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Ein bisschen Preisbindung für alles?

Herstellern ist es untersagt, dem Handel Verkaufspreise vorzuschreiben – mit der bekannten Ausnahme für Bücher. Die vertikale Buchpreisbindung ist ein Privileg, das auch im europäischen Rahmen immer wieder mal kritisch beäugt wird. Jetzt hat allerdings die EU-​Kommission mit einem Entwurf für neue „Vertikal-Leitlinien“ auf sich aufmerksam gemacht. Demnach könnte Herstellern erlaubt werden, Mindest-Werbepreise für ihre Produkte festzulegen. Darüber hat zuerst die „Lebensmittelzeitung“ berichtet.

Mindestpreise wären im Interesse von Markenherstellern, die massive Preisaktionen des Handels mit ihren Produkten kritisch sehen. Die Aktionspreise dienen dazu, die Kunden in den Laden zu locken, entwerten aber womöglich die Produkte in den Augen der Endkunden. Bis zum gesetzlichen Preisbindungsverbot Mitte der 1970er-Jahre hatten Markenartikler ihre Produkte häufig vor Preismarketing-Aktionen geschützt.

Eine Preisuntergrenze, wie sie die EU-Kommission jetzt ins Spiel bringt, hätte auf die deutsche, gesetzlich geregelte Buchpreisbindung, nach der Bücher überall dasselbe kosten, keine unmittelbaren Auswirkungen. Aber:

  • Die große Diskrepanz zwischen den sehr strengen Buchpreisregeln und dem bei anderen Waren bisher freien Preiswettbewerb würde kleiner.
  • Die Idee, gebundene Preise als Mindestpreise zu verstehen und so Preiskämpfe zu vermeiden, könnte auch als Modell für Bücher ins Gespräch kommen, so wie es das österreichische Buchpreisbindungsgesetz ohnehin vorsieht (s. auch Kasten).

Buchpreisbindung: Österreichische Flexibilität

Das deutsche Buchpreisbindungsgesetz sieht „verbindliche Preise“ für Endkunden vor. Das Preisbindungsgesetz Österreichs spricht dagegen vom „einzuhaltenden Mindestpreis“, der also überschritten werden kann.

2016 wurde ein Preisexperiment von Thalia Österreich bekannt. Der damalige Geschäftsführer Josef Pretzl kritisierte die von deutschen Verlagen für Österreich festgelegten Preise als zu niedrig und der Kostenentwicklung nicht angemessen. Pretzl nutzte deshalb den Spielraum des österreichischen Gesetzes und erhöhte testweise in mehreren Filialen die Buchpreise, allerdings nur stationär, nicht im Vergleich der Onlineshops. Zum Ergebnis des Experiments hielt sich Thalia bedeckt.

Marktführer als Preisführer

 

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