Köder für die Muggles

Die eigenen Kunden nur zu Pottermore weiterzuleiten, statt ihnen selbst die „Harry Potter“-E-Books anzubieten, die Kröte will Amazon offenbar nicht länger schlucken: In den USA verleiht der Onliner die digitalen Bücher von Joanne K. Rowling ab 19. Juni kostenlos an die „Prime“-Kunden.

Nach einer Pressemitteilung von Amazon sind die Titel in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch verfügbar. „Wir sind sehr erfreut, dass wir die Vereinbarung mit Pottermore getroffen haben“, jubelt Amazon-Chef Jeff Bezos in einer Pressemitteilung. Die Nachricht vom Geschenk für die „Muggles“ (wie die Nicht-Zauberer in Rowlings Romanen genannt werden) verkündet Bezos aktuell auf der Startseite von amazon.com.

Dies sei eine „signifikante Investition“ in das Kindle-Ökosystem. Anders als in herkömmlichen Bibliotheken, in denen die Kunden mitunter Monate auf populäre Bücher wie „Harry Potter“ warten müssten, gebe es in der Kindle-Bibliothek keine Beschränkung, wie viele Kunden das E-Book simultan lesen.
Seit November 2011 können Kunden von „Prime“ – die 79 Dollar für eine schnellere Belieferung und den Zugriff auf eine digitale Filme- und TV-Show-Bibliothek zahlen – auch E-Books über amazon.com ausleihen, einen Titel pro Monat. Das geliehene E-Book dürfen die Kunden so lange auf dem Gerät belassen, wie sie es wünschen. Wenn sie ein neues Buch leihen, wird das vormals entliehene Exemplar gelöscht. Aktuell umfasst die Leih-Bibliothek laut Amazon 145.000 Titel, darunter 100 Titel der aktuellen oder früheren „New York Times“-Bestsellerliste.
Dass die Pottermore-Betreiber Amazon überzeugen konnten, vom bisherigen Geschäftsmodell abzuweichen und die Kunden zum Einkauf der Potter-E-Books nur weiterzuleiten, gilt in der US-Buchbranche als Erfolg in einer ungewöhnlichen Machtprobe (hier mehr).

Kommentare

2 Kommentare zu "Köder für die Muggles"

  1. Ich muss mal wieder daran erinnern, dass Verleihprogramme auf das leichteste geknackt werden können. Wer E-Books verleiht, sorgt aktiv für Internetpiraterie.

  2. Jürgen Schulze | 11. Mai 2012 um 5:11 | Antworten

    Leihflats sind die Zukunft des E-Books.
    Warum soll man sich etwas virtuelles, was man sich NICHT ins Regal stellen kann, noch kaufen?
    Wenn man Potter IV nochmal lesen will, leiht man es sich wieder für 2 Wochen und fertig.

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