Katharina Hesse: »Im Handel ist eine Begeisterung für schöne Bücher spürbar«

Katharina Hesse (Foto: Gaby Gerster)

Die Stiftung Buchkunst hat wieder einmal die schönsten Bücher des Jahres gewählt. Geschäftsführerin Katharina Hesse zieht im Interview eine Bilanz des aktuellen Jahrgangs.

Wie zufrieden sind Sie mit den diesjährigen Einreichungen?

Die Zahl der eingereichten Bücher ist leider leicht zurückgegangen, aber nicht die Zahl der Einreicher. Das Interesse am Wettbewerb lässt also nicht nach. Und die Qualität ist dieses Jahr recht hoch. Die Herstellungsleiter der Verlage wissen inzwischen ziemlich genau, was eine Chance hat und was nicht. Sie bringen aber auch immer mal wieder etwas Unerwartetes ein, was dem Wettbewerb gut tut.

Was sind die Trends in der Buchgestaltung?

Die Branche ist durchaus innovativ, dieses Jahr haben wir auffällig viele verschiedene Möglichkeiten gesehen, folienfrei zu arbeiten und damit Lösungen für die gewünschte Abkehr von der Einschweißfolie anzubieten. Ansonsten gibt es immer wieder rein gestalterische Trends, etwa Farbschnitte oder Klappenbroschuren.

In welchen Sparten wächst die Bereitschaft zur Gestaltung schöner Bücher?

In den Kategorien, in denen eine gute Gestaltung seit jeher wichtig ist, etwa beim Kunstbuch, ist der Einsatz konstant hoch. Im Fachbuchbereich fällt mir aktuell auf, dass mehr versucht wird, Themen und Bücher ungewöhnlicher aufzubereiten. Und auch in der allgemeinen Literatur wird mehr Kraft hineingelegt, auch um die gedruckten Bücher von digitalen Medien abzuheben. Das gilt mittlerweile verlagsübergreifend und längst nicht mehr nur für Vorreiter wie Matthes & Seitz, die Andere Bibliothek oder die Büchergilde Gutenberg.

Weiß der Buchhandel gut gestaltete Bücher zu schätzen?

Nicht jeder Buchhändler interessiert sich für das Thema, aber insgesamt ist im Handel durchaus eine Begeisterung für schöne Bücher spürbar. Wir bemerken das besonders dann, wenn unsere Ausstellung der Schönsten Bücher in einer Buchhandlung präsentiert wird und der Sortimenter unseren Gewinnern noch eine eigene Auswahl schöner Bücher zur Seite stellt.

Warum sind nicht alle Bücher gut gestaltet?

Es gibt Verlage, bei denen schlichtweg kein Interesse besteht und auch keine Notwendigkeit gesehen wird, über den Inhalt hinaus zu investieren. Es wird oft aufs Budget geschoben. Da muss ich gegenhalten: Die Produktion aufwendig gestalteter Bücher mag zwar teurer sein, aber Gestaltung ist nicht nur eine Materialfrage. Eine gute Typografie beispielsweise verursacht keine Extrakosten.

Wie wirkt die Auszeichnung?

Wir sind noch weit entfernt von der Strahlkraft des Deutschen Buchpreises. Aber: Wenn ein Buch mit unserem goldenen Aufkleber versehen ist, ist das immer dienlich. Wir profitieren in unserer Arbeit insgesamt von einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft: Viele Leute sind heute der Ansicht, dass Dinge, die sie kaufen, qualitativ hochwertig sein sollten.

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