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Pisa-Studie: Verschlechterung der Leseleistung

Lesen ist eine elementare Kulturtechnik und Voraussetzung für kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaft­liche Teilhabe. Die Lesefähigkeit ist ein zentrales Anliegen der Buchbranche. Politische Argumentationshilfen liefern Schulleistungstest wie die Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die erste, 2001 veröffentlichte Pisa-Studie hatte die deutsche Öffentlichkeit massiv geschockt und bildungspolitische Aktivitäten ausgelöst, weil die Leistungen der deutschen Schüler in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im internationalen Vergleich als unterdurchschnittlich vermessen wurden. 18 Jahre und viele Bildungsmaßnahmen später ist das Bild insofern weniger dramatisch als Deutschland in der aktuell veröffentlichte Pisa-Studie 2018 zumindest über dem OECD-Durchschnitt liegt. Die Leistungsentwicklung bleibt aber auch hinsichtlich der Lesefähigkeit kritisch. Die durchschnittlichen Leseleistungen, die sich bis 2012 zunächst verbessert hatten, sind wieder auf das Niveau von 2009 zurückgefallen.

 

Leseleistung gesunken

Aktuelle Erkenntnisse zur Lesekompetenz:

  • In Deutschland erreichten 79% der Schüler im Bereich Lesekompetenz mindestens Stufe 2 (OECD-Durchschnitt: 77%). Diese Schüler können die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen, sie können expliziten, z.T. auch komplexen Kriterien entsprechende Informationen finden und nach ausdrücklicher Anweisung Funktion und Form von Texten reflektieren.
  • Etwa 11% der Schüler in Deutschland erfüllen die Anforderungen von Stufe 5 oder 6 des Pisa-Lesekompetenztests und zählen damit in diesem Bereich zu den besonders leistungsstarken Schülern (OECD-Durchschnitt: 9%). Schüler, die diese Kompetenzstufen erreichen, können längere Texte verstehen, mit abstrakten und kontraintuitiven Konzepten umgehen und aufgrund von impliziten Hinweisen in Bezug auf Inhalt oder Informationsquelle zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden.

 

Beträchtliche soziale Unterschiede

Ein in Deutschland ausgeprägtes Phänomen bleibt die Chancenungerechtigkeit von sozial benachteiligten Kindern bzw. Kindern mit Migrationshintergrund:

  • Der Leistungsunterschied im Bereich Lesekompetenz zwischen Schülern mit günstigem sozioökonomischem Hintergrund und solchen mit ungünstigem Hintergrund ist in Deutschland beträchtlich und hat sich seit 2009 noch weiter ausgeprägt.
  • Die privilegiertesten 25% der Schüler haben gegenüber den sozioökonomisch am stärksten benachteiligten 25% einen Leistungsvorsprung von 113 Punkten, 24 Punkte mehr als im OECD-Durchschnitt.
  • Zwischen Schülern mit und Schülern ohne Migrationshintergrund besteht im Bereich Lesekompetenz ein Leistungsabstand von 63 Punkten. Dieser Abstand ist auch nach Berücksichtigung des sozioökomischen Profils der Schüler und der Schulen vergleichsweise groß.
  • 16% der Schüler mit Migrationshintergrund konnten sich jedoch trotz ihrer relativen sozioökonomischen Benachteiligung im obersten Quartil der Leistungsverteilung platzieren.
  • Mädchen schneiden in Deutschland im Bereich Lesekompetenz deutlich besser ab als die Jungen. Sie erzielten im Schnitt 26 Punkte mehr (OECD-Durchschnitt: 30 Punkte).
  • Der Leistungsvorsprung von Mädchen ist aber aktuell geringer als im Jahr 2009 (40 Punkte).

In Deutschland: Die Lesekompetenz der deutschen Schüler ist wieder auf das Niveau von 2009 gefallen, liegt aber über dem OECD-Durchschnitt (l.). Staatsministerin Dorothee Bär liest im Rahmen des Bundesweiten Vorlesetags (M.). (Grafik/Foto: OECD.Pisa; Pia-Sophie Nowak für DIE ZEIT)

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