Jury vergibt Deutschen Hörbuchpreis 2020

Die Hörbuchpreisträgerjury 2020: Jochen Meißner, Iris Graßmann, Jörg Hopfgarten, Astrid Roth, Lothar Sand und Ann-Kathrin Kramer (v.l.n.r., Foto: WDR/Annika Fußwinkel)

Aus 18 Nominierten hat die diesjährige Preisträgerjury die Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises bestimmt, der in jeder Kategorie mit 3333 Euro dotiert ist:

  • „Beste Interpretin“: Schauspielerin Camilla Renschke gewinnt den Preis für ihre „klare und schnörkellose Inter­pretation“ des Romans „Gilgi – eine von uns“ von Irmgard Keun (DAV). „Leichtfüßig und mädchenhaft“ sei sie in den Charakter der jungen Protagonistin geschlüpft, lobt die Preisträgerjury.
  • „Bester Interpret“: Schauspieler Christian Berkel erhält den Preis für die „meis­terhafte Interpretation“ des Romans „Serotonin“ von Michel Houellebecq (DAV). Indem Berkel „mit beiläufiger Eleganz“ sowohl die „intellektuelle Dimension“ des Textes als auch seine „ergrei­fende Melancholie“ zum Klin­gen bringe, mache er auch die „vielen Zwischentöne“ von Houellebecqs Zivilisationskritik erfahrbar.
  • „Bestes Hörspiel“: Regisseurin Luise Voigt und Komponist Björn SC Deigner werden für ihre „eindrucksvolle Hörspiel­fassung“ des Romans „Die Jahre“ (DAV) von Annie Ernaux geehrt. Durch die „einzig­artigen Stimmen“ des vierköpfigen Ensembles und die „vielschichtige minimalistische Komposition“ finde der autofiktionale Text in der Kunstform des Hörspiels „seinen idealen Aggregatzustand“, meint die Preisträgerjury.
  • „Bestes Sachhörbuch“: Moderator Jürgen von der Lippe hat für den Verlag Schall & Wahn „Eine kurze Geschichte der Trunken­heit“ von Mark Forsyth eingelesen. Mal „unterhaltsam, aber ohne wohlfeilen Klamauk“, mal mit dem gebotenen Ernst nehme von der Lippe „seine Hörerinnen und Hörer mit durch die Jahr­tausende, aber eben nicht aufs Korn“ – in den Ohren der Jury ein „preiswürdiges Kunststück“.
  • „Beste Unterhaltung“: Schauspieler Matthias Matschke hat die Preisträgerjury als Sprecher des Hörbuchs „Achtsam morden“ (Random House Audio) von Karsten Dusse überzeugt. „Mit sanfter Stimme“ verstehe es Matschke, die unsympathische Hauptfigur zu einem „Sympathieträger“ zu machen.

Zwei separate Jurys wählten die Preisträger in diesen beiden Sonderkategorien aus:

  • „Bestes Kinderhörbuch“: Traditionell bestimmt eine Kinderjury den Siegertitel. Ihr gehörten diesmal fünf Landesfinalisten des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels an. Sie kürten Sascha Maria Icks zur Preisträgerin für ihre Interpretation von „Agatha Merkwürdens Racheblumen“ von Nicola Skinner (HarperCollins/Lübbe Audio). Jeder Figur des „spannenden Hörbuchs“ verleihe die Sprecherin den passenden Ausdruck, urteilten die jungen Jurorinnen und Juroren. Das Hörbuch habe außerdem eine „schöne Botschaft“ und könne Jungen genauso gut gefallen wie Mädchen.
  • „Bester Podcast“: Dieser Preis wird 2020 zum zweiten Mal vergeben. Die Podcast-Jury entschied sich für die fünfteilige Produktion „Leonora. Mit 15 zum IS“ (NDR Info, Thilo Guschas/Ulrike Toma). Das Autorenteam Lena Gürtler, Britta von der Heide und Volkmar Kabisch erzähle „akustisch so spannend wie ein Krimi“ von Leonora, die sich mit 15 der Terrormiliz in Syrien anschließt, und von ihrem in Sachsen-Anhalt lebenden Vater, den die Reporter vier Jahre lang begleitet haben. Der herausragende Podcast habe eine „thematisch hohe Relevanz“ und entwickle einen „Sog“, dem man sich nicht entziehen könne und wolle, so die Jury. 

Die Preisverleihung veranstaltet der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am 10. März 2020 im Kölner Funkhaus. Zusammen mit dem Deutschen Hörbuchpreis wird dann auch der WDR Publikumspreis – Mein Hörbuch 2019 verliehen. Über dessen Preisträger lässt sich bis zum 9. Februar hier abstimmen. Der Gewinner wird während der Preisverleihung bekannt gegeben.

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