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Libri.Campus 2021: Die Buchhandlung von morgen

Wie geht es jetzt weiter? Auch wenn das Ende der Pandemie-Beschränkungen noch nicht in Sicht ist, geht es  um die Frage nach der Buchhandlung von morgen: Wie wird die „neue Normalität“ den Buchhandel verändern? Das ist das übergreifende Thema des diesjährigen Libri.Campus.

Zu möglichen Antworten soll u.a. Trendforscherin und Kommunikationstrategin Theresa Schleicher führen. Im Vorgespräch mit buchreport formuliert sie folgende Thesen:

  • Bereits vorhandene und krisenresistente Strömungen wie Bio-Ökologie oder Nachhaltigkeit wurden in der Corona-Pandemie noch einmal spürbar verstärkt.
  • Digitale Geschäftsmodelle und Services werden in der Zeit nach Corona neue Bedeutung erhalten, nicht nur für große Plattformen, sondern auch für lokale Händler.
  • Nach der erzwungenen Distanz wird aber auch ein Gegentrend spürbar sein, der die Menschen wieder stark hin in die stationären Erlebnisorte treiben wird.

Wie sich Digital und Lokal künftig verknüpfen lassen, ist komplex. Theresa Schleicher weist auf eine Veränderung hin: „Bisher galten immer jüngere Zielgruppen als Trendsetter. Während Corona hat sich der Blick auf Zielgruppen verändert: Wir brauchen Angebote für jedes Lebensalter, mehr Individualität.“ Gleichermaßen gelte es auch, sich breiter aufzustellen: „Kooperation statt Wettbewerb.“ In der Krise sei an vielen Stellen Mut entstanden, Veränderungen endlich anzugehen.

Fortbildung zur »Buchhandlung von morgen«

 

Die Herausforderungen für die Zukunft umfassen nach Auffassung von Schleicher zwar den digitalen Bereich, doch nicht allein. Natürlich hätten von der Krise nicht nur die großen Plattformen wie beispielsweise Amazon profitiert, sondern auch viele kleine Händler. Zumal die Lust am Einkaufen sich nicht verändern werde, prophezeit Schleicher. Was sich verändere, sei der Blick auf die Dinge: Achtsamkeit, die neue Fokussierung auf den lokalen Handel. In der Krise sei auch bei den Buchhändlern ein neues Selbstverständnis entstanden. Wer die Pandemie überstehe, könne auch selbstbewusst seine Kunden ansprechen.

Für Schleicher wichtig ist der „Gegentrend“: je mehr online eingekauft werde, je mehr steige auch die Sehnsicht nach den Läden vor Ort, nach Begegnungen, dem Stöbern zwischen Regalen.

Eine der Fragen des Campus wird sicher auch sein, in welchem Umfang das Onlinegeschäft nach dem Ende der Corona-Beschränkungen verlieren wird. Libri-Vertriebsleiter Bertram Pfister glaubt, dass viele Kunden mittlerweile bemerkt hätten, wie einfach der Online-Kauf mittlerweile sei. Das werde möglicherweise dazu führen, dass Online nicht so viel verlieren wird, um wieder auf ein Niveau vor der 2020 zu fallen. Pfister betont, es sei nicht der Anspruch, auf Augenhöhe mit Amazon zu konkurrieren. Es gehe eher darum, die „Hybrid-Käufer“ zu halten: Online-Käufer sollen auch die Buchhandlung vor Ort entdecken – oder andersherum. Dabei sei nicht mehr ein „entweder oder“ gefragt, sondern die Erkenntnis, dass eigene Angebot als Omnichannel-Angebot zu gestalten.

Zum Stichwort Kooperationen merkt Schleicher im buchreport-Gespräch an, dass künftig gemeinsame Marktplätze wichtig sein werden. Kooperation statt Wettbwerb lautet das Motto. Dabei gehe es nicht mehr nur darum, was ein Händler auf eigenen Flächen anbieten könne, sondern auch darum, über welche externen Kanäle und Plattformen eine Präsentation sinnvoll sein könne. Man müsse jetzt handeln – denn in der Krise sei vielerorts ein neuer Mut entstanden, Projekte anzugehen, die zuvor liegen geblieben waren.

Libri.Campus 2021

Zum 18. Mal findet der Libri.Campus 2021 statt, wie im Vorjahr als digitale Veranstaltung. Vom 3. bis zum 6. Mai sind Workshops zu drei Schwerpunkten geplant.

  • Trends: Welche Entwicklungen gibt es? Welchen Einfluss haben sie auf Verhalten und auch den Handel?
  • Touchpoints: Wie und wo sind Kunden künftig zu erreichen?
  • Teams: Wie sieht Mitarbeiterführung aus?

Moderatoren und Referenten sind Libri-Vertriebsleiter Bertram Pfister sowie Handelsexpertin Heike Scholz und Buchhändler Robert Duchstein. Als Experten treten u.a. Zukunftsforscherin Theresa Schleicher und Max Riethmüller vom Mediacampus Frankfurt auf.

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