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Thalia-Mitarbeiter im Kampf für die Tarifbindung

In Hamburger Filialen des Buchhandels-Marktführers Thalia gibt es Widerstand gegen die „Tarifflucht“ des Unternehmens. Mit dem Jahreswechsel hatten die verbliebenen tarifgebundenen Thalia-Filialen in der Vertriebs­gesellschaft Thalia Nord wie angekündigt eben diese Bindung verlassen.

Der Landesbezirk Hamburg der Gewerkschaft Verdi hatte vor diesem Hintergrund die Mitarbeiter der Filialen zu einem Streik aufgerufen, der Ende vergangener Woche stattfand. Ziel sei die Rückkehr des Unternehmens in die Tarifbindung. Thalia hatte zwischenzeitlich ein eigenes Vergütungssystem entwickelt, das mit einer Übergangsfrist unternehmensweit etabliert werden soll (s. Kasten unten).

Im vergangenen Jahr hatte Thalia auch 12 seiner Berliner Filialen in die Nord-Vertriebsgesellschaft überführt. Auch dort wurde bereits gestreikt: Im März, Anfang Mai und zuletzt am 17. Juni hatten Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt. Weitere Streiks sind nach Aussagen von Verdi geplant. 

Thalia selbst kommentiert den Streik nicht, verweist aber erneut auf die bereits kommunizierten Vorteile des neuen Modells: „Wir sind von den Vorteilen des Thalia-Modells überzeugt, denn dieses ermöglicht es uns, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutschlandweit vergleichbare und faire Gehälter zu zahlen. Auch marktübliche Gehaltssteigerungen sind im Rahmen unseres Modells vorgesehen. Viele Mitarbeitende stellen sich besser,  Leistungsanreize werden transparent und deutlich klarer definiert. Unser Ziel ist es Arbeitsplätze im Buchhandel nicht nur langfristig zu erhalten, sondern, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ein modernes und interessantes Arbeitsumfeld zu schaffen“, heißt es dort auf buchreport-Anfrage.

Thalias Tarif-Exit

Zum 1. Januar 2021 hatte Thalia seine Mitgliedschaft im Handelsverband deutschlandweit in eine OT-Mitgliedschaft im NRW-Handelsverband verändert und ist damit nicht mehr an Tarife gebunden. Seit Anfang 2022 gilt das auch für die bis dahin noch tarifgebundenen Hamburger Filialen. Das Unternehmen hat parallel ein eigenes Leistungs- und Vergütungssystem erarbeitet, mit dem die durch Zukäufe stark diversifizierten Entgeltstrukturen vereinheitlicht werden sollen. Der Umstieg auf das neue Entgeltsystem sei allerdings freiwillig und ist seit dem 1. April 2022 möglich. Binnen 5 Jahren soll das neue Thalia-Modell unternehmensweit umgesetzt werden. Mehr dazu: buchreport.de/go/thalia-21-09

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