehen – denn alles hängt mit allem zusammen. Das bedeutet auch, dass wir unser Handeln konsequent in biologische Kreisläufe (Biosphäre) integrieren und technologische Kreisläufe (Technosphäre) schaffen, die einen Mehrwert hervorbringen, in dem alle ökologischen, aber auch die ökonomischen und sozialen Aspekte berücksichtigt sind.

Die Haltung dahinter: Statt weniger vom Falschen zu tun, tun wir nur noch das Richtige.

Biologischer Kreislauf (Grafik: Publisher Consultants)

 

Die übergeordnete Perspektive: das Nachhaltigkeitsmanagement

Diese neue Denkweise im Sinne eines solchen Prozessansatzes ist absolut lohnend. Und doch wäre es zu kurz gesprungen, ausschließlich „kurzen Prozess“ zu machen und die Aufmerksamkeit nur der Prozessgestaltung zu widmen. Vielmehr ist eine übergeordnete Perspektive erforderlich: das Nachhaltigkeitsmanagement.

Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne des aktuellen Nachhaltigkeitsbegriffes, der Ökonomie, Ökologie und Soziales gleichberechtigt beinhaltet, sollte idealerweise als Kreislauf geregelt sein, und überdies transparent und für alle nachvollziehbar.

Dreiklang unternehmerischer Nachhaltigkeit (Grafik: Publisher Consultants)

 

Eine so verstandene Nachhaltigkeit beschreibt im ersten Schritt eine Haltung und wirft eine neue Perspektive auf das unternehmerische Denken und Handeln und schließt damit auch alle Verlagsprozesse ein. Denn was bedeutet es, wenn wir unsere Prozesse aus einer nachhaltigen Perspektive – Ökologie, Ökonomie und Soziales – heraus gestalten und dabei auch den Planeten als relevanten Stakeholder betrachten?

 

Messbarer Nutzen nachhaltiger Prozesse

Egal wie Prozesse betrachtet und gestaltet werden, sie wollen alle gemanagt sein. Dabei sollen insbesondere nachhaltige Prozesse einen messbaren Nutzen bringen, d.h. einen Beitrag zur Erreichung von Klimaschutzzielen leisten genauso wie zu den Unternehmenszielen, und von den Beteiligten nach definierten Regeln durchgeführt werden. Management bedeutet ja, die Dinge richtig zu tun. Die andere Ebene (Leadership) ist, die richtigen Dinge zu tun – Nachhaltigkeit kann im letzteren Fall nie falsch sein, die Frage ist nur: Wie tue ich es richtig?

Richtig tun heißt im ersten Schritt, ein Prozessverständnis zu gewinnen, das systemisch wirkt. Das weggeht vom monetär optimierten Handeln einzelner Prozessschritte und hin zu ganzheitlichen Prozessen, die ihre Wirksamkeit (den Impact) auf das ganze System und die Umwelt mit sich tragen. Prozessen, die den Begriff „Wert“ nicht nur in Geld messen lassen, sondern den (negativen) Einfluss auf die Umwelt mitrechnen und in der Konsequenz nachhaltig und ressourcenschonend und damit auch resilient sind. Cradle-to-cradle ist, wie schon beschrieben, ein Ansatz für die Umsetzung.

Diese Perspektive auf alle unternehmerischen Prozesse gedacht, zeigt die Dimension und berührt damit ganz grundsätzlich das unternehmerische Selbstverständnis und dadurch das unternehmerische Handeln.

  • Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in unseren Unternehmenszielen?
  • In welchen Prozessen definieren wir Unternehmensziele?
  • Und welche Produkte haben wir dann?
  • Wie kommen wir „von der Idee bis zum Produkt“?
  • Und was wäre, wenn uns die Natur für das, was wir tun, eine Rechnung schreiben würde?

Noch konkreter gefragt: Was bedeutet es, wenn zum Beispiel die Einkaufs-, Herstell- oder Redaktionsprozesse mit einem nachhaltigen und systemischen Verständnis betrachtet und (neu) definiert werden und der Fokus auf ihrer Wirkung in Bezug auf ganzheitliche Nachhaltigkeit liegt? Was bleibt, was ändert sich?
 

