Kampf um die Plätze im Lesesaal

Konstanze Söllner ist leitende Direktorin der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2015 ist sie außerdem Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB). Er richtet mit dem Berufsverband Information Bibliothek (BIB) vom 12. bis 15. Juni den 107. Bibliothekartag in Berlin aus, der größten bibliothekarischen Fachveranstaltung Europas. (Foto: Universitaetsbibliothek Erlangen – Nürnberg)

Die deutschen Bibliotheken platzen wegen hoher Schüler- und Studentenzahlen aus allen Nähten. Konstanze Söllner, leitende Direktorin der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB), fordert bessere Digitalisierungsstrategien und Finanzierungsprogramme.

Bibliothekare schlagen Alarm wegen überfüllten Bibliotheken. Warum sind Deutschlands Bibliotheken so voll?

Auf die bibliothekarischen Einrichtungen wirkt sich unmittelbar aus, dass die Zahl der Schüler und Studenten deutlich höher als erwartet ist. Die Nutzerzahlen nehmen nicht ab, sondern steigen, was dazu führt, dass viele Bibliotheken alarmierend überfüllt sind. Bei uns in Erlangen und Nürnberg ist die Zahl der Studenten in 10 Jahren um 55% gestiegen. Morgens warten sie schon vor der Tür und stürmen dann in die Lesesäle, um noch einen Platz zu ergattern.

Die Digitalisierung macht die Standortbibliotheken also nicht überflüssig, wie oftmals befürchtet?

Ganz im Gegenteil. Trotz Digitalisierung ist das Bedürfnis nach einem Ort zum Lernen groß. Nicht nur in den Universitäts- und Hochschulbibliotheken, sondern auch in öffentlichen Bibliotheken. Diese Entwicklung hat uns auch etwas überrascht und wir haben damit zu kämpfen, weil viele Bibliotheken unterdimensioniert sind. Es geht aber auch um die Qualität der Arbeitsplätze. Vielfach werden Makerspaces und Digital Labs neu eingerichtet. Außerdem müssen Bibliotheken ihr Personal für neue Herausforderungen qualifizieren.

Wie steht es generell um die Ausbildung im deutschen Bibliothekswesen?

Grundsätzlich gut, aber Ausbildung ist ein weites Feld und mit der Digitalisierung geht ein großer Nachholbedarf für neue Ausbildungsgänge einher. Besonders stark im Fokus steht derzeit das Forschungsdatenmanagement und der Umgang mit den Datenschätzen in Bibliotheken.

Wie geht es weiter? Welche zentralen Forderungen will der Bibliothekartag Mitte Juni in Berlin diskutieren?

Ein ganz wichtiger Schwerpunkt werden nachhaltige und langfristige Finanzierungsprogramme sowie verbesserte Digitalisierungsstrategien sein.

Das klingt teuer. Wie groß sind die Chancen auf Umsetzung?

Es gibt im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung einen Prüfauftrag, wie der Bund zum Erhalt der vielfältigen Bibliothekslandschaft und ihrer zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutung beitragen kann. Das ist nur eine Absichtserklärung und wir wollen selbstverständlich mehr. Aber die Politik hat uns auf dem Schirm.

Ihre Botschaft an die Bundesregierung?

Wir sind wichtig, sonst wären Bibliotheken heutzutage nicht so überfüllt. Ich glaube, das ist ein sehr tragendes Argument.

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