Literatur inspiriert zum Kochen

„Richtig ins Kochen verliebt habe ich mich erst über das Lesen – in der Küche fand ich die gleiche Muße, die mich erfüllte, wenn ich es mir mit einem guten Buch gemütlich machte. Ich fühlte mich den Figuren aus meinen Büchern tief verbunden, und wenn ich die Gerichte kochte, die sie aßen, erschien mir das als ganz natürlicher Weg, ihnen noch näher zu kommen, sie so real werden zu lassen, wie sie es für mich waren“, schreibt Cara Nicoletti im Vorwort ihres Kochbuches „Yummy Books! In 50 Rezepten durch die Weltliteratur“ (Suhrkamp, 2017).

Sie beschreibt, was offenbar viele passionierte Leser spüren: dass das Nachkochen von Gerichten aus Romanen einen neuen Zugang zur Lektüre bieten kann. Die Nachfrage nach entsprechenden Lese- und Kochbüchern, die Literatur mit passenden Rezepten verbinden, führt zu einem Portfolio sehr unterschiedlicher Titel in dieser Nische.

Während beispielsweise Das Märchen-Backbuch“ (Hölker, 2018) mit klassischen Märchentexten arbeitet und Rezepte ableitet, die von diesen inspiriert sind, nimmt „Tea Time mit Jane Austen“ (im August bei Thorbecke erschienen) konkreten Bezug aufs Werk der nach wie vor beliebten Schriftstellerin. Der im Februar bei Riva erschienene Titel Das inoffizielle Asterix-&-Obelix-Kochbuch ist mit seinem Fokus auf berühmte Figuren – und eine bereits mit reichlich Merchandise gefüllte Themenwelt – hingegen ähnlich gelagert wie viele Film- und Serienkochbücher, die in erster Linie Fans der jeweiligen Content-Marke ansprechen.

Auf bestimmte Buchreihen aus dem Spannungsgenre verweisen die Titel „Bretonisches Kochbuch“ (Kiepenheuer & Witsch, 2016, Begleitkochbuch zur Bretagne-Krimireihe von Jean-Luc Bannalec), „Provenzalischer Genuss“ (Südwest, 2018, Begleitkochbuch zur Provence-Krimireihe von Sophie Bonnet) und „Brunos Kochbuch“ (Diogenes, 2014, Begleitkochbuch zur Périgord-Krimireihe von Martin Walker). Zu Walkers Kochbuch veröffentlicht Diogenes Ende September den Nachfolger „Brunos Gartenkochbuch“.

Autorinnen kochen sich durch die Weltliteratur

Daneben sind auch einige Titel auf dem Markt, die sich wie „Yummy Books!“ kulinarisch an verschiedenen Büchern abarbeiten. Potenzial dafür gibt es reichlich, weiß Wunderraum-Lektorin Meike Behrmann: „Essen spielt in vielen Romanen eine wichtige Rolle, man denke nur an die Romane von Amy Tan oder die Kinderbücher von Astrid Lindgren. Nur leider kommen die Rezepte in der Literatur oft viel zu kurz. Wer hat sich beim Lesen nicht schon mal gewünscht, das Rezept für ein im Buch beschriebenes Gericht gleich mitgeliefert zu bekommen?“ Diesem Bedürfnis kommt die gebürtige Australierin Kate Young mit ihrem „Little Library Cookbook“ entgegen, das vor einem Jahr beim Random House-Imprint Wunderraum erschienen ist.

Kate Young (Foto: Lean Timms)

Ihre literarisch inspirierten Rezepte teilt Young bereits seit einigen Jahren auf dem Foodblog „The Little Library Café“. Ihr erstes Buch hat sich hierzulande bisher 12.000 Mal verkauft. Jetzt steht der nächste Band in den Startlöchern: „Mit dem Little Library Cookbook durchs Jahr“ kommt Ende September in einer Auflage von 10.000 Exemplaren auf den Markt. Behrmann schwärmt: „Kate Young geht es nicht darum, ein perfektes Sterne-Menü zu zaubern, sondern darum, bestimmte Stimmungen, Erinnerungen an Kindheitserlebnisse oder geliebte Menschen einzufangen.“ Damit spreche sie nicht nur gleichermaßen Hobbyköche und Buchliebhaber an, sondern setze durch ihre Lektüreberichte auch noch Kaufimpulse: „Kate Young ist einfach eine geniale Buch-Multiplikatorin, denn ihre Buchempfehlungen haben einen sehr persönlichen Touch und laden den Leser zum Entdecken ein.“

Noch etwas freier geht Nicole Giger mit dem Themenmix aus Kulinarik und Literatur um: Die AT-Autorin verwebt in „Ferrante, Frisch & Fenchelkraut. Ich koche mich durch die Weltliteratur“ (erscheint im Oktober) ihre eigenen Rezeptkreationen mit Literatur, lässt dazu Autorinnen und Autoren aus aller Welt zu Wort kommen und erzählt kulinarische Anekdoten aus ihrem Leben. „Dabei spielen direkte kulinarische Bezüge in den Werken von rund 50 Schriftstellerinnen und Schriftstellern eine eher untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr um persönliche Leseerfahrungen, eigene Reise-Erlebnisse und kulinarische Assoziationen aus diesen literarischen Werken“, erklärt Verleger Urs Hunziker.

Die Autorin und Foodbloggerin („Mags Frisch“) zeige in ihrem Buch eine moderne, gesunde, mehrheitlich vegetarische Küche und mache dabei Lust, ihre Leseerfahrungen zu teilen. Der Titel richtet sich somit an jüngere Leserinnen, die eine inspirierende und gesunde Küche schätzen, sowie an Liebhaberinnen schöner und spezieller Kochbücher, die ihre Bibliothek bereichern. Hunziker findet: „In den 90er-Jahren gab es Bücher wie ‚Zu Gast bei Proust‘, die einen Bezug zu gepflegter Kulinarik hatten – und die, aus heutiger Sicht, ziemlich verzopft daherkamen. Sie zeigten in üppigen Bildern bürgerliche Tischsituationen und Rezepte aus längst vergangener Zeit.“ Das sei schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

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