Kurt Wolff Stiftung: »nicht gelistet« heißt nicht »vergriffen«

Die Indie-Verlage sorgen sich um die Sichtbarkeit ihrer Bücher, nachdem im Zwischenbuchhandel Sortimente verkleinert wurden. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft appelliert die Kurt Wolff Stiftung daher nochmals an Buchhandlungen und Leser.

In dem Appell, der mit „Weihnachtssorgen der Verlage” überschrieben ist, verweist die Stiftung auf eine angespannte Situation infolge der Entwicklungen im Zwischenbuchhandel, namentlich die KNV-Insolvenz und eine Auslistungsaktion von Libri in diesem Jahr. Die Folgen seien weniger Sortimentstiefe und weniger Sichtbarkeit.

Der Appell der Kurt Wolff Stiftung im Wortlaut:

Eigentlich ist der Winter eine großartige Zeit für Verlage – und für den ganzen Buchhandel. In den kalten Tagen und insbesondere zu den Feiertagen wird ein Großteil der Jahresumsätze gemacht.

Doch in diesem Jahr ist die Freude aufseiten der Verlage getrübt – alle Verlage, ob groß, ob klein und unabhängig von der Weltanschauung, haben in diesem Jahr das Problem, dass die Buchhandelszwischenhändler ihre Sortimentstiefe stark eingeschränkt haben. Der Anbieter KNV ist Anfang des Jahres in Konkurs gegangen, aus dem er von der Firma Zeitfracht gerettet wurde, doch das Angebot ist noch immer eingeschränkter als vor zwölf Monaten. Der Anbieter Libri hat seinen Titelbestand um 250.000 Titel gekürzt.

Diese Titel tauchen nun auch bei vielen Onlineanbietern und auch in manchen Sortimenten nicht mehr auf, und in allen Verlagen klingeln nun allenthalben die Telefone, da verunsicherte Buchhändlerinnen und Buchhändler fragen, ob denn das Buch noch lieferbar sei – oder überhaupt existiere.

Das alles senkt die (in der Regel am Verkauf bemessenen) Honorare der Autorinnen und Autoren, es gefährdet kleinste Verlage in ihrer Existenz, aber auch größere Häuser sehen den Ernst der Lage – Bände aus fortlaufenden Werkausgaben sind plötzlich nicht mehr gefragt, ein Lyrikband einer Klassikerin gilt als nicht mehr bestellbar, ein wichtiges Sach- oder Fachbuch ist quasi unverkäuflich geworden. Und diese Bücher gelten damit als vergriffen!

Das wiederum gefährdet die Bibliodiversität, die kulturelle Vielfalt auf dem Buchmarkt.

Daher rufen wir hiermit alle Buchhandlungen und alle Leserinnen und Leser auf – lassen Sie sich nicht beirren! Informieren Sie sich auf den Websites der Verlage oder im Verzeichnis lieferbarer Bücher. Denn jede gute Buchhandlung wird jedes lieferbare Buch besorgen. Und sie wird es sehr gern tun – denn dem ganzen Buchmarkt ist daran gelegen, dass die Vielfalt der Buchwelt erhalten bleibt.

Leipzig, der 22. November 2019

Der Vorstand der Kurt Wolff Stiftung:
Britta Jürgs
Leif Greinus
Jörg Sundermeier

 

Indies: Sorgen um Sichtbarkeit

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