Martina Bergmann über »Mein Leben mit Martha«

In den aktuellen Frühjahrsprogrammen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autoren. buchreport stellt 13 dieser Nachwuchsschriftstellerinnen und -schriftsteller in Steckbriefen vor. Heute: die Buchhändlerin Martina Bergmann, die im Februar bei Eisele ihren ersten Roman „Mein Leben mit Martha“ veröffentlicht hat.

Martina Bergmann, geboren 1979 in Ostwestfalen, ist ausgebildete Verlagsbuchhändlerin und studierte Geisteswissenschaften. Mit 30 bekam sie Heimweh und zog nach Borgholzhausen, wo sie eine Buchhandlung sowie den Bergmann Verlag betreibt. „Mein Leben mit Martha“ ist ihr erster Roman. (Foto: Sünderhuse Photographie)

Mein Roman in drei Sätzen

Zwei alte Menschen und eine junge Person leben zusammen. Der alte Mann stirbt, die alte und die junge Frau bleiben übrig und denken sich nichts dabei. Es ist aber nicht so einfach, wie sie beide meinen, denn die alte Frau ist dement.

Mein Weg zu Eisele

Julia Eisele und ich haben uns auf Facebook geschrieben. Da ging es aber eher um Verlage, um die Erfahrungen mit einer Verlagsgründung. Ich sagte eines Tages, na ja, den Bergmann Verlag hat mir Heinrich zum 35. Geburtstag geschenkt, und sie fragte: Wer ist Heinrich? Das war schnell erzählt: ein hinreißender Mensch, eine große Liebe, die 48 Jahre älter war als ich und der mir Martha hinterlassen hat. Martha, das habe ich auch zu Heinrich manchmal gesagt, ist der Roman, den ich eines Tages schreiben werde.

Das Verdienst meiner Lektorin

Sie hat es riskiert. Ich bin ja keine komplette Debütantin, aber ich habe vorher nur Gebrauchstexte geschrieben – Essays, kritische Kommentare, manchmal die Bildlegenden zu einem Buch im Bergmann Verlag oder das Nachwort. Ich hatte ein funktionales Verständnis meiner Autorschaft. Sie hat mich geschubst, hat gesagt, jetzt mach doch mal. Und dann habe ich das getan, und es hat so viel Spaß gemacht.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Weil wir das Thema – das Leben mit Menschen mit Demenz – wichtig fanden und auch besonders in diesem speziellen Fall: Eine junge Frau lebt mit einer alten zusammen, mit der sie nicht einmal verwandt ist, und findet das schön. Dieser positive Blick auf das Thema Demenz ist bemerkenswert. Und weil wir von Anfang an daran geglaubt haben, dass Martina Bergmann eine talentierte Autorin ist.

Julia Eisele, Verlegerin

Mein Eindruck von Buchbranche und Literaturbetrieb

Das sind zwei Paar Schuhe. Ich bin hauptberuflich eine Sortimentsbuchhändlerin, und ich bin das sehr gern. Meine Alltagsaufgaben berühren sich nicht mit der literarischen Szene, mit einem wie auch immer definierten Betrieb. Zum einen nicht räumlich, denn ich lebe in Ostwestfalen, und das ist kein Hotspot des Feuilletons. Zum anderen betreffen mich viele Positionen des Betriebs nicht sehr. Ich finde, als Leserin und auch als Zeitgenossin, die meisten Diskussionen relevant, ich finde, Literatur ist auch dazu da, die Themen einer Zeit zu verhandeln. Aber ich bin im Hauptberuf Sortimentsbuchhändlerin, und in einer Provinzbuchhandlung geht es um Liebesromane, Krimis und Wanderkarten. So ist der Job.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Meine eigene. Ich bin dort jeden Tag sehr gern. Ich habe aber zwei große Vorbilder unter den Sortimentern: Anna Jeller in Wien und Burkhard Schirdewahn in Köln. Wenn ich einen kritischen Text veröffentliche, denke ich als Erstes: Oh, was die beiden wohl dazu sagen. Also, deren Meinung ist mir sehr erheblich.

Mein Lieblingsautor

Uwe Johnson. Ich bedaure ihn, dass er es sich so schwer gemacht hat im Leben. Aber seine Literatur ist für mich große Kunst, auch handwerklich.

So lese ich

Mit den Augen. Nein, im Ernst. Ich habe überall Tische, an denen ich lese. In der Buchhandlung vorn, hinten in meinem Büro, bei uns zu Hause an mehreren Stellen. Ich sitze am Tisch und lese. Das habe ich mir im Studium angewöhnt, als sehr regelmäßige Bibliotheksnutzerin – sich einen Ort zum Lesen zu schaffen und dort auf den Text zu konzentrieren.

Schreiben ist für mich

Ein Vergnügen, ein Gespräch mit mir selbst und potenziellen Lesern. Ich schreibe auch immer noch für Heinrich. Er hat alles von mir gelesen, jeden einzelnen noch so nebensächlichen Kleinkommentar. Das tat mir gut.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Dann mach ich was anderes. Eigentlich mach ich ständig andere Sachen und denke, oh nein, verflixt, ich müsste wirklich schreiben. Alice Munro hat gesagt, die Form ihrer Literatur bedingte sich lange aus den Zeiträumen, die ihr neben Haushalt und Kindern blieben. Meine Literatur bedingt sich aus der Länge der Mittagspause im Buch­laden. Von halb eins bis halb drei.

Debütanten im Frühjahr 2019

– im buchreport.magazin 3/2019

 

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