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Eine Aufforderung, neu zu denken

Das Thema ist vielschichtig und erfordert eine wohlüberlegte Herangehensweise. Es gilt, einen neuen Standpunkt einzunehmen, zu reflektieren und folgende Fragen zu klären:

  • Was ist Nachhaltigkeit?
  • Was ist unser Ziel?
  • Was ist unser Weg?
  • Was ist unser Wachstum?

 

Grafik: Publisher Consultants

Zusammengefasst: Es geht nicht „nur“ um klar zu beschreibende Prozesse als Abfolge definierter Handlungen und messbarer Ziele. Es geht auch und gerade um das Mindset, auch den Blick auf das Verständnis von Nachhaltigkeit und Wachstum, um Vision, Mission, Strategie und die Dauerhaftigkeit im nachhaltigen Handeln.

 

Nachhaltigkeit ist selbst ein Prozess

Die Notwendigkeit zur Nachhaltigkeit verschwindet nicht mehr – genauso wenig wie die Klimakatastrophe. Antworten auf die oben genannten Fragen müssen also immer wieder im strategischen, operativen, aber auch im kulturellen Verständnis der Organisation neu überdacht und gefunden werden. Nachhaltigkeit muss ein Kernwert der Organisation werden und leitend für das Prozessverständnis, für die Prozessgestaltung und für das oft genannte und viel interpretierte unternehmerische Denken und Handeln. Das Aushandeln und Umsetzen der Nachhaltigkeit ist also selbst ein Prozess im Unternehmen.

Daraus leitet sich ab, dass es zwei grundsätzliche Prozess-Stränge gibt:

  • Der eine ist wissens- und handlungsbasiert, wird durch SMARTe Ziele beschrieben und hat ein messbares (betriebswirtschaftliches) Ergebnis sowie auch einen messbaren CO2-Fußabdruck, der einkalkuliert ist in jede Bewertung und Kennzahl.
  • Der andere Prozess-Strang zielt auf die kulturelle Ebene der Organisation und muss mindestens genauso als Prozess gedacht und begleitet werden.

 

Grafik: Publisher Consultants

 

Von der Effizienz zur Wirksamkeit

Mit diesem Verständnis, Prozesse zu gestalten, definiert man auf der messbaren Seite die „Effizienz“ anders oder deutet sie ganz um. War Effizienz bisher auf rein wirtschaftliche oder zeitliche Aspekte bezogen (man spricht gerne von „schlanken“ Prozessen), ist nun genauso die Wirksamkeit in Bezug auf nachhaltige Aspekte gemeint. Es geht um Ganzheitlichkeit und „Total Cost of Sustainability“.

Fassen wir die Vorüberlegungen zusammen, inspiriert von Maja Göpel und Veröffentlichungen des Zukunftsinstituts, lassen sich verschiedene Handlungs- und Haltungsoptionen ableiten:

  • vom Ich zum Wir
  • von Zielen zu Visionen
  • von der Effizienz zur Resilienz
  • vom Ergebnis zur Wirkung
  • von der Planung zum Prozess
  • vom Förderband zum Kreislauf
  • vom Einzelteil zum System
  • vom Extrahieren zum Regenerieren
  • vom Wettkampf zur Zusammenarbeit
  • von Unwucht zur Balance
  • vom Geld zum Wert.

 

Es ist an uns – dringend!

Das zeigt: Veränderung ist angesagt! Es ist an uns, nachhaltig(er) zu werden, dies in Prozessen zu gestalten und diese zu managen. Damit sich die Erde auch noch für unsere Kindeskinder dreht, müssen wir jetzt handeln – dringend und zwingend – und „kurzen Prozess“ machen mit allem, was unsere Umwelt und damit auch jede Organisation und jeden Verlag nicht in die Zukunft trägt.

 

¹ Maja Göpel: Unsere Welt neu denken.

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