»Lesefreude kommt, wenn man Lesekompetenz fördert«

In einem Interview mit der „Welt“ spricht die Dortmunder Schulpädagogin Franziska Schwabe über das Thema Lesen in Grundschulen. Ihre Thesen wird sie auch am Freitag, 22. März, auf einer Podiumsdiskussion auf der Leipziger Buchmesse diskutieren.

Die zuletzt erschienene Iglu-Studie habe deutlich gezeigt, dass die deutschen Grundschüler große Defizite beim Lesen haben, erklärt Schwabe. Grund dafür sei, dass die Schüler die Kernaussagen eines Textes nicht verstehen könnten und nicht über das reflektieren könnten, was sie gelesen haben. Laut der Wissenschaftlerin vom Dortmunder Institut für Schulenentwicklung ist das ein großes Problem – nicht nur für Schulfächer wie Deutsch und Geschichte, sondern auch für Mathematik, Biologie und Physik. Deshalb fordert Schwabe besser ausgebildetete Lehrer und kritisiert den Hype um die Digitalisierung.

Es sei nicht zu akzeptieren, „dass es bereits in der vierten Grundschulklasse Kinder gibt, von denen man mit Sicherheit sagen kann, dass sie in ihrer weiteren Schullaufbahn in allen Fächern enorme Schwierigkeiten haben werden“, sagt Schwabe. Grund für die Defizite beim Lesen seien häufig die mangelnde Förderung in den Familien, aber auch die fehlende Zeit der Grundschullehrer, da der Stundenplan nicht darauf ausgerichtet sei, den benachteiligten Schülern das Lesen beizubringen.

Schwabe meint, dass schon vor der Einschulung das Lesen trainiert werden sollte. Der spielerische Umgang mit Sprache, durch Laut- und Reimspiele zum Beispiel, wirke sich positiv auf das Lesen aus. Aber auch in den Schulen sollte mehr getan werden. „Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit den besonderen Trainingsmethoden vertraut sind, kann das wunderbare Effekte auf die Entwicklung der Kinder haben“, so Schwabe.

Ein zusätzliches Problem sei der Hype um die Digitalisierung. Gerade durch den Digitalpakt beschäftige man sich im Moment stark mit dem Thema, allerdings sei das nicht nützlich, wenn die Schüler ohnehin nicht lesen könnten. Deshalb fordert Schwabe: „Wenn die nötigen Vorläuferkompetenzen für das Lesen fehlen, dann habe ich mit dem digitalen Medium dieselben Probleme wie mit dem gedruckten. Um zu einer besseren Chancengerechtigkeit zu kommen, müssen die Politiker aktiv werden. Und die Lehrkräfte müssen geschult werden, um Leseprobleme zu erkennen – und diese fachgerecht zu korrigieren.“

Franziska Schwabe nimmt am Freitag an der Podiumsdiskussion „Fürs Lesen verloren? Wenn herkömmliche Leseförderungskonzepte nicht mehr zünden“ teil. Gemeinsam mit Andreas Gold, pägogischer Psychologe der Goethe-Universität Frankfurt, Simon Peter, Chefredakteur und Pressesprecher bei Blue Ocean Entertainment, Heidemarie Brosche, Lehrerin und Kinderbuchautorin und Moderatorin Britta Selle, MDR Kultur, diskutiert sie darüber, wie Kinder mit Lesedefiziten erreicht und unterstützt werden können.

Die Diskussion findet am Freitag, den 22. März, um 10:30 Uhr im Forum Kinder-Jugend-Bildung, Halle 2, B 600 der Leipziger Buchmesse statt.

 

 

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