buchreport

Neue Konzepte statt neuer Flächen

Die Zeit der atemberaubenden Expansion der Buchfilialisten ist vorbei. Dies zeigt die aktuelle Erhebung der buchreport-Redaktion zur 9. Auflage des „Filialatlas“:

  • Nachdem die Gesamtzahl der Buchhandelsfilialen in den letzten Jahren in steter Steigerung auf die 1000er-Marke zusteuerte, ist die Zahl der Verkaufsstellen (945) jetzt erstmals rückläufig (–3%).
  • Große Einschnitte gibt es vor allem im Schmalspurbuchhandel der DBH-Gruppe, die einige Weltbild- und Wohlthat-Filialen geschlossen und überdies – bereits vor der aktuellen Karstadt-Krise – eine Reihe von Shop-in-Shops bei Karstadt zurückgegeben hat.
  • Aber auch einige Vollbuchhandlungen aus dem Filialisten-Portfolio wurden geschlossen, so dass deren Gesamtverkaufsfläche im neuen Filialatlas nur noch um 1,2% zugelegt hat (Vorjahr: +13%).
  • Die Liste der Ankündigung neuer Filialen ist mit acht Standorten und einer Gesamtfläche von ca. 9000 qm deutlich niedriger als in den Vorjahren und wird im Wesentlichen vom Marktführer Thalia bestückt.

Interessante Standort-Optionen entstehen fast nur noch durch die Eröffnung neuer Einkaufszentren, deren Betreiber zuerst auf Filialisten setzen, wegen der höheren Mietsicherheit und auch aus der geübten Praxis der übrigen Branchen, die bereits einen deutlich höheren Filialisierungsgrad haben.

Bedeckt halten sich die Buchfilialisten hinsichtlich weiterer möglicher Rückbauten. Hier sind die Möglichkeiten, die schwächsten Filialen wieder zu schließen, abhängig von den Mietverträgen, die in der Regel für mindestens fünf Jahre abgeschlossen wurden. Ein Großteil der Filialen ist jüngeren Alters.

Veränderungsoptionen: Personal und Sortiment

Die anderen Ansatzpunkte, die mit zum Teil hohem Tempo geschmiedeten Filialketten weiter zu optimieren:

  • Die Personalkosten werden gesenkt: Die DBH hat in diesem Jahr bereits offensiv den Personalabbau vorangetrieben, während andere Ketten bisher harte Schnitte vermeiden konnten, solange das Filialnetz insgesamt noch wuchs.
  • Das Sortiment wird umgebaut: Um auf den großen Flächen die Quadratmeterleistung zu verbessern, werden die Konzepte Richtung Medienhandel entwickelt, wobei neben DVDs die Nintendo-Spiele- und Lernen-Palette die neuen Akzente setzen; ausgebaut werden aber auch klassische Nonbooks, die vor allem Geschenk suchende Kunden ansprechen sollen.
  • Aktuell wird die Verknüpfung von Buchfilialen zum jeweiligen Online-Angebot der Ketten forciert („Multi Channel“); Optionen sind kürzlich von  DBH und Thalia in neu eingerichteten Läden vorgestellt worden.

Hintergrund sind nicht nur die im Gegensatz zum stationären Handel weiter wachsenden Umsätze der Online-Shops, sondern auch die E-Book-Entwicklung. Es ist der Versuch, an diesem noch weitgehend unkonturierten Markt zu partizipieren.

Standortbestimmung für den Standortbuchhandel

Für den verbliebenen Standortbuchhandel, der in den letzten Jahren von der Expansionswelle der Filialisten in Atem gehalten wurde, bietet die schöpferische Pause der Filialisten ebenfalls Gelegenheit zur Standortbestimmung oder wie es buchreport.de-Bloggerin Susanne Martin, Schiller Buchhandlung (Stuttgart), in einem aktuellen Beitrag formuliert: „Das wird letztlich das Einzige sein, was wir ,Kleinen‘ tun können: Unser Konzept immer wieder zu prüfen, zu hinterfragen und anzupassen!“

Aus buchreport.express 44/2009

Der neue Filialatlas erscheint im aktuellen buchreport.magazin 11/2009 am kommenden Freitag

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Neue Konzepte statt neuer Flächen"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Dossier

Aktuelles aus dem Handel

  • Daniela Koch empfiehlt »Die Erfindung des Ungehorsams«  …mehr
  • Peter Peterknecht: Profilieren in der Pandemie  …mehr
  • Minijobber haben keinen Lohnanspruch bei Corona-Lockdown  …mehr
  • Schweizer Filialist Orell Füssli expandiert  …mehr

  • SPIEGEL-Bestseller im Blick

    Der SPIEGEL-Bestseller-Newsletter gibt Ihnen jede Woche kostenlos einen Überblick zu den Aufsteigern der neuen SPIEGEL-Bestsellerlisten.

    » Melden Sie sich hier kostenlos an.

    Wollen Sie sich darüber hinaus schon vorab und detailliert über die Toptitel von morgen informieren, um frühzeitig disponieren zu können?

    » Bestellen Sie das SPIEGEL Bestseller-Barometer ab 8 Euro pro Monat.

    Wenn Sie die SPIEGEL-Bestesellerlisten z.B. in Ihren Geschäftsräumen präsentieren wollen oder online in Ihren Web-Auftritt integrieren möchten, hat buchreport weitere Angebote für Sie.

    » Weitere Angebote zu den SPIEGEL-Bestsellerlisten