Pisa 2018: Beim Leseverständnis leicht über dem Durchschnitt

Die deutschen Schülerinnen und Schüler haben beim Leseverständnis und der Mathematik leicht besser abgeschnitten als der OECD-Durchschnitt. Insgesamt bleibt der Abstand zu den Spitzenreitern in Asien und Europa aber groß. Das ist das Ergebnis der PISA Studie 2018, die jetzt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgelegt wurde. In der Untersuchung, mit der alle drei Jahre die Leistungen der Schülerinnen und Schüler zum Ende ihrer Pflichtschulzeit erfasst werden, wurde schwerpunktmäßig die Lesekompetenz ausgeleuchtet. Als zentrale Ergebnisse stellt die Studie in Sachen Lesen heraus:

  • Deutschland schneidet schlechter ab als Estland, Finnland, Hongkong (China), Irland, Kanada, Korea, Macau (China), Neuseeland, Peking-Shanghai-Jiangsu-Zhejiang (China), Polen und Singapur.
  • Die durchschnittlichen Leseleistungen sind in Deutschland nach den in der ersten Zeit – bis 2012 – erzielten Verbesserungen 2018 wieder in etwa auf das Niveau von 2009 zurückgegangen.
  • Erfreulich ist, dass es in Deutschland rund 10% der sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler gelingt, beim Leseverständnis innerhalb Deutschlands zu den besten 25% zu gehören.
  • Insgesamt schnitten Mädchen in Deutschland beim Leseverständnis deutlich besser ab als Jungen, aber der Unterschied war kleiner als im OECD-Durchschnitt.

 Börsenverein fordert bundesweite Strategie zur Leseförderung

Weil deutsche Schülerinnen und Schüler weiterhin Defizite bei den Lese- und Schreibkompetenzen aufweisen, fordert Börsenverein erneut eine bundesweite Strategie zur Leseförderung.

„Zum zweiten Mal haben wir es Schwarz auf Weiß – in Sachen Lesekompetenz gibt es in Deutschland immensen Nachholbedarf. Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie zeigen: Es steht höchst kritisch um die Lesekompetenz von Schülern in Deutschland. Gleichzeitig bestätigen die Resultate die dramatischen Ergebnisse der IGLU-Studie 2016, die zeigen, dass viele Kinder bereits in der Grundschule große Defizite im Textverständnis aufweisen. Ein Fünftel kann nicht sinnentnehmend lesen. Dies setzt sich PISA zufolge in späteren Jahren ihres Bildungswegs eins zu eins fort. Die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern sind gravierend“, so Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Verbands, zu den Resultaten der Erhebung. Und weiter: „Eine einheitliche bundesweite Strategie zur Leseförderung in Deutschland ist daher unabdingbar. Es ist höchste Zeit für einen Lesepakt, bei dem Politik, Bildungsinstitutionen sowie breite Teile der Zivilgesellschaft Hand in Hand arbeiten – eine Aufgabe, die wir maßgeblich mitgestalten wollen.“

Der Verband hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Autorin Kirsten Boie und dem PEN-Zentrum Deutschland im Rahmen der „Hamburger Erklärung“ von der Politik ein entschiedenes Handeln in der Leseförderung gefordert. Laut Börsenverein haben bis jetzt 119.000 Unterstützer die Petition unterzeichnet. Die Forderung basiert auf den Ergebnissen der IGLU-Studie 2016, die feststellte, dass knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht so lesen kann, dass der Text dabei auch verstanden wird. Im Dezember 2018 hatten die Partner die Petition an die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek sowie den damaligen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz Hartmut Holter übergeben.

Skipis zieht eine ernüchternde Bilanz: „Seit der Übergabe der Hamburger Erklärung an die Vertreter der Politik ist nichts passiert. Wir können das Nichtstun von Seiten der Politik nicht hinnehmen: Mangelnde Lesekompetenz schmälert nicht nur die Chancen jedes einzelnen Schülers auf einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg und fördert soziale Ungleichheit, sie vermindert auch die Möglichkeit, an gesellschaftlichen Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozessen teilzuhaben.“

Kommentare

1 Kommentar zu "Pisa 2018: Beim Leseverständnis leicht über dem Durchschnitt"

  1. Siegfried Marquardt | 3. Dezember 2019 um 19:18 | Antworten

    PISA-Test 2018 – Finnland liegt wieder ganz weit vorn!
    Neben China (555 Punkt), Estland (523 Punkte) und Kanada (523 Punkte) liegt Finnland (523 Punkt) beim PISA-Vergleich 2018 der OECD von 600.000 Neuntklässler aus fast 80 Ländern traditionell wieder weit vorn in der Lese- und Rechtschreibkompetenz, in Mathe und in den Naturwissenschaftlichen Fächern! Die deutschen 14- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen liegen leicht über dem Durchschnitt in den drei Kategorien Lese-Rechtschreib-Kompetenz (498 Punkte- Mittelwert 493), Mathe (500 Punkte – Mittelwert 489 Punkte) und Naturwissenschaften (503 Punkte- Mittelwert 489) – sie haben sich aber im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren von der kognitiven Leistungsfähigkeit her insgesamt vergleichsweise leicht verschlechtert (die Differenz beträgt immerhin 11 bzw. 14 Punkte). Bemerkenswert und gleichzeitig sehr traurig ist die Tatsache, dass ca. 20 Prozent der Neuntklässler nicht korrekt Lesen (und wohl auch nicht Schreiben) können. Dies hat eindeutig etwas mit dem Deutschen Bildungssystem (in den Grundschulen) zu tun (methodisch-didaktische Defizite, Schreiben nach dem Gehör, synthetische Methode des Lesen-Lernens, Übungsdefizite,…) und kann nicht mit dem funktionellen Analphabetismus erklärt werden, wie die Bildungsministerin Karliczek am 03.12.2019 in den Nachrichten von welt.de sinngemäß erklärte, weil die Quote hier bei ungefähr 7,5 Prozent liegt (Rest 12,5 Prozent)! Das Bildungsniveau einzelner Schüler hängt eindeutig mit sozioökonomischen Faktoren zusammen – hier liegen die Differenzen bei bis zu 113 Punkten (starke sozioökonomische Bedingungen vs. schwache sozioökonomische Verhältnisse). Und dies ist einfach erschreckend und hängt absolut nicht mit der Intelligenz der Jugendlichen zusammen, sondern mit den Angeboten und positiven Anreizen im Elternhaus! (Angebote an Büchern, Lernmaterial, Computer,…). Nach wie vor bildet das Fach Mathematik einen Problemschwerpunkt. Es ist absolut unverständlich, dass die Deutschen Politiker nichts aus empirischen Erfahrungen und aus der Vergangenheit lernten: Finnland liegt in Serie beim OCED-Pisa-Verbleich seit Jahren ganz weit vorne. Und Finnland hat sich das Bildungssystem der DDR zu Eigen gemacht. Übrigens: Ende der Siebziger/ Anfang der Achtziger Jahre wurde durch ein internationales Team von Psychologen Kinder und Jugendliche u.a. auch aus der Bundesrepublik und der DDR einer Untersuchung zur Intelligenzentwicklung unterzogen (Anwendung des Leistungsprüfsystem von Horn, Progressive Matrizen,) . Dabei zeigte sich, dass die Kinder und Jugendlichen der DDR 10-IQ- Punkte besser abschnitten. Dies hing natürlich nicht mit einer besseren Entwicklung der Intelligenz zusammen, sondern mit dem Polytechnischen Bildungssystem der DDR! (das übrigens ursprünglich aus der Schweiz bzw. aus Frankreich stammte).
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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